verbundene Ansehen zum Schuldenmachen und anderen Mißbräuchen auszubeuten . Hierin fand sie bald genügende Aushilfe , als die Söhne die Verwaltung der bescheidenen Fabrik übernahmen , die der Vater ihnen überließ , um sich ausschließlich seinem Amte zu widmen und Frieden zu haben . Darin täuschte er sich arg . Die Söhne waren seit dem Verlassen der Schulen nicht vom Fleck zu bringen gewesen , um etwas von der Welt zu sehen und zu lernen , woran auch der Vater schuld war , der sie nicht dazu gezwungen und sie zu Hause herumlungern ließ , wo sie sich nur die Gemütsroheit und ungeschliffenen Sitten der Mutter und einer Anzahl von Gesellen gleichen Schlages zum Vorbild nahmen . Anstatt das Geschäft ordnungsgemäß zu führen , vernachlässigten sie dasselbe und gerieten in die ärgste Wechselreiterei , ohne daß etwas verdient wurde . Da zogen sie dann stets den Vater Statthalter mit hinein , der sich verbürgen oder geradezu seinen Namen auf die Papiere setzen mußte ; und auch die Frau Statthalter und Großrätin entblödete sich nicht , ihm mit Schuldpapieren zum Unterschreiben zu kommen . Die von ihm mitunterzeichneten Wechsel und Obligi waren lange Zeit immer unterzubringen , kehrten nach weitläufigen Wanderschaften zu ihm allein zurück und mußten mit saurer Mühe und tausend Sorgen von ihm eingelöst werden . Das alles ging unter stetem Zank und Streit vor sich , da Mutter und Söhne sich immer gröber und unverschämter gegen ihn betrugen , als ob er ein schlechter Hausvater wäre . Dies Elend zu vertuschen und den Lärm , der täglich auszubrechen drohte , zum Schweigen zu bringen , mußte er um seiner Ämter willen immer nachgeben . Er hatte seine Amtsstube mit einem Schlafzimmerchen in ein kleines Nebengebäude verlegt , um Ruhe zu finden . Allein das Weib ließ sich das nicht anfechten . Sie kam während der Audienzen , die er hielt , oder der Verhöre , die er leitete , durch die Amtsstube gelaufen mit brutalem Auf-und Zuschlagen der Türen , wenn sie nicht zu Wort kommen konnte . Sogar den Schreiber , den Polizeisoldaten und den Amtsboten des Statthalters suchte sie mit einer ganz einfältigen Falschheit und Untreue zu geheimen Gegnern des Mannes zu machen , der doch in all seiner Schwäche die Stütze des Hauses blieb bis zum Zusammenbruche . Und niemanden gab es , der ihn klagen gehört . Ach , er wußte gut , warum er schwieg ; denn niemand würde geglaubt haben , daß ein Mensch , welcher im eigenen Hause so elend dastand , das Wohl des Landes beraten und fremde Leute zu regieren sich unterstehen könnte . Wie aber alles Menschliche ein Ende nimmt , ging es auch hier dem Feierabend so vielen Unrechtes und Leidens entgegen . Die Arbeiter waren wegen rückständiger Löhne schon aus der Fabrik weggeblieben und anderwärts angestellt worden . Trotzdem hatten die Söhne noch bedeutende Ankäufe von Garn gemacht , dieses aber sofort versetzt , und als der Zahlungstermin nahte , besaßen sie weder Garn noch Tuch noch Geld und liefen Gefahr , des betrügerischen Bankrotts verdächtig zu werden . Mit dieser schönen Enthüllung überfielen sie den Vater , als die fälligen Wechsel vorgewiesen wurden , in der Morgenfrühe , natürlich wieder im Tone des Vorwurfes , daß er sie in ein so erbärmliches Fabriklein hineingesetzt habe . Und als er hilflos dastand und fragte , wo er um Gottes willen auch Geld hernehmen sollte , da ja alles verpfändet und überschuldet sei , verwiesen sie ihn frech auf die von ihm bezogenen Steuergelder , die bequem bereitlägen und für den Augenblick ohne Gefahr in Anspruch genommen werden dürften . Der Vater wurde blaß . » Es ist mir genau vorgeschrieben , « sagte er , » wieviel Gelder ich im Hause behalten darf und wann ich sie an die Staatskasse abführen muß , abgesehen davon , daß ich meine Hand nicht auf irgend andere Art unter den Deckel stecke ! « » So haben wir morgen die Insolvenzerklärung ! « sagten sie ; » Kleinpeter und Söhne heißt ja die Firma ! « Sie schauten in der Stube umher , nach der alten Geldkiste , wo die denn hingekommen sei . Der Vater hatte sie kürzlich in eine andere Ecke geschleppt und an den Boden festgeschraubt , unter welchem sich dort ein starker Balken hinzog . Eben stand die Kiste offen ; der eiserne Deckel war zurückgeschlagen , in einer Abteilung lag in Rollen abgezähltes Geld nebst einem Pakete Banknoten und obenauf ein mit den betreffenden Zahlenangaben beschriebener Zettel . Der ältere Sohn schritt unverweilt nach der offenen Kasse und ergriff den Zettel , indem er rief : » Hier ist mehr als genug für den Augenblick ! Der vierte Teil sogar genügt , und später wird sich Rat schaffen lassen ! « Gleichzeitig wollte er nach den Banknoten greifen . Doch der Ratsherr stürzte sich dazwischen und hielt ihm den Arm fest ; der zweite Sohn sprang herzu , dem Bruder zu helfen , und es rang nun der alternde Mann in Todesängsten mit den Söhnen , die sich nicht scheuten , den Vater unsanft hin und her zu stoßen . Endlich gelang es ihm doch , den schweren Deckel zu packen und zuzuschlagen , worauf die räuberischen Söhne ein wenig zurückwichen , aber nicht aussahen , als wollten sie von ihrem Vorhaben abstehen . Diesen Augenblick benutzte er , einen der Schlüssel abzuziehen . » Wenn ihr nicht auf der Stelle hinausgeht und euch heute nochmals hier blicken laßt , « sagte er zu ihnen mit bebender , doch gedämpfter Stimme , » so soll euch mein eigener Landjäger festnehmen und in Daumschrauben nach Münsterburg bringen ! Er kann jede Minute dasein ! « Die unerwartete Kraft des schwachen Mannes , der um seinen letzten Besitz , den ehrlichen Namen , kämpfte , schreckte die ungeratenen Söhne zurück , und sie entfernten sich ebenso bleich , wie der Vater geworden war . Zitternd und keuchend saß der Statthalter auf der eisernen Kiste und wischte