als sei die Schmier im Anzug ! Ich habs nicht mit der kistigen Kontrolle ! « Da machten sich die beiden geschwind fertig , indessen ich einen harten Kampf mit mir ausfocht , ob ich sollt unter falschem Namen weiter wandern oder aber als der , welcher ich wirklich war , in Not und Elend kommen , von den Schürgen aufgegriffen und nach Sonnenreuth abgeschubt werden . War mir gar nicht wohl bei solchem Überlegen , und ich hätt gern gewünscht , daß ich wieder bei dem alten Fegfeuer in dem Zigeunerwagen gesessen wär als ihr Sohn . Aber in dem Augenblick faßte der Fritz meinen Arm , schüttelte mich und sagte : » Also , Hiasl , wannst mitwillst , mußt gleich gehen ! Über eine Weil ists schon zu spät , - die Wach kommt um Sechse zum Visitieren ! « Da raffte ich mich auf , schnallte mein Ränzel um und folgte ihnen , ohne mich noch viel zu bedenken ; darüber der Magister sehr erfreut schien und mir bei allen Zufällen seine Hilfe versprach . Also zogen wir hinaus zum Tor und dahin durchs Gau , kamen in allerlei Ortschaften , da man uns mißtrauisch betrachtete , die Häuser verriegelte oder aber uns scheltend von der Tür jagte ; besuchten Dörfer und Märkte , daselbst einer oder der ander auf eine Zeit Arbeit und Lohnung fand oder von guten Bauern mit Zehrung reich versehen wurd , und hielten dabei fest zusammen als gute Kameraden , die gern und willig miteinander teilen , was sie haben ; sei ' s nun Geld oder Speis , Quartier oder Unterstand , oder der magere Inhalt des Felleisens . Der Magister insbesonders tat mit uns gar brüderlich ; hatte auch immer Geld , oder , wie er es nannte , Kis , obgleich er am wenigsten sich plagte oder lange wo arbeitete . Doch dacht ich auch über dies nicht viel nach und vertraute ihm als einem weitgereisten und welterfahrenen Mann , der mir zwar als ein Vagabundus , niemals aber als ein wirklicher Spitzbub fürkam und grad für mich eine schier zärtliche Neigung hegte . Er stammte aus gutem Hause und war der Sohn eines rheinischen Gutsbesitzers . Die harte Zucht im elterlichen Haus ließ ihn schon als vierzehnjährigen Knaben den Entschluß fassen , heimlich davonzugehen . Er packte also einen Anzug , Geld und sonstige notwendige Dinge zusammen , versteckte den Pack in einem alten Boot am Rheinufer und ließ nach solchen Vorbereitungen noch einige Zeit verstreichen , ehe er verschwand . Man wähnte , daß er im Rhein beim Baden ertrunken wär , weil man nachher seine alten Kleider daselbst gefunden hatte , und ließ ihn aus der Liste der Lebenden streichen , dieweil er mit einem Kaufschiff rheinaufwärts fuhr und schließlich in Basel längeren Aufenthalt nahm , ein Student wurde und durch seine Geniestreiche bald unter der Burschenschaft großen Ruhms und Ansehens genoß . Lebte also flott und in Saus und Braus , machte Schulden , bis ihm kein Mensch mehr borgte , und kehrte schließlich im Jahr 1790 als ein etwa fünfundzwanzigjähriger Studiosus der schönen Wissenschaften Basel den Rücken ; doch nicht , ohne noch seine Hauswirtin , eine mannstolle Wittib , durch das Märchen , er sei als Hofrat zu der Fürstin von Taxis nach Regensburg beordert worden und brauche dazu Geld und anständige Kleider , um ein schöns Sümmchen Geldes zu prellen . Sie gab ihm willig fünfhundert Gulden , nachdem er sie seine liebe Braut genannt und ihr versprochen hatte , sie zur Frau Hofrätin zu machen . Darnach zog er lange Zeit in der Welt herum , tat gar fein und anhabisch , so daß man ihn überall als einen großen Herrn mit Hochachtung und Ehrfurcht behandelte , bis er eines Tages unter Rücklassung großer Schulden und etlicher trauernder Mädchen wieder verschwand . Im Jahr 1800 , da er eben ohne jeden Kreuzer Gelds in der ärmlichen Dachstube einer Vorstadt Wiens saß , fiel ihm ein Gedicht in die Hände , das auf einem Fetzen Papier stand , darein ihm die Mamsell vom Krämerladen sein Stück Speck gewickelt hatte . Es war eine Lobhymne auf den großen Fritz , den Preußenkönig . Sogleich ging er nun daran , etwas Ähnliches auf einen österreichischen Herzog zu machen , widmete es » Seiner Durchlaucht alleruntertänigst « und erhielt dafür von dem alten Herrn , der sich durch den schwülstigen Lobgesang nicht wenig geschmeichelt fühlte , ein ansehnliches Geldgeschenk , ein huldvolles Handschreiben und eine silberne Dose mit fürstlicher Widmung . Da ihm also solches so wohl geglückt war , machte er das Lumpenstück sogleich auch in Deutschland und dichtete bald diesen , bald jenen hohen Herrn an ; doch folgte dieser einen großen Auszeichnung leider keine zweite mehr , und die deutschen Fürsten hatten höchstens einen Ordensstern oder ein paar trockene Dankesworte für ihn . Noch einmal kehrte er nach Wien zurück , empfahl sich aber nach verschiedenen Streichen bald wieder , und schließlich erwischte ihn die Polizei , als er eben ohne Bezahlung seiner Zechschuld aus einem Gasthof zu Nürnberg verschwinden wollte . Im Polizeigewahrsam hingen sich bald etliche zünftige Gauner an ihn ; er lernte ihre welsche Sprache , und nachdem er wieder in Freiheit gesetzt war , zog er mit allerhand reisendem Gesindel durch die Gaue , um sich schließlich doch wieder von ihnen zu trennen . Und so war er am End bis in die Berge gekommen und hatte in der Gegend von Kufstein den Bäcker und meinen Ziehbruder getroffen , mit denen er nun der Münchnerstadt zu wollte , um daselbst als Schreiber irgendwo unterzukommen . Also tappte ich mit ihm und den beiden andern dahin , indes die Felder kahl wurden , die Obstbäume überall voll schwerer Früchte hingen und ein scharfer Wind durch die Äste der fahlen Buchen und Birken strich und auch uns durch die leichte Kluft fuhr . Aus den Scheunen aber erscholl wieder das gleichmäßige Lied der Drischeln und gemahnte mich an jene