und sie achtete nicht darauf . Ich aber kam in jenen Tagen , wenn mir einfiel , daß meine Schwester einmal einen Gatten haben werde , immer auf den nämlichen Gedanken , daß dies kein anderer Mann sein könne , als der so wäre wie der Vater . Auch mich zogen diese jungen Männer und andere , die nicht eben der Schwester willen in das Haus kamen , öfter in ihre Gespräche , sie erzählten mir von ihren Ansichten , Bestrebungen , Unterhaltungen , und manche vertrauten mir Dinge , welche sie in ihrem geheimen Inneren dachten . So sagte mir einmal einer , namens Preborn , welcher der Sohn eines alten Mannes war , der ein hohes Amt am Hofe bekleidete , und öfter in unser Haus kam , die junge Tarona sei die größte Schönheit der Stadt , sie habe einen Wuchs , wie ihn niemand von der halben Million der Einwohner der Stadt habe , wie ihn nie irgend jemand gehabt habe , und wie ihn keine Künstler alter und neuer Zeit darstellen könnten . Augen habe sie , welche Kiesel in Wachs verwandeln und Diamanten schmelzen könnten . Er liebe sie mit solcher Heftigkeit , daß er manche Nacht ohne Schlaf auf seinem Lager liege oder in seiner Stube herum wandle . Sie lebe nicht hier , komme aber öfter in die Stadt , er werde sie mir zeigen , und ich müsse ihm als Freund in seiner Lage beistehen . Ich dachte , daß vieles in diesen Worten nicht Ernst sein könne . Wenn er das Mädchen so sehr liebe , so hätte er es mir oder einem andern gar nicht sagen sollen , auch wenn wir Freunde gewesen wären . Freunde waren wir aber nicht , wenn man das Wort in der eigentlichen Bedeutung nimmt , wir waren es nur , wie man es in der Stadt mit einer Redeweise von Leuten nennt , die einander sehr bekannt sind und mit einander öfter umgehen . Und endlich konnte er ja keinen Beistand von mir erwarten , der ich in der Art mit Menschen umzugehen nicht sehr bewandert war und in dieser Hinsicht weit unter ihm selber stand . Ich besuchte zuweilen auch den einen oder den anderen dieser jungen Leute außer der Zeit , in der wir in Begleitung unserer Eltern zusammenkamen , und da war ebenfalls öfter von Mädchen die Rede . Sie sagten , wie sie diese oder jene lieben , sich vergeblich nach ihr sehnen , oder von ihr Zeichen der Gegenneigung erhalten hätten . Ich dachte , das sollten sie nicht sagen ; und wenn sie eine mutwillige Bemerkung über die Gestalt oder das Benehmen eines Mädchens ausdrückten , so errötete ich , und es war mir , als wäre meine Schwester beleidigt worden . Ich ging nun öfter in die Stadt und betrachtete aufmerksamer den alten Bau unseres Erzdomes . Seit ich die Zeichnungen von Bauwerken in dem Rosenhause so genau und in solcher Menge angesehen hatte , waren mir die Bauwerke nicht mehr so fremd wie früher . Ich sah sie gerne an , ob sie irgend etwas Ähnliches mit den Gegenständen hätten , die ich in den Zeichnungen gesehen hatte . Auf meiner Reise von dem Rosenhause in das Gebirgstal , in welchem ich mich später aufgehalten hatte , und von diesem Gebirgstale bis zu dem Schiffe , das mich zur Heimreise aufnehmen sollte , war mir nichts besonders Betrachtenswertes vorgekommen . Nur einige Wegsäulen sehr alter Art erinnerten an die reinen und anspruchlosen Gestalten , wie ich sie bei dem Meister auf dem reinen Papier mit reinen Linien gesehen hatte . Aber in der Nische der einen Wegsäule war statt des Standbildes , das einst darinnen gewesen war , und auf welches der Sockel noch hinwies , ein neues Gemälde mit bunten Farben getan worden , in der anderen fehlte jede Gestalt . Auf meiner Stromesfahrt kam ich wohl an Kirchen und Burgen vorüber , die der Beachtung wert sein mochten , aber mein Zweck führte mich in dem Schiffe weiter . An dem Erzdome sah ich beinahe alle Gestalten von Verzierungen , Simsen , Bögen , Säulen und größeren Teilwerken , wie ich sie auf dem Papier im Rosenhause gesehen hatte . Es ergötzte mich , in meiner Erinnerung diese Gestalten mit den gesehenen zu vergleichen und sie gegenseitig abzuschätzen . Auch in Beziehung der Edelsteine fiel mir das ein , was der alte Mann in dem Rosenhause über die Fassung derselben gesagt hatte . Es gab Gelegenheit genug , gefaßte Edelsteine zu sehen . In unzähligen Schaufenstern der Stadt liegen Schmuckwerke zur Ansicht und zur Verlockung zum Kaufe aus . Ich betrachtete sie überall , wo sie mir auf meinem Wege aufstießen , und ich mußte denken , daß der alte Mann recht habe . Wenn ich mir die Zeichnungen von Kreuzen , Rosen , Sternen , Nischen und dergleichen Dingen an mittelalterlichen Baugegenständen , wie ich sie im Rosenhause gesehen hatte , vergegenwärtigte , so waren sie viel leichter , zarter und , ich möchte den Ausdruck gebrauchen , inniger als diese Sachen hier , und waren doch nur Teile von Bauwerken , während diese Schmuck sein sollten . Mir kam wirklich vor , daß sie , wie er gesagt hatte , unbeholfen in Gold und unbeholfen in den Edelsteinen seien . Nur bei einigen Verkaufsorten , die als die vorzüglichsten galten , fand ich eine Ausnahme . Ich sah , daß dort die Fassungen sehr einfach waren , ja daß man , wenn die Edelsteine einmal eine größere Gestalt und einen höheren Wert annahmen , schier gar keine Fassung mehr machte , sondern nur so viel von Gold oder kleinen Diamanten anwendete , als unumgänglich nötig schien , die Dinge nehmen und an dem menschlichen Körper befestigen zu können . Mir schien dieses schon besser , weil hier die Edelsteine allein den Wert und die Schönheit darstellen sollten . Ich dachte aber in meinem Herzen , daß die Edelsteine , wie schön