bin schrecklich abgespannt , “ klagte sie nach einem Weilchen . „ Das ist doch kein Wunder , diese ewig lange Fahrt heute , dort das Stehen in der kalten Kapelle , die Rückfahrt – du solltest dich ruhig in deinem Zimmer auf die Chaiselongue legen , Toni , “ sagte er freundlich . Sie erhob sich . „ Ich störe euch wohl ? “ fragte sie statt der Antwort . Ihr Gesicht war noch um eine Schattierung bleicher . „ Durchaus nicht , “ antwortete er ruhig und ohne auf die Unart einzugehen . „ Ich meinte es einfach gut mit dir . Was ich mit Hede zu sprechen habe , kannst du wahrhaftig hören . Also “ , begann er , nachdem Hedwig sich gesetzt und er eine Cigarre angebrannt hatte , deren Rauch er , gegen seinen Schreibtisch gelehnt , mit absichtlich zur Schau getragener Gemütsruhe vor sich hinblies , daß die Schwester , der sein Wesen so genau vertraut war , schon daraus seine große innere Erregung erkannte ; „ also , Hede , wie geht ’ s dir denn nun dort unten ? “ „ Gut ! “ antwortete sie , „ ich habe viel zu thun , und ich bin so glücklich , wenn ich zum Schloß hinauf sehe und denke , da oben ist Heinz . Wenn ich mit einem Tuche winke , würdest du es sehen können ? “ „ Wie rührend ! “ sagte Toni spöttisch . „ Na , Hede , ich will dir ganz offen bekennen , “ sprach er weiter , „ ich würde ganz froh sein , wenn ich dieses Winken nicht sehen könnte , falls du ’ mal in einer romantischen Stimmung ein Tüchlein zu schwelen beliebtest , aber es wird wohl so kommen , wir bleiben Nachbarn . Ich wollte nämlich lebensgern wieder den bunten Rock anziehen – – begreifst du , Kind ? “ „ Vollkommen , Heinz ! Ich habe sogar bestimmt geglaubt , daß du das thun wirst , und habe mich mit dem Gedanken vertraut gemacht , hier allein zu bleiben , ich kann doch nicht so mir nichts dir nichts meine Verpflichtung lösen . „ Natürlich nicht “ , schaltete Toni ein , „ ich denke mir , du rechnest auf ein recht dauerndes Engagement . “ Hedwig sah befremdet zu der Schwägerin hinüber ; das hatte so wunderbar geklungen , aber sie verstand nicht , was jene meinte . „ Toni ist manchmal prophetisch angeregt , “ scherzte er , „ hoffen wir , daß sie recht behält , Kind , denn , siehst du , auch wir werden recht lange hier bleiben , vermutlich bis an unser Ende , das bei meinem Leben in dieser herrlichen Luft und dem bescheidentlichen gegen alle Aufregungen gefeiten Dasein erst in nebelgrauen Zeiten eintreten dürfte . Wie du mich hier siehst , bin ich der herzogliche Schloßhauptmann , und die dort die Frau Schloßhauptmann von Breitenfels , mit freier Wohnung und einem Gehalt , das uns vor allem Uebermut und La ^ ns trefflich schützt , und einer Pension , mit Hilfe deren meine Frau standesgemäße Toilette tragen wird . Was sagst du nun , Hede ? “ Das Mädchen starrte den Redenden entsetzt an . „ Heinz , das kannst du nicht ! Das darfst du nicht ! “ stieß sie hervor . „ Werde doch wieder Soldat , du darfst dich hier nicht lebendig begraben lassen ! “ „ Ich verbitte mir , daß du Heinz so aufhetzt “ , rief jetzt Toni , „ ich begreife nicht , was du willst ! Wir haben nette Wohnung , haben den alten angenehmen Verkehr und stehen hier immer an der Spitze . Das Verzweifeltthun von Heinz finde ich einfach unpassend . „ Ich bin ja kreuzfidel , “ lachte er , „ finde es ja wundervoll ! Ich denke , bei mir bildet sich in dieser Stille , in diesem absoluten Nichtsthun noch ein ’ Talent ’ aus – zum Naturforscher oder zum Nimrod oder Maler , oder aber ich erfinde einen neuen Liqueur , werde weltberühmt wie Gilka und nebenbei ein eifriger Liebhaber dieses Erzeugnisses . Ach Gott , ich sage euch , wer weiß , wie weit ich ’ s noch ’ mal bringe ! Uebrigens ist ’ s doch nett , daß ich den Titel Schloßhauptmann bekam , von Rechts wegen müßte ich doch Oberkastellan heißen – was ? “ Er warf mit einer heftigen Bewegung die halb ausgerauchte Cigarre in den Kamin und suchte nach einer andern im Etui . „ Warum kannst du nicht wieder eintreten , Heinz ? “ brachte Hedwig mit zitternden Lippen hervor . „ Na , Schatz , du hast doch gewiß ’ mal was gehört vom ’ Kommißvermögen ’ , nicht wahr ? Siehst du , das fehlt uns eben . Ein paar Tage lang schwebten wir sozusagen in der Luft , es war ungemütlich – Toni , was ? Ich sage dir , Kind , ich bin umhergelaufen wie ein Löwe im Käfig – was nun werden ? Nichts haben , nichts sein ! Und dann so eine arme , kleine Frau dazu , deren Vorhandensein unsereinem das Experimentieren verbietet , so etwa nach Transvaal zu gehen , nach Indien oder Melbourne , um Diamanten , Goldklumpen und Gott weiß was zu finden ! Gelt , Toni , es fing schlecht an mit uns ? “ Er war vor ihr stehen geblieben und sah wirklich mitleidig auf das kleine , blasse Geschöpf herab , das mit verdrießlichem Gesichtsausdruck den Kopf zur Seite wandte . „ Und der Herzog ? Um Gottes willen , Heinz , bitte doch den Herzog ! “ flehte Hedwig . „ Der Herzog hat mir ja die Stellung hier geschaffen , Kind , extra für mich geschaffen , denn bis dato gab ’ s noch keinen Schloßhauptmann von Breitenfels in der Weltgeschichte ! “ „ Aber du gehst hier ja zu Grunde , “ jammerte die