erst wieder Leben und Unbefangenheit , als sie mit gewohnter Vorliebe für die Kleinmalerei zur Schilderung des Fährhauses und seiner Insassen überging . Alle Geschichten ihrer Kindertage seien ihr in demselben Augenblick wieder lebendig geworden , wo sie sich beim Erwachen aus ihrer Ohnmacht in dem aus Feldstein und Rasenstücken auf gebauten Fährhause mitsamt der alten Fährhaushexe vorgefunden habe . Wirklich , alles sei halb Märchen , halb Walter Scott gewesen . Aber kein Kaffee der Welt hab ihr je so geschmeckt wie dieser Fährhaus- und Hexenkaffee , was schließlich auch wieder nicht zu verwundern und jedenfalls kein Mirakel sei . Denn die Lage , darin man sich gerade befinde , bestimme nicht nur unser Tun , sondern auch unseren Geschmack , und während ihr , um nur ein Beispiel zu gehen , bis dahin Blak und Torfqualm der Inbegriff alles Lästigen und Widerlichen gewesen sei , denke sie jetzt mit Dankbarkeit an die Blak- und Torfqualmwolke zurück , aus der ihr in eben dieser Fährhütte das Leben neu niedergestiegen sei . » Das Glück kommt immer in der Wolke « , lachte der alte Graf , » und wer es nicht aus der Mythologie weiß , nun , der weiß es aus den Bildergalerien . Und du darfst darüber nicht verlegen werden , Franziska , denn ich wage die Behauptung und erhebe sie hiermit zum Dogma : Alles , was noch gemalt werden kann , ist auch noch salonfähig . Und dabei bleibt es , auch wenn Schwester Judith mir Blicke zuwirft , als ob sie den großen Bann über mich verhängen wolle . Sie vergißt eben ganz und gar , daß wir dem frohen Ereignis , das sich zugetragen , auch ein Dankopfer zu bringen haben , und das meine besteht in etwas Übermut und guter Laune . Jeder nach seinen Kräften . Judith freilich wird auf der Rettungsinsel lieber eine Kapelle bauen und eine heilige Franziska darin aufstellen lassen , immer vorausgesetzt , daß es eine solche gibt . Vorläufig aber stell ich ernstlich zur Frage : wer fährt mit ? In einer Stunde nämlich muß ich auf drei Tage zur Gerichtssitzung nach Gruz , diesem verdammtesten aller verdammten Nester , das keinen Pflasterstein und auf tausend Mäuler in Bausch und Bogen dreitausend Rüssel hat . Eins zu drei . Aber was sag ich , eins zu drei ? Wer eine Gerichtssitzung mitmacht , der rechnet sich noch ganz andere Prozentsätze heraus . Doch das beiseite . Was meint ihr , Egon , Franziska ? Ihr könntet mich bis Mihalifalva begleiten und mir bei der Gelegenheit als erste Wallfahrer eure Rettungsinsel zeigen . « Egon und Franziska schwiegen unschlüssig , Judith aber war mit großer Entschiedenheit dagegen . Es sei besser , des Jüngstvergangenen in Andacht und Stille zu gedenken als spöttisch und persiflierend aus dem Inselchen eine Pilgerstätte zu machen . Der Graf lachte , war es aber zufrieden und brach allein auf , um an dem so wenig schmeichelhaft von ihm geschilderten Komitatsort einer dreitägigen Gerichtssitzung beizuwohnen . Dreißigstes Kapitel Eintönig waren die drei Tage vergangen ; Egon und Franziska mieden sich und trafen sich nur bei Tisch und beim Tee , und während der Stunden , wo sonst so lebhaft geplaudert zu werden pflegte , war es jetzt still , als ob man sich nichts zu sagen habe . Judith hatte dessen am ersten Tage nicht acht , am zweiten aber bemerkte sie ' s , und am dritten sprach sie ' s unumwunden aus . Nun besannen sich Egon und Franziska wieder und nahmen ein Gespräch auf , lebhaft , pointiert und überhaupt anscheinend wie früher . Aber es lachte niemand . Die Worte , die gewechselt wurden , entbehrten aller Unbefangenheit . Am vierten Tage früh kam ein Telegramm aus Gruz , worin der Graf meldete , daß er statt am Vormittage , wie gewollt , erst spät am Abend eintreffen werde . Das Blatt ging von Hand zu Hand , ohne daß eine Bemerkung gemacht worden wäre ; dann aber zog sich Franziska zurück und sah , oben in ihrem Zimmer angekommen , in das Kaminfeuer , das lustig flackerte . Hannah erschien aus dem Nebenzimmer , um ein Scheit aufzulegen , eigentlich aber , weil sie sah , daß ihre Herrin und Freundin bedrückt war und sprechen wollte . » Setze dich auf das Kissen hier « , sagte Franziska nach einer Weile . » So ; hier . Und nun bleib und erzähle mir etwas Hübsches , etwas Freundliches , etwas Trostreiches . Ich brauch es so sehr . Ich habe Sehsucht nach Wien , nach Welt und Menschen und wollte , wir wären erst fort von hier . « » Ich wollt es auch , aber glaubst du , daß es hilft ? « » Was ? « » Daß wir hier fortgehen . Ich meine , Fränzl , es muß hier anfangen . « Und dabei wies sie mit dem Finger auf Franziskas Herz . Diese schwieg und sah vor sich hin . » Ja , Fränzl , du mußt wieder einen Willen haben ; konntest dich doch sonst bezwingen . Aber die langen Regentage sind schuld , da fing es an . Und das zweite war , daß sie die Marischka wegstahlen , und das dritte , daß das Dampfschiff fort war . Ach , an derlei hängt es immer , und in so kleine Haken hakt der Teufel am liebsten ein . Ich sorge mich jetzt vor dem , was kommt . Denn sieh dich vor , Fränzl ich versteh mich auf Augen , und ein so gutes Herz er hat , so heißes Blut hat er . Er ist ein Feuertopf , und fällt erst mal ein Funke hinein , so haben wir ein Geprassel und einen Krach und Knall . Ich beschwöre dich , hast du mir nichts zu sagen , nicht ein kleines Wort , das mich beruhigen könnte ? « Franziska schüttelte den Kopf . » Fränzl , Gräfin « ,