geht . Was soll ich ihr schreiben ? « » Schreibe ihr « , antwortete Milada , unterbrach sich jedoch und richtete einen um Erlaubnis bittenden Blick auf die Oberin . Erst als diese zustimmend genickt , begann sie wieder : » Schreibe ihr , daß mein ganzes Leben nichts ist als ein einziges Gebet für sie und - noch für einen , unseren armen , unglücklichen Vater ... « ihre Stimme hatte sich gesenkt , nun erhob sie sich freudigen Klanges - » und auch für dich , lieber , lieber Pavel . « Pavel murmelte etwas Unverständliches , seine Augen begannen unerträglich zu brennen ; plötzlich ließ er Miladas Hand aus der seinen gleiten und trat einen Schritt zurück . Sie fuhr fort : » Der Allbarmherzige hat mich erhört , er hat dich gut werden lassen ... nicht wahr ? Sprich , lieber Pavel , sag ja , du darfst es sagen - es ist ja ein Werk seiner Gnade . Sag , ich bitte dich , daß du gut und brav geworden bist ... Pavel , Lieber , bist du gut und brav ? « Er senkte den Kopf , gepeinigt durch ihr Flehen , und sprach : » Ich weiß es nicht . « » Du weißt es nicht ? « fragte Milada , und als er schwieg , rief sie mit aufsteigender Besorgnis die Oberin an : » Er weiß es nicht - ehrwürdige Mutter , wie kann das sein ? « Die Oberin sah Bangigkeit und Unruhe sich in den Zügen der Novize malen , sah ihre bleichen Wangen sich mit immer dunkler werdender Röte färben und versetzte beschwichtigend : » Es kann wohl sein . Er hat dir eine schöne Antwort gegeben , die des Bescheidenen , der seinen Wert nicht kennt . Wir kennen ihn ; wir wissen von den Fortschritten , die dein Bruder auf dem Wege des Heiles macht . Darum auch durfte er seinen Auftrag selbst bestellen und den deinen selbst einholen . Es ist geschehen , und nun , liebe Kinder , sagt euch Lebewohl . « Pavel seufzte tief auf : » Jetzt schon ? « und zugleich und mit derselben Bestürzung drangen aus Miladas Mund dieselben Worte . Aber nur ein kurzer Kampf , und dem unwillkürlichen Schrei des Herzens folgte der Ausdruck der Ergebung in fremden Willen , und sie sprach : » Lebe wohl , Pavel . « Ihr frommer Gehorsam wurde belohnt , die Oberin lächelte gütig : » Du kannst auch sagen , auf Wiedersehen . « » Bei meiner Einkleidung « , fiel Milada begeistert ein , » zu meiner Einkleidung wirst du kommen , das darf man ... Nicht wahr , ehrwürdige Mutter , man darf - er darf ... und ich « , setzte sie nach kurzem Besinnen demütig hinzu , » darf ich noch eine Frage an ihn stellen ? « » Frage ! « Milada , die schon im Begriffe gewesen , der Oberin zu folgen , wandte sich wieder Pavel zu : » Lieber , hast du allen verziehen , die dir Böses getan haben ? « Er sah die gespannte , bebende Erwartung , mit der sie seiner Antwort lauschte , er prüfte sein Herz und sagte : » Einigen schon . « » Du mußt aber allen verzeihen ; sie sind ja Werkzeuge Gottes , die dich zu ihm führen durch Prüfungen . Verzeih ihnen , liebe sie , versprich es mir . « Sie beschwor ihn mit einem Ungestüm , der an die Milada früherer Tage gemahnte . » Versprich ' s , mein Pavel . Wenn du es nicht tust , muß ich leiden « , klagte sie , » es ist ein Zeichen , daß ich noch nicht genug getan , gebetet , gebüßt habe . « » Ich versprech es ! « rief er überwältigt und streckte seine Arme nach ihr aus . » Dank « , hörte er sie noch sagen . » Dank , lieber , lieber Pavel « , und alles war vorbei , die Lichterscheinung entglitten . Die Oberin hatte Milada mit sich fortgezogen , er war allein . Bald darauf öffnete die Pförtnerin die Tür und blieb an derselben stehen , die Klinke in der Hand . Pavel leistete ihrer stummen Aufforderung Folge , er trat in die Halle , er trat ins Freie . 16 Pavel schritt langsam über den Platz , der ihm einst einen so großartigen Eindruck gemacht und für dessen Herrlichkeiten er heute keinen Blick hatte . Das Glücksgefühl über das unerwartete Wiedersehen mit Milada zitterte noch eine Weile in ihm nach , wich aber bald einer jede andere verdrängenden Empfindung qualvoller Besorgnis und füllte seine Seele mit Leid und mit Reue . Er hätte sich nicht fortweisen lassen dürfen , wie er es in feiger Schüchternheit getan , er hätte bleiben und der Frau Oberin sagen sollen : Mir bangt um meine Schwester ; sehen Sie nicht , daß sie sich verzehrt in Arbeit , Gebet und Buße ? Das wäre seine Pflicht gewesen , wohl auch sein Recht . - Der Gedanke einmal gefaßt , und sogleich ward er auch zum Entschluß . Pavel kehrte nach dem Kloster zurück und zog an der Glocke . Die Tür öffnete sich nicht , aber an einem in derselben angebrachten kleinen Gitter wurde ein Auge sichtbar ; die Pförtnerin fragte nach dem Begehr des Schellenden , und auf Pavels Antwort kam der Bescheid , die Frau Oberin sei nicht zu sprechen . Die Klappe hinter dem Gitter schloß sich . Was tun ? Pochen , stürmen , den Einlaß erzwingen , auf die Gefahr hin , den Unwillen der frommen Frau auf sich zu laden ? ... Und wenn dies geschah - wer würde für Pavels Vergehen büßen , mehr büßen wollen als müssen ? - Milada . Er wußte es wohl und trat von neuem seine Wanderung an . Am Ende der Stadt , in unmittelbarer Nähe der Brücke ,