auf dem Herzen , und es würgte ihn im Halse , er mußte es aussprechen . » Es ist arg « , brachte er mühsam heraus . Die Dirne faßte ihn begütigend mit beiden Händen über dem Ellbogen seines linken Armes . » Meinst du , die lüftet nit gern ? « fragte er flüsternd . » Sie muß ja wohl , Muckerl , der Totngruch is übel und verzieht sich so schwer . « » Sie tut ' s gern , weil sie froh is , daß mein Mutter ausm Haus . « » Jesus , Maria ! « Sepherl faltete die Hände und starrte ihn erschreckt an . Er nickte ihr mit tränenden Augen zu , dann winkte er nach ihrer Hütte , bei der sie eben angelangt waren , und ging von dem Mädchen hinweg . Etwa zwei Monate darnach ward in der Hütte des Holzschnitzers eines geboren , das dort niemand rechte Freude machte ; es war ein Knabe , man taufte ihn , nach dem Namen des Mannes seiner Mutter , Johann Nepomuk . Helene betreute das Kind sorgfältig , aber sie zärtelte und spielte mit ihm nur , wenn sie in überaus guter Laune sich selber gleichsam vergaß , und das kam äußerst selten vor ; da mochte denn wohl zu Anfang dem Manne das Kleine dauern , und er versuchte es , mit ihm zu schäkern , aber er kam damit nicht recht zustande , weil ihn dabei stets das Weib gar eigentümlich großäugig und mit spöttischem Lächeln beobachtete ; bald ließ er es jedoch ganz sein , nachdem ihm Helene einmal murrig den Knaben von der Seite gerissen und gesagt hatte : » Zu was das ? Das kommt ihm nit zu . Wenn du dein Wort haltst , es z ' füttern , mehr zu verlangen hat es kein Recht . « So aber hatte es der redliche Mann nicht gemeint , als er sein Versprechen gab , auch rechtschaffen für das » andere « zu sorgen , und daß dieses nun , wie fremd im Hause , heranwachsen sollte , verleidete ihm die Sorge für dasselbe . Nicht lange hauste er mit Helenen allein unter einem Dache , so mußte er sich im stillen eingestehen , wie doch alles gar anders gekommen war , als er sich ' s gedacht . Wohl sah er bewundernd zu dem jugendschönen , stattlichen Weibe auf und anerkannte dessen überlegenen praktischen Sinn für Wirtschaft und Leben , aber in diesem selben Sinne , dem nur das Gegebene zu Recht bestand , der genau abwog , was jedem » zukam « , und selbst die dargebotene fremde Hand zurückwies , um die eigene frei zu behalten , handelte sie auch , wenn sie die Zärtlichkeiten des Mannes über sich ergehen ließ und dessen schmeichelnde Hand von dem Kinde abwehrte , dem übrigens auch sie nur eine gestrenge Pflegerin war und blieb , da es in ihren Augen nicht viel mehr Anspruch als den auf Gastrecht hatte . Tag für Tag vergällten solche erkältende Wahrnehmungen dem Manne die Freude über ihren Anblick und das Behagen über ihr umsichtiges , häusliches Walten ; mit Gewalt jagte es dann immer in seiner Seele den trüben Gedanken auf , daß sie es gewesen , welche die letzten Lebenstage seiner Mutter verbittert , und so , in raschem Wechsel bald angezogen von ihr , bald abgestoßen , fühlte er sich bald müde , herzensmüde . Sie war nun allerdings unbestrittene Herrin im Hause , aber in welchem ? Wer war sie ? ' s Zwischenbüheler Herrgottlmachers Weib ! - Wenn sie abends mit dem kleinen Hans auf dem Arme unter die Türe trat und hinauf sah zu dem Sternsteinhofe , der mit vom Sonnenuntergange erglühenden Fenstern vor ihr lag , wie sie als Kind oft ihn gesehen , dann hätte sie gerne Steine von der Straße raffen und all die blinkenden Scheiben zu Scherben werfen mögen ; aber wie weit , wie weit lag der prangende Hof , für sie wohl gar wie aus der Welt ! Einmal streckte das Kind nach dem Gefunkel auf der Höhe die Ärmchen aus , sie sah es überrascht an . » Weißt du auch , wo d ' hinghörst ? Wo wir allzwei sollten sitzen , wenn auf Wort und Schrift untern Menschen ein Verlaß wär ? ! « Die Röte schoß ihr plötzlich in das Gesicht , sie sah scheu um sich , ob jemand in der Nähe , der sie gehört haben könnte . » Närrisch ! Der Fratz meint ihn nah wie zun Greifen ! Ob das was vorbedeut ? Mein Jesus , den Gedanken nit loszuwerden , was das für ein Unsinn is ! « Sie stand und starrte hinauf , bis der Glanz erloschen war . In der Arbeitsstube aber saß der Mann , am Werktische verkümmernd und verkrümmend , fleißig schnitzelnd und pinselnd , geleckte Figuren , angestrichene Puppen , aber seine Besteller waren es zufrieden , und dessen war er ' s auch . XV Es war eine gar eigentümliche Begrüßung , die zwischen Vater und Sohn stattfand , als nach dreijähriger Militärdienstzeit der Toni auf den Sternsteinhof zurückkehrte . Die beiden wußten die lange Zeit über nur wenig voneinander . Schreiben war eben nicht ihre Sache . Der Alte überließ es dem Schulmeister , mit einigen Worten das Geld zu begleiten , das dem Burschen regelmäßig zugeschickt wurde , damit sich derselbe auch im Soldatenstande als der reiche Bauerssohn » zeigen « konnte ; der Junge schrieb nur , wenn er mitten im Monate in die Klemme geriet , und er erhielt auch stets das Erbetene , dann aber mit ein paar eigenhändigen Zeilen des Sternsteinhofers , welche weder Kosenamen noch Segenswünsche enthielten . Als der Alte den Brief empfing , der die Ankunft des Sohnes für den folgenden Tag anzeigte , ließ er das Steirerwägelchen instand setzen , und ein Knecht mußte in der Nacht hinüberfahren nach der Kreisstadt , welche an der Bahn