kleine Kinder , kleine Sorgen , große Kinder , große Sorgen ! Es ist so auf der Welt . “ „ Du lieber Gott , “ meinte die alte Frau , „ so ein bischen Gottvertrauen gehört schon immer mit dazu ; um den Jungen , den Army , aber , da ist mir schon gar nicht bange ; so ein frisches junges Blut , dem wird das bissel falsche Lieb ’ nicht gleich das Herz abdrücken , dazu ist er ein zu stolzes Gemüth , und Liebesweh ist netter Liebeszunder , wird bald ’ nen andern Schatz haben . “ „ Nun , das wäre Nebensache , Muhme , aber die leidigen Verhältnisse sonst noch , und – “ Klapp , da war die Thür gegangen und das junge Mädchen verschwunden ; und da saßen die Zurückbleibenden und staunten sich in stummer Verwunderung an . 14. Der Onkel Pastor hatte sich auf den Heimweg begeben , ohne das junge Mädchen wiedergesehen zu haben . Ein Ruf im Hausflur nach ihr war unbeantwortet geblieben . Die Muhme suchte ihr Liesel allenthalben . In der Wohnstube war sie nicht , in der Weihnachtsstube auch nicht , und nun öffnete sie vorsichtig die Thür zu dem Zimmer des Mädchens ; es war fast dunkel drinnen , aber dort am Fenster stand eine schlanke Gestalt und schaute unbeweglich in die schweigende schneehelle Nacht . „ Liesel ! “ rief die alte Frau leise . „ Muhme , “ klang es beklommen zurück . „ Sag ’ Kind , was ist Dir denn ? Hast doch nicht Kopfweh , bist doch nicht krank ? “ Aber statt aller Antwort umschlangen sie die weichen Mädchenarme ; ein glühendes Gesicht barg sich an ihrem Hals , und die Gestalt , die sich an sie schmiegte , bebte in verhaltenem Schluchzen . „ Kind , Liesel , was ist ’ s denn ? “ fragte die alte Frau erschreckt , „ hat Dir Jemand was gethan ? “ Sie schüttelte den Kopf . „ Was ist ’ s denn , mein Herzel ? “ und sie zog die Widerstrebende zum Sopha , setzte sich neben sie und hielt sie fest umschlungen . „ Ach Muhme , liebste , beste Muhme – “ „ Was denn , mein Herzpünktchen ? Nun ? Du lachst wohl gar ? “ fragte sie gleich darauf , „ Du närrisches Ding , was soll das heißen ? “ „ Ach , ich möchte lachen und weinen und – ich weiß nicht was Alles , “ flüsterte sie ; „ schließ ’ die Augen , Muhme ! Ich will Dir sagen , weshalb – ach , ich habe solche Angst vor Dir – “ „ Angst vor mir ? Ja , das muß ich sagen : das sieht Dir ähnlich – na fix , fix – was hast Du begangen ? “ „ Ich – ich – bin eine Braut geworden , Muhme , “ sagte sie stockend ; „ hast Du mir es nicht gleich angesehen ? “ „ Eine Braut ? Kind ! “ „ Ich bin ja so glücklich , so glücklich – der Army – “ „ Der Army ! “ stöhnte die alte Frau , und die Zähne schlugen ihr vor Schreck zusammen . „ Der Army ? Du eine Braut ? “ wiederholte sie tonlos . „ Also doch , also doch ! “ „ Muhme , hast Du denn kein freundlich Wort ? Wir haben uns ja so lieb , so lieb ! “ [ 806 ] „ Lieb ? Er hat Dich lieb ? “ „ Aber , Muhme , wie Du fragst ! Würde er mich sonst zu seiner Braut haben wollen ? “ „ Barmherziger Gott ! “ schrie es auf in der Seele der alten Frau , „ das arme thörichte Kind ! Sie glaubt sich geliebt , und er er will nur ihr Geld , um sich zu retten . “ Und in stummer Angst tastete sie mit der kalten Hand nach der des Lieblings , die wie Feuer glühend in der ihren lag , und da flüsterte schon wieder die süße Stimme an ihrem Ohr ; war ’ s nicht just so seliges , so thörichtes Zeug wie damals , als ihr die Lisett ihre junge Liebe vertraute ? „ Denk doch , Muhme , ich kann ihm wieder das Leben froh machen ; um meinetwillen wird er es wieder lieben lernen , wie schön das ist ! Ich soll das können , Muhme , ist es denn wirklich wahr ? Ach , Muhme , da draußen unter der alten verschneiten Linde , wo ich ihn vor drei Jahren noch einmal sah , da hat er mich gefragt . Und nun – nicht wahr , Du sagst es Vater und Mutter ? Ich sterbe ja vor – vor Scham , wenn ich bekennen soll , daß ich einem fremden Manne gut bin ; ich kann es nicht – thu ’ Du es doch ! Wenn es hier nicht dunkel wär ’ , ich hätte es Dir nimmer sagen können . – Muhme , so sprich doch , so gieb mir doch einen einzigen Kuß – “ Lisett – Lisett – war sie es denn nicht , die da eben flüsterte ? „ O Herr Gott ! “ so sprach es aus tiefer Qual heraus in der alten Frau , „ ist dies das Glück , um das ich Dich gebeten für das Kind , allabendlich und jeden Morgen ? Hat sie nicht tausendmal was Besseres verdient , als dieses Loos ? “ Und dann saß sie ein paar Augenblicke wie starr . „ Liesel , “ sagte sie endlich gepreßt , „ Du weißt nicht , was Du gethan hast , Du weißt nicht , was Dir bevorsteht , wenn diese unselige – sei mir nicht böse , aber ich muß so sprechen – diese unselige Verlobung wirklich zu Stande kommt . Du kennst die alte Baronin nicht , wie