reift auf dem Stroh und schmackhafter wird , sondern auch , daß sie endlich vom Kernhause aus zu faulen beginnt und die Fäulnis sich immer mehr ausdehnt , bis der ganze Apfel verfault ist und der Schimmel ihn bedeckt , so muß auch solchem Menschen seine Auflösung als eine Weiterentwicklung erscheinen , und er mag sich sogar als einen Erstling preisen der künftigen Zeiten , wo eine neue Art Menschen leben wird , die ihm gleich sind , da er doch nur ein fauler Apfel ist und nicht mehr wert , als daß ihn die Hausfrau ausliest und wirft ihn auf den Mist . Es ist schon früher berichtet , daß die Gräfin viele Jahre lang bettlägerig gewesen ist . Welche Krankheit sie haben mochte , das konnten die Ärzte nicht bestimmt sagen , denn es wechselten die Schmerzen und die Stellen des Leidens und alle Anzeichen , und nur das war immer das gleiche , daß sie nicht ihr Bett verlassen konnte . Sie war eine harte Frau und hatte einen unruhigen Verstand , der zu allen Dingen schweifte , und seit ihrer Krankheit vornehmlich aber zu den verschiedenen Angelegenheiten des Haushaltes . Diesen wollte sie beständig von ihrem Lager aus leiten , und die Dienstboten mußten ihr alles genau berichten und erklären , und indem sie in ihrer Einsamkeit nach diesen Antworten und Erzählungen sich ein vollständiges Bild von allem machte , befahl sie ihnen genau alles bis in das geringste , was getan werden sollte . Aber da die Dienstboten sich sehr häufig nicht an ihre Befehle kehrten und nach ihrem Belieben wirtschafteten und ihr dann später trügerischerweise Falsches berichteten , bildete sie sich doch eine unrichtige Vorstellung von allem , was vorhanden war und was geschah . Dann kam es , daß die Leute ihre früheren Lügen vergaßen und nach dem wirklichen Stande erzählten , auch sonst sich Widersprüche herausstellten zwischen ihrem Bilde , das sie sich gemacht , und den wirklichen Zuständen . Hierüber geriet sie immer in großen Zorn , schalt viel und klagte dann das Geschehene ihrem Mann , der sich hierdurch noch mehr von ihr entfremdete , als ohnedies durch ihre Krankheit geschah . Wie sie das verspürte , machte sie ihm Vorwürfe und trieb sich und ihn immer weiter in den Unfrieden hinein . Die beiden Söhne , die mit alten und in der Familie erblichen Namen Bolko und Ivo genannt wurden , hatten sich inzwischen in der bereits früher geschilderten Art entwickelt und waren von Hause fortgekommen als Offiziere . Die ganze Zeit über verlangten sie von ihrem Vater immer sehr viel Geld , der zwar für sich selbst leichtfertig und unbedacht war , für seiner Söhne zielloses Leben aber doch einen klaren Blick hatte ; auf seine Ermahnungen freilich hörten sie nicht , sondern hielten ihm keck sein eignes Beispiel vor ; und indem er Furcht hatte , über seine Verhältnisse selbst klar zu werden , vermochte er ihnen auf diesen Einwurf nicht eindringlich zu antworten , denn sie lebten in der Meinung , daß das elterliche Vermögen viel größer sei , als es in der Tat war . So war er dahin gelangt , daß er schon Geld auf Wechsel genommen hatte , und war in die Hände der Wucherer geraten ; nun befiel ihn zuzeiten eine heftige Angst und sinnlose Reue ; und während solche Stimmungen früher von selbst wieder verschwunden waren durch die Wirkungen seines leichten Gemütes , kostete es ihn jetzt Anstrengung , sich von ihnen frei zu halten . Die Frau durfte von allen diesen Sorgen nichts erfahren , und wenn sie in ihrer Unwissenheit oft Verfügungen traf , die ihm in seinem Mangel schwierig wurden , so mußte er allerhand Ausflüchte ersinnen , Lügen erzählen und lange Geschichten vorbringen und zuweilen sich gekränkt stellen oder Vergeßlichkeit heucheln . Die Tochter , die allein zu Hause geblieben war , stand ohne eine rechte Bedeutung an der Seite , denn sie merkte wohl , daß der Vater Geheimnisse hatte , und aus Scheu und Mitleid wurde dadurch ihr Benehmen fremd gegen ihn , was er nach seinem bösen Gewissen ausdeutete , als wisse sie vieles und zürne ihm ; und die Mutter hielt sie von den Angelegenheiten des Hauses entfernt aus Eifersucht , weil sie selbst die Leitung behalten wollte , und auch aus geheimer Furcht , daß ihre Unzulänglichkeit aufgedeckt werde . So brachte die junge Dame ein freudloses Leben hin in Sehnsucht nach einer Tätigkeit und Wirkung . Indem die Dinge so lagen , kam plötzlich der älteste Sohn Bolko unvorbereitet zu einem kurzen Besuch : der Vater erschrak , als er das Telegramm erhielt , und wie des Sohnes sporenklirrender Schritt auf dem Gange hörbar wurde , stockte ihm das Blut . Er führte ihn zur Mutter , die den Ältesten immer besonders geliebt hatte , indem sie von seinem wahren Leben gar nichts wußte , sondern ihn immer nur kannte , wie er als ein hübscher und schlanker Mensch mit offenem Gesicht ehrerbietig in ihrem dämmerigen Krankenzimmer stand . Sie freute sich mit einem glücklichen Gesicht , wie er ihr die Hand küßte , und mit großer Zärtlichkeit streichelte sie seine blonden Haare . Dann ließ sie sich von ihm erzählen , und er mußte Bälle beschreiben und Schlittenfahrten , und auch von seinen Pferden sprach er . So hörte sie immer mit glücklichem Lächeln zu , und als sie selbst einmal einiges sprach , suchte sie seinen Gedanken eine leise Richtung zu geben , denn sie hatte eine Heirat für ihn im Sinn und hätte gern gewußt , welches seine Meinung sei ; und in dieser kurzen Zeit erschien ihr plötzlich ihr eignes Leben gar nicht so unglücklich wie sonst , und ihres Sohnes künftiges Leben war ihr heiter und sonnig . Er lachte aber über ihre Anspielungen und machte Scherze , so daß sie ein wenig gekränkt wurde ; aber nur ein wenig , sie verzog den Mund , wie sie als junges Mädchen getan , und ganz schnell