nicht einbilden , etwas vor ihm voraus zu haben ! « » Aber woher nimmst du das Recht , Richter über mich zu sein ? « » Daher , woher du dir die Befugnis genommen hast , über ihn abzuurteilen . Du siehst , es giebt für dich keine Thür , durch welche du mir entschlüpfen kannst . Stirbt er , so stirbst auch du ; willst du leben bleiben , so muß auch er gerettet werden . Deine Lage ist genau dieselbe , wie die seinige , und ich sorge dafür , daß sie sich in jeder Beziehung auch weiter nach ihr richtet . « » So ist es dein Ernst , daß ich mich hier verbluten soll ? « » Ja , natürlich ! Wenn du geglaubt hast , daß ich scherze , so befindet sich in deinem Kopfe noch weniger Denkkraft , als ich dachte . Menschenblut ist eine sehr teure und ernste Sache , mit welcher man keinen Scherz treiben darf , zumal hier in der Wüste , wo strenger als sonstwo Blut mit Blut zu bezahlen ist . Ueberlege dir das . Du hast Zeit dazu . Jetzt bin ich einstweilen mit dir fertig . « Er wendete sich von ihm ab und kam zu mir . » Sihdi , habe ich einen Fehler gemacht ? « fragte er mich . » Nein , « antwortete ich . » So bist du also mit mir zufrieden ? « » Ja , sogar sehr . « » Wie mich das freut , lieber Effendi ! Du weißt , wie ich dich liebe und daß dein Wohlgefallen das Endziel meines ganzen Strebens ist . Du bist so schwer zu befriedigen ; um so größer ist mein Entzücken darüber , daß es mir hier gelungen ist , mich der ganzen Fülle deines Beifalles zu erfreuen . Nun wollte ich dich fragen , ob ich diesem Menschen jetzt die Bedingungen mitteilen soll , unter welchen er sich sein Leben erhalten kann . « » Jetzt noch nicht . « » Warum nicht ? « » Weil er noch nicht überzeugt ist , daß du es mit dem Aderlasse ernst meinst . Er muß erst Angst , wirkliche Angst bekommen . Sorge also dafür , daß die Blutung nicht aufhört ! « » Kann das der Fall sein ? « » Ja , weil es sich nur um schwache Nebenadern handelt . Welche Bedingungen willst du stellen ? « » Ich gebe ihn nur gegen den Perser und die Soldaten frei . Bist du damit einverstanden ? « » Ja . « » Ich dachte auch an die Mekkaner und wollte verlangen , daß er sie dem Perser ausliefere . Aber er hat sie als seine Gastfreunde bezeichnet , und da verlangt die Wüstenregel von ihm , daß er lieber stirbt , anstatt auf diese meine Forderung einzugehen . « » Das ist richtig , und bei seinem Charakter bin ich überzeugt , daß er auch gar nicht anders handeln würde . Laß ihm also diese Leute ; wir bekommen sie doch ! « » Wann ? « » Heute am Abend oder in der Nacht . « » Wieso ? « » Denke an das , was nun kommen wird , nachdem er in unsere Hände gefallen ist ! Du willst doch seine Beni Khalid benachrichtigen lassen , wo er sich befindet ? « » Natürlich ! « » Und daß er sterben muß , wenn sie den Perser sich verbluten lassen ? « » Ja . Ich schicke einen seiner Begleiter fort , der ihnen zu sagen hat , daß ihr Häuptling so lange bluten wird , bis der Perser sich bei uns einfindet . Wie meinst du , werden sie ihn schicken ? « » Jedenfalls . « » Auch die Soldaten ? « » Auch diese . Es wird ihnen zwar schwer ankommen , aber um ihren Häuptling , ihren Scheik zu retten , bleibt ihnen ja nichts anderes übrig . Nun frage dich einmal , was die Mekkaner thun werden , sobald sie sehen , daß ihre Verfolger wieder freigelassen werden ! « » Sie werden sich schleunigst aus dem Staube machen . « » In welcher Richtung ? « » Nach Mekka zu ; das ist doch selbstverständlich . « » Ja ; aber ebenso selbstverständlich ist es , daß wir sie dort erwarten und abfangen , um sie dem Perser auszuliefern . Freilich müssen wir auch die Möglichkeit in Betracht ziehen , daß sie sich bei den Beni Khalid sicherer fühlen als anderswo und also bei ihnen bleiben wollen , bis wir und der Perser fort sind . Dies müssen wir zu verhüten suchen , denn diese mekkanischen Diebe haben sich so zu uns verhalten , daß es uns gar nicht einfallen kann , ihnen das Entkommen zu erleichtern . Es liegt vielmehr so eine Ahnung in mir , daß wir auch für uns ein kluges Werk vollbringen , wenn wir dafür sorgen , daß sie den Diebstahl eingestehen müssen . Wir haben dann eine Waffe gegen El Ghani in der Hand , falls es ihm einfallen sollte , sich in der heiligen Stadt feindlich gegen uns zu verhalten . « » Das begreife ich gar wohl , Sihdi ; aber du befindest dich da mit dir selbst im Widerspruch ! « » Wieso ? « » Erst sagst du , daß wir ihre Auslieferung von Tawil nicht verlangen dürfen , weil sie seine Gäste sind und er also lieber sterben als auf unsere Forderung eingehen wird , und nun bestimmst du , daß wir sie dennoch haben müssen , selbst wenn sie nicht fortgehen , sondern bei ihm bleiben , um unsere Entfernung abzuwarten . Wie sind diese verschiedenen Dinge zu vereinigen ? « » Durch ein allerdings sehr kriegerisches Mittel , bei welchem man das Leben auf das Spiel zu setzen hat . « » Allah w ' Allah ! Du meinst den Zweikampf ? « » Ja . Den Perser