nur ein Tag ohne solches Wehen . Aber auch Einhart kam nur zu gern . Er sah zum ersten Male hier in dieser Bleiche der Züge solch ein Leben ohne irdische Bestimmung . Er sah in diese einzig-artige Süße der Züge , die engelgleich sich in den Luftkreis um und um einsaugten und mit jeder Spinne und jedem Blatte und jedem Vogel und jedem Lufthauch aufwehten ins Ungewisse , und war erschüttert heimlich von der unerhörten Leichtigkeit solcher Seele , von der Frohheit und dem Leide , die gleichsam in Einem aus den jungen Augen lachten . » Nun , Henny ? liebe Henny ! « sagte Einhart gewöhnlich , wenn er aus den hohen Nessel- und Schierlingstauden zu ihr trat . » Liebe Henny ! « das klang ihrem verwehenden Leben wie Sonne . » Guten Tag , Herr Selle ! « sagte dann Henny mit dem Gesicht halb in den Kissen und die Augen allein nach ihm gewandt . Aber die Hand , die einmal eine harte Arbeitshand gewesen , zu ihm hingestreckt , daß er sie in seinen langen , feinen Fingern hielt . » Na also ! es geht ja ! ich sehe es an den Fingerspitzen , « lachte dann Einhart und sah drollig die Hand an , die jetzt kindlich und bleich und weich war wie ein Federflaum . Er brachte wohl auch einen Strauß von Blüten , die er draußen in der Heide zusammengebunden . Feine , silberne Wollgrasbüschel liebte Henny . Damit strich er ihr gar erst einmal über die seine , bleiche , magere Nase . Das machte Henny lachen , wie eine flüchtige Drossel auflacht , klingend , ganz ohne Erde und Schwere , nur eine verfliegende Lust in die Luft . Einhart konnte dann dieses entrückte , schöne Mädchen anstaunen heimlich . Er konnte ihre Hände ewig sprachlos in den seinen halten , jede blaue Linie des zarten Aderwerkes verfolgen , und jeden Hauch rosigen Glanzes , der darüber huschte , wenn das junge Herz Hennys sich dann heimlich auch froh erregte , in den dunklen Zigeuner , der ja ein freier , sicherer Mann war , sich zu verlieren . Sie sprachen nie viel . Es war nur meist eine stumme , lange Frohheit . Hennys Hände lagen oft lange in Einharts Hand . Und Einhart sah auch Hennys Mund dabei lange an , der allein noch wie frisches , zartes Fleisch glänzte . » Ich war heute faul , « sagte wohl Einhart . Oder auch : » heute habe ich meine Tagesernte doch gemäht . « Dabei zeigte er Henny einige Blätter Leinwand hin . » Oh ! « sagte sie dann . » Das ist unten an der Brücke der dunkle Wassergrund und der schwarze Geisterkahn . « » Ist es wahr , « sagte Henny einmal , weil sie irgendwo so etwas gelesen hatte , » daß man in die Seligkeit eingeht über einen dunklen Fluß , von einem stummen , düsteren Fährmann gefahren , auf einem solchen Kahne ? « » I wo ! « sagte Einhart . » Du , Henny , gehst mit Flügeln ein ! « sagte er lachend . » Und ich auch . Mit Kähnen , das wäre zu mühselig . Gar noch auf solcher alten Schute ! « In Henny und Einhart war ein heimliches Miteinander . Henny wußte schon vorher halbe Stunden , wenn Einhart kommen würde . Sie merkte es an der Luft , am Vogelgesang , an dem Gackern der Gänse , an dem Zittern der Spinnenfäden , an tausend unsagbaren Dingen , daß er käme . Und er kam immer , wenn es ihr alle diese seinen Dinge um sie schon erzählt hatten . Und Einhart hatte ein solches Rätselleben noch niemals angesehen . So gebunden und bleich und die Röte der Todnacht auf den Wangen erglühend , und der Mund noch feucht und voll Liebe , und so fein und leise alles erhörend ihr kleines , blutloses Ohr . » Henny , « sagte Einhart manchmal , » was träumtest du eben in die Eichenkrone über dir und den hellen Himmel ? « Dann erzählte sie ihm wohl einmal einen flüchtigen Traum . Oder sie lächelte ohne Ton . » Was ich träumte , werde ich Ihnen nicht sagen , « sagte sie dann . Da sagte sie es ihm lange nicht , so oft er kam . Aber eines Tages begann sie auch selber zu erzählen . » Ich träumte , « sagte sie versunken , » ich läge wie ein feiner Sommernebel über meinem Bette ausgebreitet , und mir war nichts mehr schwer . Ich konnte sein , wo ich wollte , oben , und unten , unter den Blumen , oder in den Baumwipfeln , alles war nur rein ein seliges , freies Dasein . « Und eines Tages auch kam Einhart , wollte es wieder von ihr wissen , weil Hennys Gesicht etwas von Schönheit und Verklärung hatte , wie er es so noch nie gesehen . Da drang er in sie und sah , daß ihr gleich eine schwache Blutwelle ins Schläfenweiß aufschoß und ihr Gesicht in Purpurglut legte und ihren Atem fast erdrückte . Und er mußte sie ewig quälen . Er bat . Er nahm ihre weiße , sanfte Hand in die seine , und sah sie mit bittenden Augen lange an , fragte und bat wieder . Da begann sie zitternd und flüsternd und zögernd noch immer endlich doch zu sprechen . » Einmal im Himmel , « sagte sie . » Was ? - - was ? - - weiter ! « » Einmal im Himmel werde ich , « kicherte sie leise . » Einmal im Himmel - - werde - - ich - - dich . « » Werde ich dich ? « sagte Einhart wiederholend , aber jetzt in Einfalt lächelnd . » Werde ich dich küssen , « sagte Henny hastig . » Denn hier auf Erden bin ich