sich bedeckt , es ruhte eine düstere und doch weiche Stimmung auf der Landschaft , das Schießen und Trommeln aus der Ferne hob noch die tiefe Stille der unmittelbaren Nähe , ich stand still und lehnte mich ausruhend auf das Gewehr , indem ich einer halb weinerlichen , halb trotzigen Laune anheimfiel , welche mich öfter beschlichen hat gegenüber der großen Natur und welche der Bedrängten Frage nach Glück ist . Da hörte ich Schritte in der Nähe , und auf dem schmalen Felspfade , in der tiefen Einsamkeit , kam mein Feind daher , das Herz klopfte mir heftig , er sah mich stechend an und sandte mir gleich darauf einen Schuß entgegen , so nah , daß mir einige Pulverkörner ins Gesicht fuhren . Ich stand unbeweglich und starrte ihn an ; hastig lud er sein Gewehr wieder , ich sah ihm immer zu , dies verwirrte ihn und machte ihn wütend , und in unsäglicher Verblendung der Gescheitheit , der vermeintlichen Dummheit und Gutmütigkeit mitten ins Gesicht zu schießen , wollte er in dichter Nähe eben wieder anlegen , als ich , meine Waffe wegwerfend , auf ihn losfuhr und ihm die seinige entwand . Sogleich waren wir ineinander verschlungen , und nun rangen wir eine volle halbe Stunde miteinander , stumm und erbittert , mit abwechselndem Glücke . Er war behend wie eine Katze , wandte hundert Mittel an , um mich zu Falle zu bringen , stellte mir das Bein , drückte mich mit dem Dom hinter den Ohren , schlug mir an die Schläfe und biß mich in die Hand , und ich wäre zehnmal unterlegen , wenn mich nicht eine stille Wut beseelt hätte , daß ich aushielt . Mit tödlicher Ruhe klammerte ich mich an ihn , schlug ihm gelegentlich die Faust ins Gesicht , Tränen in den Augen , und empfand dabei ein wildes Weh , welches ich sicher bin , niemals tiefer zu empfinden , ich mag noch so alt werden und das Schlimmste erleben . Endlich glitten wir aus auf den glatten Nadeln , welche den Boden bedeckten , er fiel unter mich und schlug das Hinterhaupt dermaßen wider eine Fichtenwurzel , daß er für einen Augenblick gelähmt wurde und seine Hände sich öffneten . Sogleich sprang ich unwillkürlich auf , er tat das gleiche ; ohne uns anzusehen , ergriff jeder sein Gewehr und verließ den unheimlichen Ort . Ich fühlte mich an allen Gliedern erschöpft , erniedrigt und meinen Leib entweiht durch dieses feindliche Ringen mit einem ehemaligen Freunde . Die künstliche Verlängerung des menschlichen Armes durch eiserne Waffen ist gewiß die Hauptursache der unaustilgbaren Streitsucht ; denn wenn die Männer sich von Hand zu Hand angreifen müßten , so würden sie ohne Zweifel die wilde Bestialität , nicht maskiert durch den kalten Stahl , eher innewerden und das öftere Zusammentreffen scheuen . Von dieser Zeit an trafen wir nie wieder zusammen ; er mochte aus meiner verzweifelten Entschlossenheit herausgefühlt haben , daß er im ganzen doch an den Unrechten gerate , und vermied jetzt jede Reibung . Aber der Streit war unentschieden geblieben , und unsere Feindschaft dauerte fort , ja sie nahm zu an innerer Kraft , während wir uns in den Jahren , die vergingen , nur selten sahen . Jedes Mal aber reichte hin , den begrabenen Haß aufs neue zu wecken . Wenn ich ihn sah , so war mir seine Erscheinung , abgesehen von der Ursache unserer Entzweiung , an sich selbst unerträglich , vertilgungswürdig ; ich empfand keine Spur von der milden Wehmut , welche sich sonst beim Anblicke eines verfeindeten Freundes mit dem Unwillen vermischt ; ich fühlte den reinen Haß und daß , wie sonst Jugendfreunde für das ganze Leben , auch bei getrennten Verhältnissen , eine Zuneigung bewahren , dieser im gleichen Sinne der Dauer mein Jugendfeind sein würde . Ganz die gleichen Empfindungen mochte er bei meinem Anblicke erfahren , wozu noch der Umstand kam , daß die engere Veranlassung unserer Feindschaft , die Geschichte des Schuldbuches , für ihn an sich selbst unvergeßlich sein mußte . Er war unterdessen in ein Comptoir getreten , hatte seine eigentümlichen Fähigkeiten fort und fort ausgebildet , bewies sich als sehr brauchbar , klug und vielversprechend und erwarb sich die Neigung seines Vorgesetzten , eines schlauen und gewandten Geschäftsmannes ; kurz , er fühlte sich glücklich und sah voll Hoffnung auf sein zukünftiges Selbstwirken . So kann ich mir gar wohl denken , daß die arge Enttäuschung , welche sein erster jugendlicher Versuch , ein Geschäft zu machen , erfuhr , für ihn ebenso nachhaltig schmerzlich sein mußte als einer kindlichen Dichter- oder Künstlernatur der erste verneinende Hohn , welcher ihren naiven und harmlosen Versuchen zuteil wird . Wir waren schon konfirmiert , er etwa achtzehn , ich siebzehn Jahre alt , wir begannen uns selbständiger zu bewegen und lernten nun Verhältnisse und Menschen kennen . Wenn wir an öffentlichen Orten zusammentrafen , so vermieden wir , uns anzusehen , aber jeder weihte seine Freunde in seinen Haß ein , welcher manchmal um so gefährlicher zu wirken und auszubrechen drohte , als nun ein jeder mit solchen jungen Leuten umging , die seiner Beschäftigung und seinem Wesen entsprachen und also einen empfänglichen Boden für eine weiterzündende Feindschaft bildeten . Deswegen dachte ich mit Sorge an die Zukunft und wie das denn nun das ganze Leben hindurch in der kleinen beschränkten Stadt gehen sollte ? Allein , diese Sorge war unnütz , indem ein trauriger Fall ein frühes Ende herbeiführte . Der Vater meines Widersachers hatte ein altes wunderliches Gebäude gekauft , welches früher eine städtische Ritterwohnung gewesen und mit einem starken Turme versehen war . Dies Gebäude wurde nun wohnlich eingerichtet und in allen Winkeln mit Veränderungen heimgesucht . Für den Sohn war dies eine goldene Zeit , da nicht nur das Unternehmen überhaupt eine Spekulation war , sondern es auch eine Menge Geschicklichkeiten und Selbsthilfe an den Tag zu legen gab . Jede Minute , die er frei