schon rein landkartlich , nicht mit dem , um den sich ' s hier handelt . Und ist überhaupt kein alter Dichter , sondern ein neuer . Und heißt Joao de Deus . « » Joao de Deus « , wiederholte die Gräfin . » Schon der Name . Sonderbar . Und was war es mit dem ? « » Ja , was war es mit dem ? Dieselbe Frage tat ich auch , und ich habe nicht vergessen , was Lorenzen mir antwortete : Dieser Joao de Deus , so etwa waren seine Worte , war genau das , was ich wohl sein möchte , wonach ich suche , seit ich zu leben , wirklich zu leben angefangen , und wovon es beständig draußen in der Welt heißt , es gäbe dergleichen nicht mehr . Aber es gibt dergleichen noch , es muß dergleichen geben oder doch wieder geben . Unsre ganze Gesellschaft ( und nun gar erst das , was sich im besonderen so nennt ) ist aufgebaut auf dem Ich . Das ist ihr Fluch , und daran muß sie zugrunde gehen . Die Zehn Gebote , das war der Alte Bund ; der Neue Bund aber hat ein andres , ein einziges Gebot , und das klingt aus in : " Und du hättest der Liebe nicht ... " Ja , so sprach Lorenzen « , fuhr Woldemar nach einer Pause fort , » und sprach auch noch andres , bis ich ihn unterbrach und ihm zurief : Aber , Lorenzen , das sind ja bloß Allgemeinheiten . Sie wollten mir Persönliches von Joao de Deus erzählen . Was ist es mit dem ? Wer war er ? Lebt er ? Oder ist er tot ? Er ist tot , aber seit kurzem erst , und von seinem Tode spricht das kleine Heft hier . Höre . Und nun begann er zu lesen . Das aber , was er las , das lautete etwa so : ... Und als er nun tot war , der Joao de Deus , da gab es eine Landestrauer , und alle Schulen in der Hauptstadt waren geschlossen , und die Minister und die Leute vom Hof und die Gelehrten und die Handwerker , alles folgte dem Sarge dicht gedrängt , und die Fabrikarbeiterinnen hoben schluchzend ihre Kinder in die Höh und zeigten auf den Toten und sagten : » Un Santo , un Santo . « Und sie taten so und sagten so , weil er für die Armen gelebt hatte und nicht für sich . « » Das ist schön « , sagte Melusine . » Ja , das ist schön « , wiederholte Woldemar , » und ich darf hinzusetzen , in dieser Geschichte haben Sie nicht bloß den Joao de Deus , sondern auch meinen Freund Lorenzen . Er ist vielleicht nicht ganz wie sein Ideal . Aber Liebe gibt Ebenbürtigkeit . « » Und so schlag ich denn vor « , sagte die Baronin , » daß wir den mit dem C , dessen Name mir übrigens noch einfallen wird , vorläufig absetzen und statt seiner den neuen mit dem D leben lassen . Und natürlich unsern Lorenzen dazu . « » Ja , leben lassen « , lachte Woldemar . » Aber womit ? worin ? Les jours de fête ... « , und er wies auf das » Eierhäuschen « zurück . » In dieser Notlage wollen wir uns helfen , so gut es geht , und uns statt andrer Beschwörung einfach die Hände reichen , selbstverständlich über Kreuz ; hier : erst Stechlin und Armgard und dann Melusine und ich . « Und wirklich , sie reichten sich in heiterer Feierlichkeit die Hände . Gleich danach aber traten die beiden alten Herren an die Gruppe heran , und der Baron sagte : » Das ist ja wie Rütli . « » Mehr , mehr . Bah , Freiheit ! Was ist Freiheit gegen Liebe ! « » So hat ' s denn eine Verlobung gegeben ? « » Nein ... noch nicht « , lachte Melusine . Wahl in Rheinsberg-Wutz Sechzehntes Kapitel Der andre Morgen rief Woldemar zeitig zum Dienst . Als er um neun Uhr auf sein Zimmer zurückkehrte , fand er auf dem Frühstückstisch Zeitungen und Briefe . Darunter war einer mit einem ziemlich großen Siegel , der Lack schlecht und der Brief überhaupt von sehr unmodischer Erscheinung , ein bloß zusammengelegter Quartbogen . Woldemar , nach Poststempel und Handschrift sehr wohl wissend , woher und von wem der Brief kam , schob ihn , während Fritz den Tee brachte , beiseite , und erst als er eine Tasse genommen und länger als nötig dabei verweilt hatte , griff er wieder nach dem Brief und drehte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger . » Ich hätte mir , nach dem gestrigen Abend , heute früh was andres gewünscht als gerade diesen Brief . « Und während er das so vor sich hin sprach , standen ihm , er mochte wollen oder nicht , die letzten Wutzer Augenblicke wieder vor der Seele . Die Tante hatte , kurz bevor er das Kloster verließ , noch einmal vertraulich seine Hand genommen und ihm bei der Gelegenheit ausgesprochen , was sie seit lange bedrückte . » Das Junggesellenleben , Woldemar , taugt nichts . Dein Vater war auch schon zu alt , als er sich verheiratete . Ich will nicht in deine Geheimnisse eindringen , aber ich möchte doch fragen dürfen : wie stehst du dazu ? « » Nun , ein Anfang ist gemacht . Aber doch erst obenhin . « » Berlinerin ? « » Ja und nein . Die junge Dame lebt seit einer Reihe von Jahren in Berlin und liebt unsre Stadt über Erwarten . Insoweit ist sie Berlinerin . Aber eigentlich ist sie doch keine ; sie wurde drüben in London geboren , und ihre Mutter war eine Schweizerin . « » Um Gottes willen ! « » Ich glaube