Gerippe , unsern allgemeinen Freund Hein , hielt ich freilich nicht dadurch von der Roten Schanze ab . Das fraß den Bauer Quakatz , wie es den Prinzen Xaver von Sachsen gefressen hatte , von Kienbaum gar nicht mehr zu reden . Und wenn ich meinerseits zuletzt doch noch einmal einen Wall hätte gegen es aufwerfen können : wer weiß , ob ich es getan hätte ? Es war doch eine Erlösung , als wir dem alten Herrn das letzte , schwere Deckbett aus guter Dammerde auflegten . Er selber hat sich wohl in seinem Leben kein leichteres über den Kopf gezogen , und er tut jedenfalls heute noch einen guten Schlaf darunter nach den ungemütlichen Träumen , die ihm der sogenannte helle , lichte Tag seines Vorhandenseins in der Präsenz- und Steuerliste des Menschentums beschert hatte . Wir begruben ihn in Maiholzen an einem wunderschönen Sommermorgen , ganz in der Frühe . Das Dorf war natürlich vollständig an der Versenkung versammelt ; aber wir hatten auch Herrschaften aus der Stadt dabei . Da war zum Beispiel der Exekutor Kahlert , der in der heiligen Frühe in Amtsgeschäften bei uns draußen sich eingefunden hatte , da war Schneidermeister Buschs Junge , der unserm Pastor die neue Hose herausgebracht hatte , in welcher , wie ich dir gleich auseinandersetzen werde , der geistliche Hirte meine Rede hielt . Da war Fräulein Eyweiß , die durch ihre Brunnenkur zu uns hinausgeführt worden war und die ihre Karlsbader Brunnenflasche auf einem der nächsten Grabsteine abgestellt hatte , um sich freier ihrer angenehm-gerührten Teilnahme an dem immer interessanten Vorgang überlassen zu können . Auch den Landbriefträger Störzer , der auch in seinem Amte schon draußen war , sah ich in der Versammlung am Grabe . Meta , Sie sind doch noch da ? Grausame Schöne , willst du denn wirklich den dicken Schaumann von der Roten Schanze verdursten lassen ? « » O Gott , jaja , gleich ! Oh , wie Sie das alles so erzählen , Herr Schaumann , da muß man ja zuhören ! « » Nicht wahr , Kind ? ... Also , Eduard , da auch du noch zuhörst : wenn es einen Menschen in der Welt gibt , außer dir natürlich , mit dem ich mich gut stehe , so ist das mein angepfarrter Seelsorger , der Pastor von Maiholzen . Wir tun uns einander gar nichts ; aber wir halten das behagliche Nebeneinanderleben in der gemütlichsten Weise aufrecht . In der letztern Hinsicht tun wir einander sogar alles zu Gefallen , was wir nur können . Er weiß in allen menschlichen Dingen Stopfkuchen zu schätzen und ich ihn . Selbstverständlich war ich am Tage vorher , das heißt vor dem Begräbnis , bei ihm und besprach mit ihm die Sache . Ich traf ihn , oben an seiner Dachrinne hängend . Es hatte einer seiner Bienenstöcke geschwärmt , und der Weisel war auf die Idee gekommen , sich dort festzusetzen . Ich hielt dem zweitdicksten Mann der Gegend die Leiter und korrigierte ihm nachher in der Laube ein wenig in sein Manuskript hinein . Letzteres ist aber nur eine kulturelle Redensart : der Mann spricht aus freier Hand und - gut , wenn er in der Stimmung ist . Und zu der Stimmung des Menschen kann der Nebenmensch ein Erkleckliches beitragen . Ich tat dies , und als wir später an dem warmen Abend mit einem Wetterleuchten am Horizont an seiner Gartenpforte voneinander Abschied nahmen , sagte er : Seien Sie ganz ruhig , Herr Nachbar ; ich bin vollständig Ihrer Ansicht . Am andern Morgen redete er denn auch möglichst annähernd das , was ich zu sagen hatte . Ich räusperte mich - nein , er räusperte sich und sprach : Nun sieh mal , christliche Gemeinde , da liegt er - mausetot ! « » O Gott , Herr Schaumann , das kann der Herr Pastor doch nicht gesagt haben ! « klang es hinter dem Schenktische hervor . » Ich bin dabeigewesen , Kind . - Tot ist er , und ihr lebt . Er ist so tot wie Kienbaum , den er , nach der Meinung der Mehrzahl von uns , totgeschlagen haben soll . Er steht nun vor dem Richter , der das letzte Wort in dieser dunkeln Sache sprechen wird : sollten wir jetzt wenigstens nicht doch ein wenig mehr , hier am Ort , in uns gehen und uns fragen : haben wir dem stillen Mann hier vor uns nicht doch vielleicht zu viele Steine des Ärgernisses in den Weg geworfen ? Christliche Gemeinde , meine lieben Brüder und Schwestern , haben wir nicht doch vielleicht etwas zu lauthalsig Racha über ihn geschrien ? Wenn er nun da an den schwarzen Deckel pochte und noch einmal wenigstens für einen Augenblick herausverlangte , um sein Verdikt von da oben her schriftlich uns zuzureichen , was würden wir da tun ? Wer würde die Hand ohne Bangnis nach dem Blatt ausstrecken ? O liebe Brüder und Schwestern , beim Hochzeitsmahl der beiden verehrten Hauptleidtragenden sind wir wohl so ziemlich alle hier im Kreise anwesend gewesen ; aber ich wünschte auch , es wären wenigstens einige von euch vorgestern abend mit mir nach der Roten Schanze gegangen , daß sie sich das friedliche Gesicht des eben Entschlafenen hätten ansehen können . Da hätten wohl einige , die schon in solche Gesichter haben sehen müssen , sicherlich gesagt : Dieser muß trotz allem eines sanften Todes gestorben sein ! - Christliche Gemeinde , wenn er Kienbaum nun doch nicht totgeschlagen hätte ? ... Hätte er da nicht vor dem letzten Richter sein Wort sprechen dürfen ? Ich glaube , er hat die Erlaubnis erhalten ; und wie ich ihn kennengelernt habe ( er war kein weicher Mann ) , hat er geächzt : " Herr , Herre , was ich sonsten gesündigt haben mag , das haben sie da unten mich schon reichlich büßen lassen durch Mißachtung , scheele Blicke , Fingerdeuten , Abrücken