fieberhaft gearbeitet . In der Marktgasse hatten die vor den Schrecken des Krieges zitternden Bürger sich schon in ihre Häuser verkrochen und saßen hinter verriegelten Türen und geschlossenen Fensterläden . Nur an einem einzigen Haus der Marktgasse strahlte noch rötlicher Lichtschein aus einem Fenster zu ebener Erde . Herr Ruppert Someiner , seit vierzehn Tagen von einem krankhaft erscheinenden Ameisenfleiß befallen , saß zu später Stunde noch in seiner Amtsstube , addierte die neuen Schulden des Stiftes zu den alten und stöberte in vergilbten Pergamenten nach eingeschlafenen Rechten , die man wieder aufwecken und zu einem Goldsegen für das Stift verwandeln könne . Gefunden hatte er noch nichts . Doch von seiner ruhelosen Arbeit erwartete er mit Zuversicht einen raschen und mirakulösen Aufschwung des Berchtesgadnischen Landes . Er war in eine Urkund aus alten Reiten , so vertieft , daß er den Klöppelschlag am Haustor , den Schritt des Knechtes und das Klirren des Riegels überhörte . Als die Tür der Amtsstube sich öffnete und Fürst Peter im Licht der Lampe stand , verlor der Amtmann vorerst die Sprache . Und bevor ihm die Fähigkeit zurückkehrte , von seinen Goldmacherplänen zu reden , winkte der Propst mit der Hand . » Bleib , Ruppert ! Bleibe bei deiner wichtigen Arbeit ! Ich suche deinen Sohn . Wie geht es ihm ? « » Der Arm - sssssein Arm - « , Someiner , der seit vierzehn Tagen erschreckend abmagerte , schien auch vor der Gefahr zu stehen , ein Stotterer zu werden . » So ? « nickte der Fürst . » Besser , also ? Dann laß dich nicht stören , mein fleißiger Ruppert ! Ich finde schon hinauf . « Jede Antwort abschneidend , zog der Propst die Türe zu . Droben , am Ausgang des Treppenschachtes begegnete er der weißen , aufgeregten Frau Marianne , die der Knecht von dem hohen Besuch , der ins Haus gekommen , verständigt hatte . Man sah ihr an , wie schwer sie unter dem schweigsamen , aber um so schmerzhafteren Kriege gelitten hatte , der seit zwei Wochen im Hause war und Vater und Sohn entzweite . Beim Anblick des Fürsten schoß ihr gleich wieder der Gedanke an eine neue Gefahr ins Herz . Auf die Frage des Propstes , wie es dem Kranken ginge , klagte sie : » Ach , gnädigster Herr , mit dem Buben hab ich ein Kreuz ! Sein Arm , gottlob , der wird ja wohl bald wieder gut . Aber seine Seel will nimmer heilen . Allweil ist er so ein heller und froher Mensch gewesen . Jetzt ist er ein völlig andrer . Ist reizbar und jähzornig und hat kein Lachen nimmer . Die bösen Zeitläuft müssen ihm auf dem Herzen liegen wie ein Berg . « Fürst Peter nickte stumm . » Ich kenn mich in dem Buben schier nimmer aus . Ach , Herr ! Noch nie ist ein böser Wunsch in mir gewesen . Aber den heiligen Zeno möcht ich jetzt am liebsten hinausschelten aus dem Himmel - Gott verzeih mir die Sünd ! « Frau Marianne öffnete die Stubentür und sagte sanft : » Schau , Bub , der gnädigste Herr ist da ! « Lampert , den linken Arm in schwarzer Binde , saß unter den flackernden Kerzen des Eisenreifens am Tisch , vor dem Kriegsbuche des Abraham von Memmingen . Er hob das ernste , blasse Gesicht mit den tiefliegenden Augen , die in schlaflosen Nächten heiß geworden . Beim Anblick des Fürsten sprang er vom Sessel auf . » Wie geht ' s dir , Lampert ? « » Gut , Herr ! « Lampert nahm den Arm aus der Binde . Seine Mutter wurde blaß und machte ihm hinter dem Rücken des Fürsten abwinkende Zeichen . Doch Lampert sprach weiter : » Bin ich nötig , so kann ich morgen in den Sattel steigen . « Es lag noch immer ein rauher Schleier um seine Stimme ; und wenn er sprach , kam immer wieder ein leichter Hustenstoß , wie von einem quälenden Reiz in der Kehle . » Mein rechter Arm ist gesund , der linke wird ausreichen für den Zügel . « » Das hör ich gern . Aber dich brauche ich zu einem besseren Ding als zum Dreinschlagen . Hältst du dich kräftig genug für eine weite und anstrengende Reise ? « Frau Marianne hatte keinen Tropfen Blut mehr im Gesicht . Lampert reckte sich . » Für alles , was nötige Arbeit ist ! « Diesem peinvollen Zerwürfnis mit dem Vater zu entrinnen , der ruhelosen Ängstlichkeit seiner Mutter und den quälenden Gedanken seiner untätigen Einsamkeit entrückt zu werden - das war wie Erlösung für ihn , wie Erfüllung einer brennenden Sehnsucht . » Frau Marianne « , sagte der Fürst , » geh und richte , was dein Sohn für eine Reise braucht , die eine Woche dauern kann . In einer Stunde wird er reiten müssen . « » Reiten ? « stammelte die Amtmännin . » In Feindesland ? « » Nein , gute Mutter ! « Der Propst lächelte . » Zur Beruhigung deiner Gluckenseele schicke ich deinen Sohn in friedsame Gegend . « » Mutter « , fiel Lampert in Erregung ein , » ich bitte dich - das eilt . « » Ja , ja , ja , Bub ! So schau , ich geh doch schon ! « Frau Marianne huschte davon und klammerte sich an den Trost von der friedsamen Gegend , obwohl sie nur halb an diese Verheißung glaubte . Während sie in Lamperts Stube den Mantelsack und die Satteltaschen , packte , die nötigste Zehrung in einen Lederbeutel tat und sechs Goldstücke einzeln in den Saum des Wamses nähte , hörte sie unablässig aus der Wohnstube herauf den leisen Summ der beiden Männerstimmen . Was die zwei da bereden mochten ? Frau Marianne hätte in der Qual ihrer Muttersorge ein Mäuschen sein und sich durch den Kammerboden hinunterbeißen mögen ,