kurzem mit drei Worten in Stall und Feld schicken konnte , ein so wichtiges Amt zugestanden wurde . Erst jetzt schien ihm Jos ganz unentbehrlich , und klagend fragte er : » Was soll denn aber ich machen ? « » Dorotheens Bruder « , tröstete der Doktor , » ist viel stärker als Jos , ich würde gleich den anstellen , damit er auch wieder einen sicheren Weg vor ihm hätte . « » So , den ? « fragte Hans beinahe verächtlich . » Ja , den « , sagte der Doktor ruhig . » Zur Arbeit ist er sicher so gut als der ehemalige Schneider . Dorotheen gegenüber ist er auch viel weniger gefährlich als Jos , welcher nach den Äußerungen am unglücklichen Kirchweihtag ein Aug ' auf das flinke Mädchen geworfen hat . « Das wirkte auf Hansen wie ein Schlag . Er hatte sich daran gewöhnt , das Mädchen von ihm abhängig zu denken , obwohl er es Dorotheen niemals empfinden ließ . Das böse Gerede , worin Zusel ihn wegen der Magd gebracht hatte , machte ihm weit weniger Kopfweh als diese Rede . Ja jenes schmeichelte ihm noch , da er den darin liegenden Stachel in seiner Gutmütigkeit kaum bemerkte ; die leicht hingeworfene Bemerkung des Doktors aber wirkte um so stärker , da ihm Jos nun alles ein anderer Mann war , als während er ihn noch zum größten Teil vom Stighof abhängig dachte . Nun erst war ihm von der Kirchweih alles , gar alles klar . Es litt ihn nicht mehr im Herrenstüble , welches jede Minute noch heißer zu werden schien . Er mußte ins Freie , mußte sich ein wenig erspazieren wie immer , wenn er etwas nur mit Nachdenken nicht zu verwinden imstande war . Er mochte ziemlich weit in der Nähe herumgehen , denn er kam erst vor dem Nachtessen heim , eine Weile nach Dorotheen , die den Jos besucht hatte , und beinahe in besserer Stimmung als sie . Das war übrigens diesmal bald geschehen . Nach der Kirchweih hatte Dorothee manches in sich verarbeiten müssen , aber sie war doch imstande , sich so zu beherrschen , daß die Stigerin nicht im entferntesten auf den Gedanken kam , auch sie konnte bei der Geschichte mit Jos auf die oder jene Weise beteiligt sein ; heute aber fiel ihr das seltsame Benehmen des Mädchens denn doch auf , und zwar umso mehr , da sie keinen Grund dafür von Dorotheen erfragen konnte . Das allerdings betonte Dorothee etwas stark , daß sie den Bruder erst am dritten Tage , und noch dazu in einem fremden Hause , das heiße bei der Stickerin und ihrem Jos , angetroffen habe . Die Stigerin , die schon lange an einem großen Erdäpfel herumschälte , ohne dabei das Mädchen aus den Augen zu lassen , fand diese an Dorotheen gar nie bemerkte Empfindlichkeit um so unerklärlicher , weil es mit dem Bruder wenigstens nie mehr als mit den anderen Eigenen zu tun gehabt hatte . Die Frau sprach das offen aus , worauf denn Dorothee zu verstehen gab , daß das noch nicht alles sei , daß sie aber lieber gleich schlafen gehen als noch von allem reden möchte . Sicher hätte Dorothee auch weit etwas Ärgeres noch viel lieber getan . Für wie kindisch wäre sie wohl gehalten worden , wenn jemand erfahren hätte , daß ihr Jos so weh getan mit der Mitteilung seines Entschlusses , das Dienen eine gute Sache sein zu lassen und wenigstens nie mehr auf den Stighof zu gehen . Ihr erster Gedanke war , an dem sei nur einzig der Hansjörg schuld . Man hörte es aus allen seinen Reden , daß er den Stighans durchaus nicht leiden konnte . Er sagte offen , der Hans habe mit dem Krämer unter einer Decke gespielt , und ihm wäre selbst das Fortgehen nicht so schwer geworden als der Gedanke , daß er nun dem einen Dienst tun und für ihn durch Feuer und Wasser gehen müsse . So redete ihr Bruder heute vor allen Burschen , welche den Jos besuchten ; was erst mochte er ihm heimlich schon aus- und einzureden versucht haben ? Er war ja den ganzen Abend mit Jos im Gespräch über einen Plan , den er eine kleine Verschwörung gegen den Krämer nannte . Die anwesenden Handwerker , bisher von dem Blutsauger abhängig , sollten sich zusammentun und einen Handel mit ihrer Arbeit anfangen . Hansjörg versprach , durch Schleichhandel das , was das Land nicht selbst hervorbringe , so billig als einer zu besorgen . Dann wurde auch berechnet , daß man schon soviel bares Geld zusammenbringe , als ein kleiner Anfang brauche . Hansjörg schien vor Begierde zu brennen , dem Krämer diesen Possen zu spielen , und Dorothee hätte daraus die Abneigung des Jos gegen den von ihr erwähnten Knechtsdienst erklärt , wenn er seine Antwort ihr nicht gleichsam wie eine Beleidigung mit der Gewalt und Beredsamkeit eines recht Zornigen entgegengeworfen hätte . Was wollte die Rede sagen , er möge nicht länger auf dem Stighof das fünfte Rad am Wagen sein ? Es war gerade , als ob sie glauben sollte , er komme wegen ihr nicht mehr , und doch tat das gewiß niemand weher als ihr . Sie drei hatten so froh zusammen gelebt , und nun sollte das aus sein und sie zittern müssen für die trotzigen Waghälse , sooft Gott den Tag schickte . Daß aber Dorothee von dem jetzt nicht reden mochte , war um so erklärlicher , weil sie sich nebenbei wieder mit dem Gedanken zu beruhigen suchte , daß das auch einer jener vielen an langen Sonntagen unter lebhaften Burschen entstandenen Pläne sein könne , die schon am anderen Morgen bei ruhiger Überlegung nur noch belächelt werden . Das Nachtmahl ward schweigend genommen , und schon kam Dorothee gähnend und sich recht schläfrig stellend aus der Küche zurück , als Hans scheu und leise , wie wenn