Baronin : Es ist doch nicht möglich ! - Nein , es ist doch nicht möglich ! » Auch wollte ich Ihnen ankündigen « , fuhr Regula fort , » daß mein Sekretär mit der ersten Rate des Kaufschillings morgen früh hier eintrifft und ... « » Aber , liebste Regula ! « unterbrach sie die Baronin , » was fällt Ihnen ein , den Mann hierherzubestellen ? Seine Ankunft würde Aufsehen in Rondsperg machen . Er darf nicht kommen . Ronald muß Ihren Schimmel « - sie nahm sich niemals Zeit , Schimmelreiters ganzen Namen auszusprechen - » auf der Station erwarten , das Geld in Empfang nehmen , den Überbringer aber bitten , um Gottes willen wieder heimzufahren . Wenn der Burggraf zehn Worte mit dem Sekretär tauscht , so kommt er euch hinter euren frommen Betrug und rapportiert ihn Papa in einer Weise , die an uns allen zusammen nicht ein gutes Haar läßt ! « Ein alter Schäfer , der den Tieren , die er trieb , ähnlich sah , kam mit seiner kleinen Herde den Berg herauf und wünschte » guten Nachmittag « . Während Ronald sich mit ihm in ein Gespräch einließ , spazierte Thilde von einem Gebäude zum andern , öffnete die Türen , sah in die Fenster hinein und rief : » Diese Mauer stürzt nächstens zusammen - hier braucht ' s einen neuen Dachstuhl - der Stall muß eingerissen werden ! ... Prickelt es einem nicht in allen Fingern ? Möchte man nicht gleich selbst Hand anlegen ? « Jetzt kam auch das Weib des Schäfers herbei und begrüßte die Baronin mit großen Freudenbezeugungen , brach aber sofort in heftiges Schluchzen aus und klagte unter beständiger Anrufung des göttlichen Heilands und der » svatá panenka « Maria : » Daß ich meine gnädigen Herrschaften so selten sehe ! Dreizehn Jahr - dreizehn Jahr sind der Herr Vater und die Frau Mutter nicht mehr bei uns gewesen ... Es ist ihnen hier zu traurig ... Freilich , wie sieht es auch aus ! « Die Baronin tröstete sie : » Sei ruhig , Liborka ! Es wird anders werden . Nicht wahr ? « sprach sie zu ihrem Bruder , der sich genähert hatte , » nächstens schickst du Maurer und Zimmerleute herauf ? « Ronald erwiderte , dies könne , mit Erlaubnis Fräulein Heißensteins , schon morgen geschehen . Fräulein Heißenstein aber freute sich darüber sehr , erkundigte sich nach den Ziegelpreisen und legte beachtenswerte Kenntnisse im Baufache an den Tag . Die Heimfahrt wurde unter tiefem Schweigen zurückgelegt . Die Baronin gab sich ihren Betrachtungen hin und das Ergebnis derselben war : Ronald hat ganz recht , in den sauren Apfel zu beißen . Wenn meine Wirtschaft in einem solchen Zustand wäre wie die seine und müßt ich , um ihr aufzuhelfen , die Frau des Teufels werden - ich nähm den Teufel , weiß Gott ! Ronald dachte an ein Paar braune Augen , an einen leuchtenden Blick . Er dachte : Röschen , Röschen , wie wird es dir ergehen in dieser argen Welt , du Herz voll Mitleid , du Seele voll Begeisterung ? Regula hingegen sagte zu sich selbst : Dieser arme Graf , man muß ihn bedauern ... Er kann nicht sprechen - aus Delikatesse ... Ich werde - es ist schrecklich - die ersten Schritte tun müssen ! Die Sonne stand schon ziemlich tief , als die Equipage in der Nähe des Parks anlangte ; die Baronin schrie plötzlich auf : » Unerhört ! Da steht Papa mit Röschen unter den Linden - außerhalb seiner vier Mauern , außerhalb seines freiwilligen Kerkers ... ein Ereignis ! Das ist ja ein Ereignis ! « rief sie dem Grafen zu , vor dem jetzt der Wagen hielt . » Jawohl , aber « - der alte Herr deutete auf seine Begleiterin - » wo es Feen gibt , da geschehen Zeichen und Wunder . Sie befehlen , der Sterbliche gehorcht . Jetzt jedoch bitte ich euch , mich aufzunehmen . Thilde , räume mir den Platz und ergreife die Zügel . Mein Sohn wird die Ehre haben Ihnen auf dem Heimwege seinen Schutz angedeihen zu lassen , oder vielmehr , ich empfehle ihn dem Ihren ! « sagte er zu Röschen . Die Baronin hatte sich beeilt auszusteigen und half ihrem Vater in den Wagen . Dann besann sie sich einen Augenblick und wollte schon sagen : Fahr zu , Ronald , ich will Röschen geleiten . Aber als sie zu ihm hinaufblickte , ergriff sie ein menschlich Rühren . Es war ein solcher Glanz des Glückes über sein Gesicht verbreitet , daß sie dachte : Er hat der Bitternisse genug , mag er auch einmal eine Freude haben ! ... Und schon saß sie auf dem Bock und nahm die Zügel aus Ronalds Hand . Mit einem Satze sprang er herab , die Baronin trieb die Pferde an , und rasch rollte der Wagen längs der Mauer des Parks . Ronald sah ihm nach , und ihm war zumute , als entführe dieser enteilende Wagen alle seine Sorgen und als stände er nun allein und frei auf der Erde mit dem Lieblichsten , das sie trug , und ihn überkam eine Empfindung der Seligkeit , wie er sie nicht mehr gekannt seit seiner Knabenzeit ; seit den Tagen unbewußter Wonne , wo man sich noch nicht wundert , daß man glücklich ist . Nicht minder froh als er schien Röschen , und als er fragte : » Wohin nun ? Welchen Weg nehmen wir ? « antwortete sie , ohne sich zu besinnen : » Den weitesten ! « » Das mein ich auch « , rief er , » am liebsten führt ich Sie über jene Berge dort ! « Er glitt rasch mit der Hand über die Augen . » Wie wär ' s , was denken Sie , wenn wir so zusammen wandern gingen , weit - weit , und erst heimkehrten