finden , sie lächelte und meinte , Du habest sie oft deshalb geneckt und eine junge Matrone genannt . » Aber « - fuhr sie fort - » hat das Weib bei seiner schönen unbeteiligten Stellung in der gesellschaftlichen Welt etwas Passenderes zu erwählen als das Prinzip der Ordnung , der Einfachheit und Ruhe ? Einfachheit und Ruhe sind die Elemente der Schönheit , und diese soll ja unser Streben , unser Endziel sein . Der Mann schafft , zeugt , produziert , wir reproduzieren , wir ordnen das Geschaffene . Ich halte es für töricht , wenn eine Frau nicht wie Goethe allen unerquicklichen Lärm , alle Unruhe , ja allen Wechsel fern von sich hält , selbst mit Aufopferung des Reizes ; die Empfänglichkeit wird durch große Gaben verwöhnt , die feinen Organe , welche sonst bei den kleinsten Luftströmungen beben , werden abgestumpft . Ich halte aber darum auch Goethe für eine neue Art Halbgott , d.h. ich glaube , das Beste des Weibes war in ihm aufgenommen und durch seine edle Männlichkeit verherrlicht , gehoben . Zum plumpen Handeln würde er nie getaugt haben . « - Dabei spielte die kleine fleischige Hand , die sich weich senkend an den schönen Arm schließt , mit den Blättern des Tasso , und das Auge ruhte auf mir wie das der schönen Prinzessin Leonore . Ich fühlte Tassos Vergehen in mir und hätte sie gern umarmt , wenigstens die schönste Hand und den verführerischen Arm geküßt . In ihre Ideen eingehend beschrieb ich ihr meine Entwicklung und die allmähliche Reaktion , wie Du es nennen magst - das freute sie sehr und sie erwähnte mehrmal , warum Du mit Deiner Mäßigung , sauberen Klarheit , Deinem geläuterten Schönheitssinn nicht eben dahin kommen könnest . Sie bat mich , bald wiederzukommen und ihren Vater kennen zu lernen , der sich sehr freuen würde , einem solchen Gange der politischen Ausbildung zuzuhören . Ich nannte Hippolyts Namen ; sie entfärbte sich und Tränen traten ihr in die Augen . Ich bat , ihn mitbringen zu dürfen . Sie schwankte , mein Mitwissen erriet sie mit weiblichem Takte sogleich - das gab ein heimliches Band zwischen uns , das uns schnell einander näher brachte . Sie war verlegen , zupfte an den Bändern , sah auf die Erde , faltete auf dem Schoß die kleinen Hände und sah starr in ihre Verschlingung . Endlich hob sie langsam den Kopf , sah mich wehmütig an und sagte bittend : » Lassen Sie ihn nie allein kommen , ich fürchte mich vor ihm . « Dies Vertrauen überwältigte mich , ich ergriff ihre Hand und küßte sie schnell ; sie zog sie so schnell , als es die Artigkeit gestattet , hinweg , stand auf und empfahl sich mir . Ein Gang in die Pairskammer hielt mich ein wenig auf . - Zu Hause angekommen fand ich schon Billetts für uns zum Balle für den Abend . Hippolyt sah schmerzlich drein , als ich ihm alles erzählte . Später . Nun , wir sind dagewesen und werden wohl schwerlich wieder zusammen hingehen . Es war ein glänzender Ball . Alle Notabilitäten vom jungen Frankreich waren da . Er unterhielt sich viel mit Julia , und er ist allerdings ganz der Mann für sie . Ich ging in den Tanzsaal und betrachtete mir die Jugend Frankreichs . Mein Blick fiel bald auf Hippolyt und Julia , sie tanzten nachlässig , Hippolyt sprach eifrig , sah sehr erhitzt aus . Ich trat näher hinzu und sah , wie er ihre Hand krampfhaft festhielt . Der Tanz war zu Ende , er ließ sie nicht los und begleitete sie nach einem Nebenzimmer , oder vielmehr sie schien notgedrungen ihn zu begleiten . Ein unaussprechlich bittender Blick von ihr traf mich , ich folgte ihnen . Hippolyt eilte mit seiner Beute durch die von Gästen angefüllten Zimmer nach den entlegeneren leeren . Mich bemerkte er nicht , mit dem Rücken gegen mich hielt er in einem leeren Gemach inne , umfaßte Julien und beschwor sie mit herzzerreißender Stimme , den innigsten Worten , seine Liebe nicht ferner zu verschmähen ; er werde sanft und mild sein , er liebe sie bis zur Raserei . - - Julia weinte heftig , Hippolyt ließ sie los und küßte sie auf das feuchte Auge , sie schauerte zusammen , streckte die Arme nach mir aus , taumelte die wenigen Schritte bis zu mir und fiel ohnmächtig in meine Arme . - Da näherte sich Geräusch aus dem angrenzenden Zimmer , Hippolyt sah mich mit einem unbeschreiblichen Blicke an und griff nach Julien , um sie hinwegzutragen ; ich bat ihn herzlich , es nicht zu tun , lieber eiligst die Tür zu verriegeln . - » Nein , « sagte er hart ; da wollte ich selbst die Ohnmächtige ins nächste Gemach retten . In dem Augenblicke ging die Tür auf , Juliens Vater trat ein . - Heut ' ist Julia nicht mehr in Paris ; Hippolyt hat kein Wort mit mir gesprochen und ist verschwunden ; seinen Hut und Mantel hat mein Diener aus der Seine gefischt . Juliens Vater schickt eben nach mir . Lebe wohl , ich komme in diesen Tagen nach Deutschland , um eine Anstellung zu suchen . 38. Kamilla an Valerius . Daß die dummen Polen auch gerade jetzt ihre Revolution anfangen mußten , während Du in der Stadt warst - von hier hätte ich Dich gewiß nicht fortgelassen , nach den neuesten Vorfällen zu fragen . Ich wünsche den lieben Leuten alles Gute , ich glaube Dir ' s gern , daß sie ein himmelschreiendes Recht haben , aber ich wünsche mir auch meinen Liebhaber . Hast Du noch nicht genug Nachrichten , wirst Du nicht bald kommen ? Ach ich bin wirklich schon recht böse auf Dich : das Wetter wird immer rauher , man kann beinah ' nicht mehr aus dem Hause , die Langeweile und Sehnsucht wird immer größer