dazu verstanden habe , dem Wohle einer Familie meine Zeit und meine Kraft zu verkaufen , ich mich auch wohl zu anderen Concessionen würde verstehen müssen - und jetzt , da ich dasselbe von Ihnen höre , berührt es mich doch unangenehm ... Aber seien Sie versichert , daß ich wahrlich nicht Ihnen , daß ich einzig und allein mir zürne , und zwar deshalb zürne , weil mich ein in so freundlicher Absicht ertheilter Wink auch nur einen Augenblick stutzig machen konnte . Ich war gewiß , sagte der Doctor , daß ich es mit einem Manne zu thun hatte , der die Spreu vom Weizen zu sondern weiß ; wäre ich das nicht gewesen , seien Sie überzeugt , ich hätte geschwiegen . Wiederum trat eine Pause in dem Gespräch der jungen Männer ein ; der Doctor bereute im Stillen , daß ihm seine Gutmüthigkeit , wie schon so oft , das undankbare Geschäft des ungebetenen Rathgebers aufgenöthigt hatte ; Oswald verfolgte den in ihm angeregten Gedanken und schien ganz vergessen zu haben , daß die hohen Stämme der Tannen sehr schnell an ihm vorüberglitten und die raschen Pferde des Doctors den Weg zwischen Grenwitz und Berkow fast schon zurückgelegt hatten . Er fuhr erschrocken in die Höhe , als er rechts vom Wege durch die Zweige ein Licht schimmern sah . Er wußte , es kam aus dem Fenster der Försterwohnung von Berkow . Auf der entgegengesetzten Seite führte ein schmaler Pfad zu der Lichtung im Walde , auf der Melitta ' s Eremitage stand . An derselben Stelle des Weges , an der sie eben jetzt anlangten , hatte ihn gestern der Wagen des Barons erwartet . Bitte , lassen Sie hier halten , sagte er hastig zum Doctor . Ich sehe zu meinem Schrecken , daß wir beinahe bis Berkow gekommen sind . Es ist die höchste Zeit , daß ich zurückkehre . Der Wagen hielt ; Oswald stieg aus . Ich hoffe , sagte er , dem Doctor die Hand reichend , daß dies nicht die einzige und nicht die längste Strecke gewesen ist , die wir auf unserem Lebenswege zusammen fahren oder gehen werden . Ich hoffe und wünsche dasselbe , antwortete der Andere , es scheint mir , als ob wir in unserm Denken und Fühlen manches Gemeinsame haben , und einer wahlverwandten Natur zu begegnen , ist ein viel zu kostbares Glück , als daß man es leicht verscherzen dürfte . Jedenfalls komme ich bald wieder in diese Gegend . Leben Sie wohl indessen . Der Wagen rollte davon , bald verhallte der Hufschlag in der Ferne ; das Licht in der Försterwohnung erlosch - Oswald war allein mit der Nacht und dem Schweigen . Und alsbald trat das Bild Melitta ' s vor seine Seele und glitt vor ihm her den schmalen Waldpfad entlang , auf dem er jetzt heimlich und leise , wie ein Wilddieb , hinschritt . Da trat er hinaus auf die Lichtung , und blieb erschrocken , wie wenn ein Blitz an seiner Seite eingeschlagen hätte , stehen - aus dem Fenster der Eremitage schimmerte Licht ! Melitta , die er auf dem Schlosse glaubte , war hier , hier - fünfzig Schritte von ihm entfernt - er brauchte nur über den Wiesenteppich zu gehen und die paar Stufen der Treppe zu ersteigen - - die Thür zu öffnen - Oswald lehnte an dem Stamm der Buche , sein wild schlagendes Herz ein wenig zu beruhigen . Und wenn ihn hier Jemand sähe , wenn er Melitta ' s Ruf leichtsinnig auf ' s Spiel setzte ! Athemlos horchte er in die dunkle Nacht hinein . Nichts vernahm er , als die wunderlichen geheimnißvollen Stimmen , die man am Tage niemals hört , und die mit der Nacht geboren werden : ein Raunen und Flüstern oben in den Zweigen , ein Rascheln und Knistern in dem trocknen Laub am Boden - das dumpfe Gebell eines Hundes drüben aus dem nahen Dorfe . Ein Nachtaar kam auf seinem wirren Fluge bis dicht an sein Gesicht geflattert und schoß dann wieder davon . Sonst rings umher tiefe drückende Stille . Da schlug ein dumpfer , drohender Laut an sein Ohr . Er kam aus der breiten Brust von Melitta ' s Dogge , die vor dem Eingange der Eremitage Wache hielt . Der treue Wächter mußte die Nähe eines Fremden gespürt haben , denn er erhob sich , sprang die Treppe hinab und umkreiste das Haus , wie ein Schäferhund seine Hürde . Bonceur , rief Oswald leise , als das Thier in seine Nähe kam , ici ! Das kluge Thier stutzte bei dem wohlbekannten Ruf , den es so oft aus seiner Herrin Munde vernommen , und kam , Oswald erkennend , in raschen Sprüngen auf ihn zu , und legte ihm als Willkomm die mächtigen Tatzen auf Brust und Schulter . So , sagte Oswald , das schöne Thier streichelnd : so , Bonceur , Du erlaubst also , daß ich zu Deiner Herrin gehe ? Komm ? Den Hund an den zottigen , langen Haaren festhaltend , schritt Oswald über die Wiese . Auf der Treppe übertönten die Tatzen Bonceurs den leichten Schritt Oswald ' s ; so schlich er sich auf der Galerie , die sich um das Häuschen zog , hin , bis er an das Fenster kam . Das Fenster stand auf , durch den venetianischen Epheu hindurch , mit dem es dicht berankt war , sah Oswald hinein in das Zimmer . Auf dem Tisch brannte eine Lampe , deren Glocke mit einem rothen Schleier bedeckt war , so daß der Venus heiliges Bild in dem warmen Licht wie lebend erschien . Zu den Füßen des Bildes saß Melitta , Oswald halb das Gesicht zukehrend an dem Tische . Sie hatte ein Buch vor sich aufgeschlagen , aber offenbar las sie nicht ; die feine Hand , auf die sie den Kopf stützte , in dem dunklen reichen Haar begraben