Venedig , wo er Elisabeth Behaim kennen lernte und mit leidenschaftlicher Gluth sich an sie hing . Er erkannte ihren sittlichen Werth hinlänglich , um zu wissen , daß sie allen Verführungskünsten eines Mannes widerstehen werde , auf dessen Herz ein anderes Wesen frühere Rechte habe , und so verleugnete er dieses . Ja , als er sich mit Elisabeth verlobte , leitete ihn vielleicht auch die Hoffnung , seine verlassen hinsiechende Gattin könne sterben , oder der einmal begonnene Betrug sich weiter fortsetzen lassen . So verbrachte er ein Jahr fern von Elisabeth und der Heimath , bis ihn seine Leidenschaft in die Nähe Nürnbergs trieb und er nur daran dachte , Elisabeth an sich zu reißen , zu entführen , gleichviel was daraus entstehe . Da ward sein Plan vernichtet , ohne daß er sie wiedergesehen . So verließ er auf ' s Neue die unglückliche Gattin und zog weit fort in ' s heilige Land , um sich bei minder zurückhaltenden Schönen für Elisabeth ' s Verlust zu trösten . Dennoch konnte er sie nie ganz vergessen , eben weil er sie nie besaß . Als er darum mit Weyspriach aus Palästina zurückgekehrt erfuhr , daß König Max nach Nürnberg komme , schloß er sich dem Gefolge des Markgrafen Friedrich von Brandenburg an . Er durfte Elisabeth nun wiedersehen in ihrer ganzen Schönheit , die , wenn er sie mit ihrer jugendlicheren Erscheinung von einst verglich , nur die Veränderung erfahren , daß sie eine üppig blühendere geworden war , und daß an die Stelle einer schwärmerischen Sinnigkeit in ihrem Angesicht der Stempel stolzen Selbstbewußtseins und geistiger Hoheit getreten , um an sich zu erfahren , daß sie den ganzen alten Zauberbann auf ihn übe . Um so mehr verdroß es ihn , daß sie sein Vorbeireiten unter ihrem Chörlein gar nicht bemerkte , und da er auch inzwischen nicht erfahren , was aus ihr geworden , so wendete er sich mit der Frage danach an Markgraf Friedrich , und war frech genug , wie er von ihrer Verheirathung hörte , sich zu rühmen , daß er einst ihre Gunst besessen . Auf der Hallerwiese wollte er die frühern Rechte auf sie geltend machen , dachte er durch die Sprache seiner Leidenschaft Versöhnung und Erhörung zu finden ; denn er meinte , Elisabeth habe indeß wohl genug das Leben kennen gelernt , um überspannten Begriffen von Liebe , Pflicht und Treue entsagt zu haben , um so mehr , als er erfuhr , daß sie dem ältern Gatten wohl nur aus kindlichem Gehorsam oder seines Reichthums und Ansehens wegen ihre Hand gegeben - ja sein Egoismus zog daraus den für sich günstigen Schluß , daß sie wie ihn wohl nie wieder geliebt , und er sich darum nur zu zeigen brauche , um die alten Gefühle wieder zu erwecken . Da nahm dies erste Wiedersehen für ihn einen so schimpflichen Ausgang . Nun lechzte die entflammte Leidenschaft nach einer Gewaltthat und nach Rache an den Baubrüdern . Unbeachtet von Allen war Rachel , mit gegenwärtig in einem Winkel an der Thür kauernd , scheinbar vor Müdigkeit eingeschlafen , als ihr Vater , Jacobea und der Ritter von Streitberg den Plan zur Entführung Elisabeth ' s entwarfen . Daran knüpfte sich die andere Frage , wie die Baubrüder zu bestrafen , wie sie es empfinden sollten , daß ein Ritter nicht ungerächt sich beleidigen lasse . Der Adel , der durchaus keinen Kunstsinn besaß und überhaupt keiner Begeisterung für das Ideal fähig war und jedes höheren Aufschwunges baar , der über die einseitigen Begriffe von Ritterehre und Standeswürde hinausreichte , mit der es sich ganz wohl vertrug , fleißige Bürger zu berauben und ehrsame Frauen zu entführen , wenn es nur mit der nöthigen Frechheit , welche man Kühnheit nannte , geschah - dieser Adel haßte die Baubrüderschaften oder verachtete sie doch , wie er Alles verachtete , was nicht vor der feudalen Herrlichkeit sich beugte . Dieser Adel war bei seinen Bauten mehr auf sicheres und festes Wohnen als auf Schönheit bedacht . Vorüber war auch bei ihm jener fromme und gläubige Sinn , der in früheren Zeiten wohl Fürsten und Herren vermocht hatte , bei einer gelungenen Unternehmung Kirchen oder Kapellen oder Klöster zu stiften , vorüber die ganze religiöse Begeisterung , die in den Kreuzzügen und unzähligen Gelübden zu kirchlichen Zwecken sich offenbarte : das alte , zu seiner Zeit edle und begeisterte Ritterthum war im Absterben und hatte nur einer Art von Raufboldthum und beispielloser Verwilderung der Sitten Platz gemacht . Im Gegensatz dazu war das Bürgerthum in würdiger Haltung , besonders in den freien Reichsstädten emporgeblüht , und man setzte in ihm , besonders in Nürnberg eine Ehre darein , die Kunst zu pflegen und zu beschützen . Es war vielmehr Begeisterung für die Kunst an sich , wenn man will , auch Ehren- und Modesache , daß die Nürnberger Patrizier förmlich mit einander wetteiferten , Stiftungen , wenn nicht zu neuen Kirchen selbst , doch zu den Verschönerungen der alten zu machen . Der Adel blickte verächtlich auf dies schöne Kunststreben , und wenn König Max in vielen Beziehungen als ritterlicher Held ihren Hoffnungen gerecht war , so war ihnen doch sein Sinn für Kunst und Wissenschaft eine sehr überflüssige Beigabe . Daß er selbst freier Maurer geworden und mit den Baubrüdern als mit Seinesgleichen verkehrte , konnten sie ihm vollends nicht vergeben . Wäre dies nicht der Fall gewesen , so hätten sie wohl versuchen mögen , die Genossenschaft freier Maurer , die sich nach eigenen Gesetzen regieren durfte , als eine gemeinschädliche Verbindung zu verdächtigen ; aber so wie die Sachen standen , konnten sie nur versuchen , sich an dem Einzelnen zu rächen . - » Laßt uns nur machen , « sagte Jacobea und nickte dem Juden zu , da diese Frage aufgeworfen ward . » Ich weiß , daß die Steinmetzen sehr streng auf ehrliches Herkommen und auf sittenreinen Wandel halten , strenger als Mönche und Geistliche