Paten . Daß bei Vreneli nicht Eifersucht im Spiel war , hätte er daraus sehen können , daß Vreneli darüber nicht wüst tat , nicht schmollte . Billig und recht wäre es eigentlich , daß eine Mutter , welche das Kind geboren , in derlei Dingen das erste Wort haben sollte , aber wenn er es erzwingen wolle , nun so dann in Gottes Namen , so solle er es . Er werde die Leute schon kennen lernen , nur dauern tue es ihns , daß das arme Bubi zwei solche Paten haben müsse , von denen es einst denken werde , wenn es nur niemand wüßte , daß sie ihm zu Gevatter gestanden . Die kindliche Freude an Ehrenhäuptern , welche man zu Paten habe , sei doch so schön und eine gar mächtige Kraft in kindlichen Gemütern . Aber in Gottes Namen , die Base habe gesagt , man solle nichts erzwingen , sondern denken , was geschehe , sei sicher gut für etwas , und wenn man es recht nehme , diene es zum Besten . Dabei mußte es aber an den Hagelhans im Blitzloch denken und fragen : Es nehme ihns nur wunder , was da Gutes herauskommen werde , daß er des Mädchens Götti sei , derselbe hätte nichts von sich hören lassen . Aber strenge sei es doch , dachte das Weibchen , daß es an keiner Gevatterschaft so eine rechte , vollständige Freude haben solle . Am Tauftage selbst hätte man von dieser Stimmung nichts bemerkt , denn kreuzlustig war die Gesellschaft und kurz , weiliger hätte es nicht zugehen können . Die Drucke , worin die Schnurren und lächerlichen Erzählungen aufbewahrt liegen im Gedächtnis der Menschen , war aufgesprungen . Erzählungen , eine lustiger als die andere , jagten sich ; Joggeli lachte laut auf und die Base fuhr ein über das andere Mal mit der dicken Hand über die Augen , wischte die Tränen aus , welche das Lachen hineingetrieben , und bat um Gottes willen , man solle doch aufhören , es versprenge sie sonst . Mit diesen Drucken ists wunderlich , denn es gibt deren mehrere in der Schatzkammer der Seele ; da ist zum Beispiel die Liederdrucke , die Gespensterdrucke , die Krankheitsdrucke , die Liebesdrucke und die große Grümpel- oder Plauderdrucke . Diese letztere ist immer bei der Hand , offen fast Tag und Nacht , ohne Boden wie der Himmel , und enthält alles , was wir vom Nächsten gesehen , gehört , gerochen , geschmeckt , gefühlt , gedacht , gemeint , vermutet und geglaubt haben . In dieser kramt man beständig herum , gibt auf die freigebigste Weise zum Besten , was man in die Hände kriegt . Die andern Drucken dagegen liegen verwahrt und verschlossen , man merkt ihr Dasein oft die längste Zeit nicht . Dann , wie von einem Zauberstäbchen berührt , springt die eine der Drucken bei einem Menschen plötzlich auf , und hervor quillt der Inhalt , und allgemach gehen bei allen Anwesenden die gleichnamigen verschlossenen Drucken auf ; ihr Inhalt quillt herauf , mischt sich mit dem Strome der Andern . Und wo dieses Quellen mal begonnen , ist es schwer zu stillen ; mit schwerem Seufzen schließen diese Drucken sich wieder , denn groß war die Wonne , solang die Quellen rannen , es war wie ein Säuseln aus der Ewigkeit , in welchem die rinnende Zeit , die ganze Gegenwart vergessen wird , und je schauerlicher der Inhalt der Drucken ist , desto größer die Wonne , desto mächtiger , er , greifender das Säuseln aus einer andern Welt . Es war aber sonderbar , bei Vreneli wollte die Drucke mit den lustigen Geschichten nicht aufspringen , obgleich es auch eine hatte und zwar eine große und wohlgefüllte . Wenn den Andern die Lachtränen die Augen füllten , waren die seinigen auch voll , aber eine unerklärliche Wehmut hatte sie heraufgetrieben , und wenn die Base bat , man möchte um Gottes willen schweigen , das Lachen versprenge sie sonst , hätte es auch so bitten mögen , aber aus dem entgegengesetzten Grunde . Die Wehmut stieg ihm auf , es wußte nicht woher , warum . Als sie da war , machte es entsprechende Gedanken hinein , wie ein Lehrer Buchstaben oder Zahlen auf eine schwarze Tafel oder eine Dame Menschen , Vieh und sonst allerlei auf sogenanntes Beuteltuch , ein gelöchert Zeug , welches vornehme und andere Damen mit schönen Dingen flicken . Nicht unkommod wäre es für manchen Mann , wenn seine gelöcherten Strümpfe zuweilen geflickt würden und nicht einmal mit schönen Dingen , sondern mit simplem Baumwollengarn oder ebenso simplem flächsernem Faden . So machte Vreneli sich auch Gedanken und dachte : Es sei doch eigentlich nicht recht , an einem Taufrage so liederlich und lustig zu sein , das sei keine Weise für ein christlich Kind zu einem christlichen Leben . Wenn das lustige Leben dem Kinde nur nicht angetan werde , daß es auch meine , es müsse sein Lebtag so zugehen in Saus und Braus , in Lust und Lachen . Vreneli war himmelweit von einer Kopfhängerin , aber Vreneli war ein Weib , welches was auf Ahnungen hielt und meinte , man könnte sich versündigen , dieses oder jenes könnte einem nachgehen und die Sünden der Eltern kämen bis in das zweite und dritte Geschlecht . Es war weit entfernt zu glauben , man sollte an einem Tauftage nicht fröhlich sein , nicht was Gutes essen und trinken , aber doch alles so in einer ehrbaren Gsatzlichkeit , so daß man der ganzen Gesellschaft es ansehe , daß sie Christen seien und zur Ehre Gottes gleichsam essen und trinken täten und nicht so wie eine liederliche Wirtshausgesellschaft , welche keinen andern Zweck hat , als sich lustig zu machen . Es wußte der Sache eigentlich keinen rechten Namen zu geben , und es wäre in große Verlegenheit gekommen , wenn es hätte beschreiben sollen , was ihm nicht