Magdeburg hinein quartieren durften . Auch meine Kompagnie erhielt Befehl , sich marschfertig zu machen . Jedoch mußten wir , bevor die Hohe Pforte uns geöffnet ward , dem Burgemeister , Herrn Kühlwein , geloben , zu der Stadt Versicherung in aller Treue das Bündnis zu wahren und gute Disziplin zu halten . Hierauf so zog ich ins alte gute Vaterland , das ich kindlichen Alters verlassen , aufs neue ein , diesmal ein mannhafter Verteidiger patriotischer Freiheit . Mit Freuden nahm ich die Gassen und Häuser , die Magdeburger Mundart und Sitte wahr ; alles war noch ebenso wie vor zwanzig Jahren . Da stund immer noch das alte Rathaus und davor zwischen Krambuden und Marktkörben Kaiser Ottos steinern Bildnis . Hier , auf dem großen Platze , machte meine Kompagnie Halt und ward in die Bürgerquartiere verteilet . Ich erhielt Befehl , mich nebst meinem Korporal zum Kaufherrn Schmidt zu begeben , der ein gut steinernes Haus neben der Ringapotheke besaß . Als wir zur Stelle kamen , stund vor der Apotheke eine gedoppelte Schildwache , woran zu erkennen , daß allhie der Oberste Falkenberg sein Losament habe . Wie eine Lerche jubelte mein Herz , als in einem oberen Fenster Jungfer Thekla sichtbar ward , und unsere Blicke einander trafen , wobei eine holde Glut ihr Antlitz übergoß . Da wußte ich , daß nicht der Zufall mich an diesen Ort geführet . Stumm , doch inniglich dankete ich dem Fräulein , die linke Hand auf mein Herze gedrückt . Daß der Oberste Falkenberg mir wohlgesinnet , bewies er gleich in den ersten Tagen meines neuen Quartiers . Es war kurz vor Weihnachten , und der Abend dämmerte . Ich wollte eines dienstfreien Stündleins genießen und wandelte über den beschneiten Ring durch die Reihen der Buden , in denen allerlei Kram feil geboten ward . Die aus Fichtenreisern geflochtenen , bunt gezierten Weihnachtspyramiden betrachtete ich stillfrohen Sinnes , als wäre ich noch ein Knabe , und als gäbe es keine Waffen , keine Feinde . Da vernahm ich hinter mir Sporenklirren , und als ich mich umwandte , stund da der Oberste Falkenberg . Allsogleich grüßete ich ihn soldatisch und harrte des Befehls . Er sahe mir scharf ins Auge und sprach : » Ist es wahr , daß Er ein flotter Reiter ? « Ich entgegnete : » Vor Jahren hab ich manch Roß des Herrn Schaffgotsch probieret . Seines Gestütes Verwalter war mir gewogen und sah es gern , wenn ich beim Zureiten half . « » Und als Magdeburger Kind findet Er sich in der Umgegend der Stadt zurecht ? Wie ? Kennet Er den Weg nach Langenweddingen ? Und trauet Er sich zu , allsogleich als Courier dorthin zu reiten , aber noch diese Nacht zurück zu sein ? « » Ja , Herr Oberster ! « » So bring Er diese Post eilends dem Kapitän Rote zu Langenweddingen und kehre sofort mit der Antwort heim . Doch seh Er sich für ; die Pappenheimer streifen bereits bis Buckau . Wird Er von den Unsrigen angerufen , so nenne Er die Losung : Vivat Gustavus und füge hinzu : Courier vom Obersten . Wohlan , melde Er sich sofort der Hauptwache , wo man ihm ein Pferd geben wird , und Gott befohlen . « Falkenberg reichte mir den Brief , den ich in meinem Koller barg , worauf ich frohen Mutes den Herrn grüßte und zur Hauptwache eilte . Der wachthabende Offizier wies mir ein tüchtig Pferd an , auch Säbel und Pistol . Ich lud die Waffe , tat dem Pferde Zaum , Gurt und Sattel an , schwang mich hinauf und trabte los . Als ich Sudenburg passiert hatte , ging ' s im Galopp voran . Die Nacht war eingebrochen ; der von Sternen angeflimmerte Schnee verbreitete ein Dämmerlicht , darin die kahlen Hecken und Bäume zu beiden Seiten der Landstraße dunkle Wegweiser bildeten . Die Gegend war völlig einsam , nur hin und wieder verriet Hundegebell ein Gehöft in der Nähe . Dicht vor Langenweddingen kam ein Reiter mir entgegengetrabt , den ich für einen Posten des Kapitäns Rote hielt . Zur Sicherheit aber spannte ich den Hahn meines Pistols , hielt mein Pferd an und zielte auf den Reiter . » Wer da ? Losung ! « rief er , und ich erwiderte : » Vivat Gustavus ! Courier vom Obersten ! « Da schoß mir krachend ein Feuerstrahl entgegen , und mein Pferd brach unter mir zusammen . Ich kam jedoch auf die Beine zu stehen und brannte auf den Reiter ab , da er allbereits zum Hiebe ausholte . Er stürzte und lag am Boden . Ich haschte seines Pferdes Zügel und band es an einen Baum . Hierauf untersuchte ich den Gefallenen . Er war tot , durch die Brust geschossen ! Ich fand bei ihm eine Brieftasche und einen gefüllten Beutel , nahm seine prächtigen Reiterstiefel , die mir paßten , auch seinen Federhut , schwang mich auf das erbeutete Roß und galoppierte weiter . Aus Langenweddingen kam mir ein Trupp Reiter entgegen , und ihr Führer war Kapitän Rote . Ich folgte ihm in das Wirtshaus , wo er quartierte , übergab ihm die Post von Falkenberg und berichtete , was vorgefallen . Er ließ sich die Brieftasche zeigen und fand darin ein chiffriertes Schreiben . » Versäum Er nicht , gleich nach der Heimkehr dem Herrn Obersten dies Papier zu übergeben , « schärfte er mir ein . Dann schrieb er seine Antwort an Falkenberg , während ich mich an Warmbier labete . Als ich gleich darauf wieder im Sattel saß , spürte ich , welch edeln Renner ich erbeutet . Fortuna war mir hold , so daß ich in kürzester Frist wieder nach Magdeburg gelangte . Fand den Obersten auf der Hauptwache , allwo er mit etlichen Hauptleuten Rates pflag . Als ich Meldung getan und die Papiere übergeben hatte , maß mich Herr Falkenberg heiter vom Haupt bis zu