er heute mit ihr verlebt , bis Lucy kam . Fanny hatte jetzt Rechte - alle Rechte an ihn ; das Schicksal und Fanny hatten entschieden . Selig erschauernd stammelte er ihren Namen . Zwölftes Kapitel Das war ein Leben am andern Tag ! Fanny und die Gräfin standen im Mittelpunkt desselben . Liebe und Verehrung kam von allen Seiten , in hundertfältigen Beweisen auf beide eingestürmt . Es war natürlich , daß die Gräfin als Gutsherrin und Schloßfrau auch mannigfachen Pflichten zu genügen hatte , Deputationen aus dem Dorfe , die Schulkinder , die Dienstboten und dergleichen zu empfangen verpflichtet war , während Fanny auch einige stillere Stunden hatte , wo sie sich in ihrem Zimmer der eingehenden Betrachtung ihrer Geschenke widmen konnte . Ihr Gemach glich einem Blumengarten . Die Gäste des Schlosses hatten zum Teil aus Berlin ungeheure Blumengebäude kommen lassen . Von Mittelbach war ein Schlitten angelangt , der dort schon in der Nacht weggefahren sein mußte ; er brachte Briefe , Grüße und Blumen von daheim . Lucy von Grävenitz hatte Fanny ein Gedicht gemacht ; die Gräfin gab Fanny jedes Jahr eine größere Geldsumme zu dem » Feierabendhaus « , das Fanny auf Mittelbach für alte Tagelöhner bauen wollte ; Fanny erwiderte dies Geschenk stets mit einem Gemälde irgend eines modernen Meisters für die Galerie des gräflichen Schlosses . Lanzenau brachte Fanny immer ein förmliches Magazin von kleinen Luxusgegenständen für ihre Person und ihre Zimmer dar . Auch diesmal war er vorher in Berlin gewesen , dergleichen zu besorgen . Er reichte Fanny zum Glückwunsch still bewegt die Hand , und sie , ergriffen von seinem gealterten Gesicht , sagte mit thränenden Augen : » Unter allen Umständen - in allen Lebenslagen - ich bin und bleibe Ihre schwesterliche Freundin ! « Lanzenau schwieg . Aber sein heftiger Händedruck war Antwort genug . Nein , heute nicht - heute nicht ihr den Dolch in das freudige , glückvertrauende Herz stoßen . Er konnte es nicht , obgleich er sich in der langen , bangen Nacht vorgenommen , ihr zu sagen , daß der , den sie liebe , nicht mehr frei sei . Vielleicht gab es sogar noch einen Weg , ihr jeden heftigen Stoß zu ersparen . Wenn er mit Joachim spräche , wenn es noch gar nicht zu Erklärungen gekommen wäre ? Würde sie den Verlust eines Mannes nicht leichter ertragen , den sie nur erst in ihren Hoffnungen , nicht in Wirklichkeit besessen ? Gewiß - Lanzenau wollte mit Joachim reden . Da begegnete er ihm im Korridor , er wollte ohne Zweifel auch Fanny gratuliren gehen , denselben Weg , den Lanzenau eben gemacht . » Auf ein Wort , Herebrecht ! « » Ich bitte , « sagte Joachim , » nachher . Erst will ich Fanny zum Geburtstag Glück wünschen . « Joachim hatte eben dem Mittelbacher Schlitten den Brief an Severina zur Besorgung gegeben und war ganz froh . Er sagte » Fanny « ; das fiel Lanzenau schmerzlich auf . Aber dann besann er sich ; das war schon lange geschehen ; sie waren ja sozusagen verwandt durch Adrienne . » Gut , « antwortete Lanzenau , » ich bin in der Bibliothek und erwarte Sie . « So legte er Joachim den Zwang auf , nicht zu lange bei Fanny zu bleiben . Das fühlte dieser wohl und von neuem wollte Unruhe durch seine Adern schleichen . Aber die entfloh wie Nebel vor dem Sturm , als er Fanny sah , wie sie dastand , umgeben von der Blumenpracht , und ihm entgegenlächelte , befangen fast wie ein Mädchen und doch mit dem Glutblitz des Weibes in den Augen . » Fanny , « sagte er tief bewegt , » ich bringe Dir nichts als meinen heißen Wunsch , daß ... « Er stockte . Er ihr Glück wünschen , er , um den sie weinen und leiden würde , wenn sie wüßte ... Fanny ergriff seine Hände . » Du hast Dich mir gegeben , Deinen ganzen Menschen , « sprach sie feierlich , ihn mit leuchtenden Augen ansehend , » das ist das Gnadengeschenk , welches das Schicksal mir noch schuldete . « » Geliebte ! « sagte er mit zitternder Stimme und küßte ihren Scheitel . » Ja , « fuhr sie mit dem Pathos höchster Leidenschaft fort , » ja , es war mir das schuldig . Die Welt glaubte , ich sei glücklich , weil alle meine Kräfte froh und mit Segen sich bethätigen konnten . Die Welt glaubte , nur mein Verstand , nicht mein Herz brauche Beschäftigung . Aber ich fühlte tief innen immer , daß mir die Krone des Weibes fehlte . Ich hatte noch niemals geliebt . In meiner Ehe mit Förster hat die erschöpfende , die alles duldende Liebe gefehlt , was sonst wie ein Traum an Sehnsucht durch mein Herz zog und sich äußerte , war Selbstbetrug . Du bist meine Wahrheit , mein Leben , mein Glück . « » Fanny , « sagte Joachim - seine Augen waren naß und er drückte ihre Hand dagegen - » Fanny , und doch war Deine Wahl eine Verirrung . « » Nein , « rief sie flammend , » tausendmal nein ! Ich habe nicht gewählt , Du bist mir gegeben . Es gibt keine Wahl , wo ein gewaltiges Naturereignis alles in uns und um uns erschüttert . Ich mußte Dich lieben ! Da gibt es keine Fragen nach Alter , nach Stand , nach Gaben , nach Vermögen - selbst nicht nach Güte , nach Herz . Man liebt - und wenn es sein muß , erhebt die Liebe den Geliebten aus dem Staub und lehrt ihn , würdig und groß zu sein . Dafür ist sie die Gottheit , welche die Welt beherrscht . « Joachim war außer sich . Er sank vor ihr nieder und barg sein Gesicht in den Falten ihres Kleides , während seine Arme ihre Hüften umschlangen