Katholicismus übertreten zu lassen , und ihn der Kirche zu weihen . Bereitwillig , wie sich Angelika seither den Bedürfnissen und Verlangnissen ihres Mannes gezeigt hatte , lehnte sie doch diesen Vorschlag gleich und sehr entschieden ab . Es dürfe , sagte sie , im Hause ihres Gatten nicht ein Zeugniß seines Fehltrittes , ein Zeugniß seiner Schuld erhalten bleiben , das in seinen rechtmäßigen Kindern die unbedingte Verehrung für den Vater beeinträchtigen könne . Sie bat den Caplan , ihren Mann dahin zu bestimmen , daß für des Knaben Zukunft gewissenhaft gesorgt und seine Erziehung einem bewährten Manne übergeben werde ; aber sie wies jede Gemeinschaft mit dem Kinde ein für alle Mal von sich ab , und der Caplan , der ohnehin ihrer Ansicht gewesen war , versprach ihr , die Zustimmung des Freiherrn für ihre Wünsche zu gewinnen , noch ehe man zu der heiligen Handlung schreiten werde . Die Capelle des Schlosses war auf das reichste mit Blumen geschmückt . Die Decken , welche die verstorbene Mutter und die Schwester des Freiherrn mit eigener Hand gearbeitet hatten , zierten den Altar . Trotz des hellen Tages brannten die Kerzen auf den silbernen Leuchtern , als um zehn Uhr der Bischof , gefolgt von seinen beiden Vicaren , in die Capelle eintrat . Gleich darauf führte der Freiherr seine Gattin herein . Sie war weiß gekleidet und trug einen Strauß von weißen Rosen vor der Brust . Amanda ' s Rosenkranz und Crucifix hingen an ihrem Arme . Sie hatte das Gebetbuch , das ihr zu ihrer Erweckung geholfen hatte , in der Hand . In tiefer Andacht verrichtete sie ihr Gebet . der Caplan , als Hausgeistlicher , las die Messe , der Fürstbischof selbst fungirte bei den Ceremonien in Bezug auf die Neubekehrte , welche , ernst und bleich , das schönste Bild einer jungfräulichen Mutter , die geweihte Kerze aus der Hand des Bischofs empfing . Sie erhielt die Firmung , das Chrisma , die weiße Stirnbinde , welche das heilige Tauföl vor der entweihenden Berührung der Hände bewahrt , wurde ihr umgelegt , der Caplan dankte in einer Rede , welche für den Freiherrn und seine Frau noch eine besondere , nur ihnen verständliche Bedeutung hatte , dem Herrn des Himmels und der Erde für die Gnade , welche dem freiherrlichen Hause durch die Bekehrung der Freifrau widerfahren sei , und Angelika ' s Lippen bebten nur leise , als sie sich mit einem Eide von ihren bisherigen Glaubensgenossen für immer schied . Aufgelöst in begeisterter Erhebung , empfing sie gemeinsam mit dem Freiherrn die Absolution und das Abendmahl , und als sie sich so weit gesammelt hatten , um Herr über ihre Haltung zu werden , begab man sich nach Rothenfeld , um den Grundstein zu dem Gotteshause zu legen und einzuweihen . Alles war schon am Tage vorher dafür vorbereitet worden . Die Maurer hatten ihr Werk gethan , der Platz war vom Schloßgärtner mit jungen Bäumen abgesteckt , mit Blumen verziert . Aber die Gutsleute und die Bauern hielten sich fern . Sie sahen , wie der Zug in den vier Wagen durch das Dorf fuhr . Neugierig standen einige Frauen und die herzu gelaufenen Kinder , und starrten das bischöfliche Kreuz und den Bischof in seinem Ornate und die Vicare und den Caplan und den Meßner und die Chorknaben an , welche hier auf offener Straße die silbernen Weihrauchfässer schwangen und die lateinischen Gesänge und Gebete ertönen ließen . Es war Niemandem in den Dörfern wohl dabei zu Muthe . Der Freiherr und seine Frau und der Caplan kamen den Leuten in der fremden Umgebung auch wie Fremde vor , und dem Freiherrn selber gefielen an dem Tage die Blicke nicht , mit denen man an ihm vorüberging . Aber er hatte nicht viel Zeit , daran zu denken ; die Anerkennung , welche die geistlichen Herrschaften ihm zollten , die sichtliche religiöse Befriedigung Angelika ' s und die innere Genugthuung , welche er bei diesem Acte der Selbstherrlichkeit empfand , nahmen ihn völlig dahin . Man speiste nach der Grundsteinlegung in dem großen Saale des Schlosses , der nur bei besonderen Festen geöffnet wurde . Noch während der Tafel mußte die Baronin sich erheben . Sie befand sich übel , ihre Stunde war gekommen , ihr höchster Wunsch erfüllte sich früher , als sie geglaubt hatte . An demselben Tage , an welchem sie in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen ward , an dem sie sich im Glauben ihrem Manne neu verbunden hatte und der Grundstein zu der Kirche gelegt worden war , gebar sie ihm den Sohn , den er ersehnt hatte . Jetzt ist der letzte Schmerz von mir genommen ! rief der Baron am Lager seiner Gattin niederknieend ; jetzt sehe ich , daß mir verziehen ist ! Ich bin neu geboren durch Dich und Deine Liebe , ich bin erlöst durch Dich ! Dieses Kind ist mir das Pfand dafür - und Renatus Salvator soll er uns heißen ! Noch ehe der Bischof Schloß Richten verließ , ward an dem Neugebornen das Sacrament der heiligen Taufe vollzogen , und mit stolzer Freude blickte der Freiherr auf den Sohn , auf den Erben seiner Güter und seines Namens nieder . Was konnte ihm neben diesem Kinde , neben dem jungen Freiherrn von Arten-Richten , neben dem Erstgebornen seiner Angelika jetzt noch der Knabe sein , der fern von ihm mit fremdem Namen aufwuchs und an dessen Mutter er nicht mehr zu denken hoffte ? Das Kind , welches hinter den goldenen Fenstern des stolzen Schlosses spielen , das hier seine Heimath und seine Zukunft haben sollte , schlummerte in seiner Wiege , wohl gebettet , wohl versorgt . Der Knabe Paul hatte seinen eigenen Weg zu suchen in der Welt , die nirgends eine Heimathstätte , nirgends ein Vaterhaus für ihn umschloß . Die Bekehrung und der Uebertritt der Baronin von Arten bildeten , nachdem man dieselben erfahren hatte , eine Weile den Gegenstand