vollendet war , fragte sie nach Lydia , ob sie noch lebe , und nach Salvador . - Als ich den Stich in den Kopf bekam - erzählte mit schwacher Stimme und in langen Pausen der Arbeiter - sank ich nieder und sah nur noch , daß ein Herr in Generals-Uniform an der Seite Ihrer Freundin stand . - Allerlei Vermuthungen gingen Alice durch den Sinn . Sie dachte an Lichninski , aber das war unmöglich - - an den Prinzen A. - dem Himmel sei Dank - dann war noch Hoffnung vorhanden . Rasch holte sie einige Betten herbei - bedeckte den Verwundeten damit und verließ ihn mit dem Versprechen , gleich einen Arzt zu senden . XIV Lange hatte Lydia in ihrer Betäubung gelegen . Als sie wieder erwachte , saß neben ihr der Prinz . -- Jetzt wird uns Niemand mehr trennen , Therese - sagte dieser , ihre Hand an die Lippen drückend . Lydia sah mit scheuen Blicken umher ; - laß uns fort von hier , Arthur - bat sie , - die Stürmer könnten wieder aufmachen - - - Die Rechte auf den Arm des Prinzen , die Linke auf die Schulter Salvadors gestützt , verließ sie das Haus des Schreckens . Der Weg bis zum Hotel des Prinzen war nicht weit , und wenig besetzt . Dennoch brauchten sie fast eine Stunde , ehe sie es erreichten . Der Prinz führte Lydia nach seinem Lieblingsaufenthalt , dem Gewächshause . Salvador hatte sich , betäubt durch die verschiedenen Eindrücke , welche er im Laufe des Tages empfangen , in das kleine Vorzimmer in eine Ecke gekauert und war bald in tiefen Schlaf gesunken . Lydia glaubte in einen Feenpallast zu treten . Durch das schräge gläserne Dach strömte das blinkende Mondlicht mit zauberhaftem Glanze hernieder . Eine feuchtwarme Atmosphäre , gewürzt mit dem Wollustathem von unzähligen exotischen Blumen umfing die Eintretenden . Tausend blinkende Tropfen funkelten auf den vielgefalteten Blättern der Gewächse , das dunkle Grün war von dem Glanz des Mondes mit silbernem Hauch übergossen . Lydia , durch diesen Anblick übermannt , vergaß die peinlichen und schrecklichen Eindrücke , die noch vor wenigen Augenblicken ihre ganze Seele mit ahnungsvollem Schmerz erfüllten , und gab sich ganz dem Genusse der Gegenwart hin . Sie hatte sich auf den Divan hingestreckt ; der Prinz saß auf einem niedrigen Tabouret neben ihrem Lager , mit begeisterten Blicken auf ihr kindlich reines , entzücktes Antlitz schauend . Keins von Beiden sprach ein Wort . - Aus der Ferne rollte der Donner des Geschützes zu ihnen herüber - - - - aber in selige Selbstvergessenheit gesenkt , hörten sie ihn nicht . - Arthur - sagte endlich leise Lydia - - hier ists schön , schön - zum Sterben . Ihr schönes Auge leuchtete voll schwärmerischen Glanzes in das des Prinzen . - Nicht so , Therese ! warum sterben , jetzt , wo ein neues Leben für uns aufgegangen . - Nenne mich nicht Therese , Arthur ! nenne mich Lydia . - Lydia ! - sagte erstaunt der Prinz , der diesen Namen im Munde Alicens gehört zu haben glaubte . - Bist du nicht Therese ? Lydia erklärte ihm , warum sie in Straßburg den Namen » Therese « angenommen . Das ganze verrätherische Geheimniß des Fürsten Lichninsky lag jetzt klar vor seinen Augen . Warum aber Alice ihm die Anwesenheit Lydias verschwiegen , das konnte er nicht begreifen . Er äußerte sein Bedenken so schonend wie möglich . - Nein , du thust ihr Unrecht . Sie hat ja nichts von meiner Liebe zu dir gewußt . - Du hast Recht , Geliebte . - Es war also Lüge , was mir der Verräther Gilbert erzählte , von deiner Gefangenschaft bei der Herzogin Nagas ? - Gilbert - sagte nachsinnend Lydia , die die letzten Worte des Prinzen nicht mehr gehört hatte - warum schauderts mich bei dem Klange dieses Namens ? ists mir doch , als bedeute er etwas Schreckliches , als sei es der Name des bösen Engels , der mein Leben vergiftet . - Du wirst Ruhe vor ihm haben - sagte der Prinz düster - sein Tagewerk ist vollendet . Er fiel unter dem Dolche Salvadors . Lydia fuhr mit der Hand über die Stirn . Trotz der großen Gewalt , welche sie ihrer Erinnerung anthat , vermochte sie glücklicher Weise den Schleier , der in dem Augenblick über ihr Bewußtsein sank , als sie Gilberts Stimme vernahm , nicht zu durchbrechen . Jene Stimme tönte ihr aus einer Vergangenheit herauf , deren Schmerzen sie einst zum Wahnsinn geführt hatten - - - - - - - - Der Prinz sah ihr ängstliches Ringen nach Klarheit : erkannte an ihren Blicken , daß jener Schleier etwas Furchtbares bedecken müsse , und suchte sie von ihrem Nachsinnen abzuwenden . - Du wirst der Ruhe bedürfen , Lydia - sagte er , sanft ihre Hand von der Stirn ziehend . - Nein - erwiederte sie mit hochathmender Brust - aber es ist so schwül hier . Meine Sinne sind betäubt . - - - In der schüchternen , mädchenhaften Lydia war durch eines jener Räthsel unserer Natur , die zu lösen nie gelingen wird , wie mit einem Zauberschlage plötzlich eine tiefe , ihr ganzes inneres Leben umkehrende Veränderung vorgegangen . Lydia war einer jener seltenen weiblichen Charaktere , die eine ihnen selbst unbekannte heroische Stärke idealer Empfindung unter der sanften Hülle schüchterner Jungfräulichkeit verbergen . Das große Unglück ihres Lebens , die furchtbaren Erfahrungen , welche sie einst in die Nacht des Wahnsinns getrieben , waren eben so sehr eine Folge der erstern , wie der andern Eigenschaft . Als sie ihre erste Liebe verrathen sah und durch jene entsetzliche Katastrophe , welche den Schluß einer frühern Erzählung bildete , zum Bewußtsein zurückgekommen war , konnte die aufkeimende Liebe zum Prinzen während ihres Aufenthalts in Straßburg noch nicht einen Aufschwung nehmen , der ihre ganze Seele mit fortgerissen hätte