sie sich auf Torcello nieder . Ich kann Dir nichts weiter sagen ! « » Also liebst Du sie wirklich über alle Maßen , und hast sie doch früher verlassen können ! « » Sibylle ! es giebt interessante Frauen und verführerische Frauen , und Du und sie - Ihr seid der Typus derselben . Weil dieser bis zum äußersten Grade gesteigert ist , nimmt jeder Etwas von der Färbung seines Gegensatzes an : das Interessante wird verführerisch , und so umgekehrt . Als ich Arabella vor einigen Jahren .... verließ , wie Du es nennst - war es die unerhörte Ueberraschung Deiner Erscheinung , die ich mit nichts zu vergleichen wüßte , was ich vorher oder nachher gesehen ; und ich folgte der anziehenden Macht « .... - - » Bis Du gewahr wurdest , daß sie nur einseitig auf Dich wirkt , und daß von der andern Seite eine nicht minder gewaltige Macht Dich in Anspruch nehmen muß , wenn Du dich glücklich fühlen sollst : nicht wahr , Otbert , so ist es ? Aber dies zersplitterte , getheilte , zwiespältige Dasein trägt in sich selbst den Keim des Zerfallens - was dann ? « » Die Blume blüht auch nicht ewig ; aber sie hat doch geblüht und aus ihren zerstäubenden Atomen entwickeln oder ernähren sich andre Organisationen . Ausbildung , Umbildung , ist Leben . Eine absolute Dauer haben dessen Formen nicht . Ueber ihnen , nicht in ihnen webt und wohnt das Göttliche . « » Ein trauriger Glaube , Otbert , mit Tand und Spielwerk gleichsam abgefertigt zu werden , und wie aus Neckerei nur das Rauschen der Flügel eines uns umschwebenden gewaltigen Geistes zu hören ohne jemals seiner Offenbarung gewürdigt zu werden ! - So erscheint er wenigstens mir , da ich ihn nicht theile . Ich mögte die Form ehren als eine Schaale deren Inhalt etwas Göttliches ist ; kann ich das nicht : so werde ich sie bald bei Seite schieben oder fallen lassen .... wie Du es machst . Es liegt eine gewisse materialistische Weisheit in Deiner Auffassung , die nicht für Jedermann ist . « Astrau starrte mich sprachlos an vor Verwunderung über die Gleichgültigkeit und Ruhe mit der ich redete . Ich war nicht einen Augenblick aus der Fassung . Mir war als befände ich mich wieder in meinem recht eigentlichen Element : in der Erkenntniß der Nichtigkeit von Allem was Menschen Glück nennen ; - und als hätte ich schon lange heimlich diesen Augenblick vorhergeahnt . » Ich habe weder Vorwürfe noch Klagen , fuhr ich fort ; mehr noch : ich will annehmen , daß Du auf Deinem Standpunkt nicht Unrecht habest . Dir ist das Leben nun einmal ein Spaziergang zwischen Wolkenbildern , welche eine verhüllte Sonne so und so färbt , und welche Dir gefallen je nachdem die Netzhaut Deines Auges wolthätig von ihnen berührt wird . Durch das Auge streifen sie denn auch zuweilen bald an Dein Herz , bald an Deinen Verstand ; und was sie am Meisten in Bewegung setzen .... ist Deine Imagination . Vielleicht geht es mir eben so ! wir sind nie so klar über uns selbst als über Andere . Der Unterschied zwischen uns wird nur der sein : daß Du zerstreuende Tröstungen für Deine Täuschungen suchst und findest , und daß mich die Zerstreuungen doppelt traurig und die Tröstungen vollkommen elend machen . Lebe Du in deiner Weise fort wie ich in der meinen ! wir können nichts Wesentliches mehr für einander thun , und nichts sein als eine Last : das muß man meiden . Es bleibt bei meiner Abreise nach Engelau .... aber .... ich komme nicht wieder , Otbert . « Ueberwältigt von Traurigkeit ließ ich den Kopf in die Hand sinken und verhüllte meine Augen . Otbert kniete abermals vor mir nieder . » Sibylle , sprach er sanft , Du bist so bewegt und erschüttert als ob Du mich liebtest « .... - » Nein ! unterbrach ich ihn , wir wollen uns nicht geflissentlich täuschen . Ich habe meine Sehnsucht nach Liebe für Liebe gehalten , und Du hast Dein psychologisches Interesse für mich so genannt ; von dem pecuniären will ich schweigen , weil ich die Ueberzeugung habe : den ersten Platz nimmt es nicht bei Dir ein . Aber so steht es mit uns .... und weshalb es leugnen ! die Wahrheit ist besser als alles Andre . Ich gräme mich nur weil die Wahrheit eine so fürchterlich traurige Sache ist . « » Ich wollte daß Du mir Vorwürfe machtest , Sibylle . « » Worüber denn , Otbert ? ich habe mehr Schuld als Du . Ich verschmähte es meinem Instinct zu folgen der mich , so lange ich unbefangen war , fern von Dir hielt . Das weißt Du ! Du wirst auch noch wissen , daß ich dessen Stimme nicht wollte gelten lassen , als Du dich auf ihn wegen Deiner Abneigung gegen Sedlaczech beriefst . Der Instinct ist die Stimme der Natur , ist unser guter Genius in dieser confusen Welt , und ihn verleugnen ist - wenn nicht die größte Schuld , so doch gewiß die an welcher wir am schwersten tragen . Mich drückt die meine dermaßen , daß in ihrem Weh Vorwurf gegen Dich oder Arabella , oder Klage über Euch nicht auftauchen kann . « Er wollte reden ; aber ich bat ihn mich zu verlassen : » Wenn das entscheidende Wort gesagt ist , so ist jedes andre unnütz , Otbert . « Er ging endlich . Ich wollte überlegen ; - aber was gab es denn zu überlegen ? ich war elend ; ist man dahin gekommen , so braucht man keine Ueberlegung mehr . Sie taugt nur um uns dagegen zu schützen . Nein ! ich mußte andre dinge vornehmen als stumpfsinnig über Trümmern brüten . Ich griff nach den Papieren welche auf meinem Schreibtisch lagen . Es waren Rechnungen die ich wegen meiner bevorstehenden