nicht ein . « Der Graf , der mit seiner prinzipienlosen Oberflächlichkeit immer nach der Laune des Augenblickes oder nach persönlichem Wohlgefallen oder Mißfallen urteilte , war höchst verdrießlich , eine Erörterung hervorgerufen zu haben , die ihn langweilte und die Regina ernsthaft nehmen wollte . » Welche Torheit , Regina ! welcher Professorenton , Uriel ! « rief er unmutig . » Ich spreche von dem Bankier Miranes , den sein kolossaler Reichtum und seine schöne Tochter salonfähig macht , und davon nimmt Uriel Veranlassung , sich auf den Katheder zu schwingen und gegen das Weltverderbnis Moralpredigten zu halten , und Regina glaubt ihm plötzlich , wie einem Evangelisten . « » Ich habe Uriels Wahrhaftigkeit nie bezweifelt , « sagte Regina , » und da ich weiß , daß der Mensch ein gefallener Geist ist , so leuchtet es mir sehr ein , was Uriel eben sagte , daß nämlich in einer Welt , die von Christus nichts wissen will , Götzen herrschen müssen , die man nicht anbeten darf . « » Kind , nimm die Dinge nicht so langweilig gründlich ! « sagte der Graf immer verdrießlicher . » Du wirst die Gesellschaft doch nicht reformieren . Der Salon ist keine Kirche und soll keine sein ; und wie die Menschen im Salon beschaffen sind - das geht Dich ebenso wenig an , als wie sie auf der Straße beschaffen sind . Du sollst mit ihnen sprechen und tanzen : - basta . « » Ich glaube gar nicht , daß Du viel von meiner Wahrhaftigkeit hältst , Regina , « unterbrach Uriel die Strafrede ; » denn wenn ich sage : nimm Deinen Rosenstrauß wieder in die Hand , dann siehst Du aus wie die Aurora von Guido Reni - wirst Du mir glauben ? « » Ich werde glauben , « antwortete sie lächelnd , » daß Du wahrhaft in das Antichristentum , wie Du es charakterisiert hast , verfallen bist . « » Sieh , Regina , « sagte der Graf freundlich , » so ist es recht . So mußt Du sprechen , so mußt Du antworten . Glatt wie ein Aal , munter wie eine Lerche , das ist charmant und ist eine gute Ballstimmung . « Die Schule , welche Regina bei ihrem Vater durchmachen mußte , war ihr eine Vorübung für das Leben in der Gesellschaft : dort wie hier eine beständige Selbstverleugnung ihrer tiefsten Neigungen . - Man war gespannt , Regina auf einem Ball zu sehen . Nicht bloß die junge Männerwelt ; das versteht sich von selbst ! auch die Frauen waren wenigstens neugierig . Der Ruf ihrer Schönheit brachte das mit sich . Aber sie war von einer so seelenvollen Schönheit und dabei so einfach und unbefangen , so ganz ohne Ansprüche , daß ihre Liebenswürdigkeit gleichsam ihre Schönheit in Schatten stellte . » Sie sieht gar nicht interessant aus , « sagte ein junger Mann , dem die Überzeugung aus den Augen schaute , daß er selbst mit seinen dunkeln Locken und seinem marmorfarbenen Antlitz interessant aussehe wie Lord Byrons » Corsar « . » Sie sieht aus wie ein harmloses Kind , « sagte ein anderer , ein großer Herzenseroberer ; und erwog bei sich selbst , ob es der Mühe wert sei , diese Eroberung zu versuchen . » Sie sieht aus wie die persische Anahid , « sagte ein Dritter , ein ungemein belesener Jüngling . Da natürlich kein Mensch wußte , wer die persische Anahid sei , so setzte er zur Erklärung hinzu : Ihre Schönheit zog zwei Engel vom Himmel herab , die ihr von Liebe sprachen . Aber Anahid hörte nicht darauf , sondern ließ sich von den Engeln das geheimnisvolle Wort nennen , das in den Himmel zurückführte . Und als die Engel es genannt hatten , sprach Anahid es aus , schwebte vor ihren Augen in den Himmel hinein und wurde in den Morgenstern versetzt , während die Engel mit goldenen Ketten an den Füßen in einem Brunnen zu Bagdad aufgehängt wurden bis zum jüngsten Tage . « » Was die alten Chinesen sich doch für Unsinn ausdachten , « sagte ein Vierter , der einzige , welcher die Anahids-Sage zu Ende gehört hatte , dessen Kenntnis vom Orient sich aber auf China beschränkte , wegen des Opiumkrieges und des chinesischen Tees . Der belesene Jüngling war so betreten über diese Bemerkung seines einzigen Zuhörers , daß er sich mit kalter Verachtung von ihm wegwendete . Wie würde er triumphiert haben , wenn er gewußt hätte , daß wirklich etwas von Anahids Himmelssehnsucht in Regina sei ! - Ein Fünfter hatte inzwischen bedachtsam geäußert : » Wenn sie auf der Goldwage der Schönheit nicht besteht , so ist es mit dem Vermögen auch nicht anders . Es soll alles zum Majorat gehören . « » Ist nicht wahrscheinlich ! Graf Windeck ist ein sehr guter Wirt , und hat gewiß gesorgt für seine Töchter . « » Ja , in der Weise , daß er sie beide mit seinen Neffen verheiratet . « » Und dann ist ja auch noch eine steinreiche Großmama in irgend einem alten Schlosse des Odenwaldes vorhanden , die freilich in zweiter Ehe vermählt , aber kinderlos ist . « » Welch eine gründliche Kenntnis der Windecker Vermögensverhältnisse ! « » Tritt man die Winterkampagne eines Karnevals an , « lautete die Antwort , » so muß man sich gehörig orientieren , um nicht falscher Fährte zu folgen . Zuweilen sind die Aushängeschilder ungeheuer prahlend und doch steckt nichts Solides und Reelles dahinter . Wo es Majorate gibt , steht ' s nie brillant mit den Töchtern ; es sei denn , daß die Mutter eine Erbtochter oder sonst sehr reich sei , was aber hier nicht der Fall war . « » Nun und die schöne spanische Donna , die eben jetzt neben der Gräfin Windeck steht , wie die Sternennacht neben dem Frühlingstag , um mich poetisch auszudrücken , bauen