uns nicht gefällt ! « » O , den Blumengarten hab ' ich sehr lieb ! « versetzte ich rasch , ohne seine Frage direkt zu beantworten . » Er kommt mir vor wie ein ganzes Buch voll Wunder- und Zaubergeschichten ! Ich muß manchmal die Augen rasch schließen und Hände und Füße festhalten , sonst - würfe ich mich unversehens mitten in solch ein Blumenbeet hinein ! « » Das thun Sie doch , « sagte er in seiner freundlichen Gelassenheit . Ich sah ihn überrascht an . » Na , da würden Sie doch schön schelten , « fuhr es mir heraus . » Wie viel Bouquetgroschen gingen Ihnen da verloren ! ... O Gott , und wie viel Samentüten ! « Er wandte sich ab , schloß die Thür zu , vor der wir standen , und zog den Schlüssel aus dem Schloß . » Diese Bouquetgroschen-Weisheit haben Sie wohl aus demselben Munde , der Ihnen bereits von der Hinterstube erzählt hat ? « fragte er , nachdem er den Schlüssel in die Tasche gesteckt hatte . Ich schwieg - Dagoberts Namen konnte ich unmöglich aussprechen ; von ihm hatte ich ja diese » Weisheit « , wie es Herr Claudius mit einem ganz leisen Anflug von Bitterkeit nannte . Er drang nicht weiter in mich . » Aber die Karolinenlust und der Wald , gefallen sie Ihnen denn gar nicht ? « fragte er . » Es ist ganz schön hier - « » Allein lange nicht so schön , wie in der Heide - nicht wahr ? « » Das weiß ich nicht - aber - ich habe heftige Sehnsucht nach dem Dierkhof ! Ich leide oft schrecklich und ängstige mich , daß ich mir die Stirne an den vielen Bäumen einstoßen könnte . « Die Klage trat mir fast unwillkürlich auf die Lippen ... Das hatte mich noch niemand im Hause gefragt ; sie setzten ohne Zweifel alle voraus , daß der Tausch ein überwiegend vorteilhafter für mich sei . » Armes Kind ! « sagte er , - nein , nein , das war keine Teilnahme ! - Die Natur hatte ihm nur eine so weiche Stimme gegeben . Wir betraten eben das Parterre seitwärts der Karolinenlust . Da stand der alte Erdmann , der neulich Ilse und mir den Eintritt in das Vorderhaus verwehrt hatte . Er hielt eine Mulde im linken Arm und streute unermüdlich Futter für das Geflügel auf den Kies . Herr Claudius schritt rasch auf ihn zu und hielt die Rechte zurück , die eben wieder einen Körnerregen hinwerfen wollte . » Sie füttern viel zu verschwenderisch , Erdmann , « sagte er . » Gehen Sie da hinein in den Busch , überall keimen die Körner , die die Tiere mit dem besten Willen nicht bewältigen können ; ich habe es eben mit großem Mißfallen bemerkt . « - Er griff in die Mulde und ließ die Körner durch seine schlanken Finger laufen . » Das ist ja der reine Weizen - Erdmann , da muß ich schelten ! Sie wissen , daß mir eine solche achtlose Verschwendung ein Greuel ist . Bei uns kommt das Getreide nutzlos um , und manches arme Kind sehnt sich vergebens nach einer Semmel . « Eine förmliche Erbitterung überkam mich - wie doch dieser Mann seinen Geiz zu beschönigen verstand ! Er schalt nicht , weil ihm in dem verschwenderisch hingeworfenen Weizen ein paar Groschen verloren gingen . Gott bewahre ! Die Semmel wurde beklagt , die für ein hungriges Kind möglicherweise hätte gebacken werden können . Der alte Erdmann entschuldigte sich damit , daß auch nicht ein Körnchen Gerste mehr im Hause gewesen sei . Er zog wie ein schuldbeladener Sünder den Kopf zwischen die Schultern und suchte eiligst das rettende Boskett zu gewinnen ... Hu , diese abscheulichen blauen Gläser , wie sie ihm nachfunkelten . Ich mochte sie aber auch gar nicht mehr ansehen . Ich wandte das Gesicht weg ; meine Hände griffen in das nächste Gebüsch und zupften und zausten an den Blättern und streuten sie achtlos über den Kies hin . » Was hat Ihnen denn der arme Schokoladenstrauch gethan ? « fragte Herrn Claudius ' Stimme neben mir wieder so sanft und gleichmütig , als sei sie es gar nicht gewesen , die eben noch gescholten . » Denken Sie einmal , wenn nun doch in den mutwillig und nutzlos abgerissenen Blättern ein klein wenig von dem Heimweh lebte , das Sie quält - « Ich bückte mich , las schleunigst die Blätter vom Boden auf , schichtete sie übereinander und legte sie auf den kühlen Rasen , dicht neben den Hauptstamm des Strauches , indem ich einen dickbelaubten Zweig über sie hinbog . » Nun sterben sie doch wenigstens in der Heimat , « sagte ich und sah wider Willen in die Brillengläser hinein . » Werden Sie es hier aushalten können ? « fragte er . » Ich muß wohl - ich soll ja gebildet werden , und dazu gehören zwei Jahre « - ich faltete unwillkürlich die Hände - » zwei lange Jahre ! ... Aber es hilft nichts , ich weiß nun selbst , daß ich lernen muß - ich bin doch zu entsetzlich unwissend in der Heide geblieben ! ... Das kleine Gretchen da drüben weiß ja mehr als ich ! « Er lachte leise auf . » Nötig ist Ihnen diese Lehr-und Leidenszeit freilich , wenn ich bedenke , wie sauer es Ihrer kleinen Hand wird , den eigenen Namen zu schreiben , « sagte er . » In zwei Jahren können Sie viel lernen ; aber Ihr Vater und vielleicht auch andere werden wünschen , daß Sie manches nicht in Ihre junge Seele aufnehmen , was die Welt , und vor allem das Leben in einer Residenz , lehrt und verlangt ... Frau Ilse hat mich gestern ersucht , Ihr Thun und Treiben zu überwachen . « Ein jäher Schreck durchfuhr mich - das litt ich