ihn einen eitlen Thunichtsgut . Herr Gottfried hatte derweil seine Biersuppe mit Ingber und Pfeffer und den schwimmenden Eierschaum drauf getrunken . Er strich sich , als er allmälig warm ward , behaglich die Seiten , und sah auch mit Befriedigung , wie der Knecht Kasper die große Schüssel mit Buchweizenbrei auftrug , deren glatt gewordene Oberhaut schön geädert war mit kleinen Seen und Flüssen und Kanälen von brauner Butter und Zimmet . Dabei lächelte der Burgherr wohlgefällig , denn die Zimmetbüchse holte seine Ehefrau nur bei absonderlichen Festtagen aus dem Schranke : » ' S ist doch ein gut Weib ! « brummte er und sah auch mit Vergnügen auf die Schüsseln mit Honig und Käse und den Ochsenschinken , der jetzt hereingetragen ward . Zu viel für einen Mann hätte es einem andern gedünkt , der auch hungrig war , aber nur seit gestern . Herr Gottfried hatte seit einer Woche keinen Bissen über die Lippen gebracht und dieser Gedanke schien jetzt zum vollen Bewußtsein des Hungers zu werden . Er maß die Schüsseln und auf seinem Gesicht strahlte immer mehr Friede , aber mit dem Frieden stimmten die Klagetöne draußen wenig . » Ist also gefallen ? « fragte Herr von Bredow . » Und gestürzt , « sagte der Knecht . » Ja , ja , das kommt davon , « sagte Herr von Bredow und schnitt tief in den Schinken ein . » Und hat sich Schaden gethan , « sagte der Knecht . » Durch Schaden wird man klug . Fiel auch mal vom Pferd . Ist ' s der Hans Jochem oder der Hans Jürgen ? « » ' S ist ein Unglückstag heut , « sagte der Meier . » Ein Unglückstag ! « wiederholte Herr von Bredow und schien drüber nachzudenken , indem er einen zweiten Teller mit Buchweizenbrei füllte und wie verwundert zusah , daß es noch immer dampfte . » Was haben wir denn heut , Kasper ? « » Sonntag nach Gallus , Gestrenger . Die Gänse sind schon geschlachtet . « » Die Martinigänse ! - Ist ' s die Möglichkeit ! « rief Herr von Bredow und setzte den Messergriff auf den Tisch . » Der arme Hans Jochem ! Jemine , schon die Martinigänse . - Das geht jetzt alles - Einer will ' s dem Andern zuvorthun . Da kommt ' s denn ! - Ein Bein gebrochen hat er ? « » Aber der Herr Dechant wird ihm die Sacramente reichen . « » Sacramente ! « - Ein neuer Gedanke schien in der chaotischen Wüste seines Kopfes sich durchzuarbeiten . - » Sacramente ! Dann geht ' s wohl auf die Letzt . « » ' S ist aber nach dem Wundarzt geschickt . Der muß bald da sein . Sonst kommt er zu spät . « » Zu spät ! « Ein zweiter Gedanke brach durch . Der Ritter legte Messer und Löffel fort : » Kasper meinst Du , daß es gut ist , daß ich zum Hans Jochem gehe ? Er kann doch nicht zu mir kommen ! « » Freilich , das kann er nicht , gestrenger Herr , aber - « » ' S ist heut ein Unglückstag , « wiederholte der Meier . » ' S thäte wohl besser , gestrenger Herr , « sagte der Knecht , » wenn Ihr erst frühstücktet . Das Unglück kommt immer zu früh noch , und Ihr könnt dem Junker nicht helfen . Aber der Junker kann Euch schaden . Herzeleid auf leeren Magen thut nimmer gut . Wer Morgens ordentlich frühstückt , der sammelt seine Gedanken und kann was vertragen . Manchermann , der nüchtern ausritt , und wollte alles thun , that nichts und fiel gar in Unmacht . « Da nickte Herr von Bredow mit voller Beistimmung dem verständigen Knecht zu , und that , wie er ihm rieth . Und der Rath erwies sich als gut , denn je mehr sich der Magen füllte , um so mehr schien in dem großen Körper die zerstörte Ordnung sich wieder herzustellen , und auch die Gedanken sammelten und lichteten sich im Kopfe . Da wischte er mit dem Tuche den Mund , richtete sich im Stuhl auf , und sprach : » Der arme Hans Jochem ! - daß es grade der Hans Jochem sein muß . « » Das hab ich auch gesagt , gestrenger Herr . Grade der Hans Jochem . Und er war so lustig allezeit . « » Wenn ' s Hans Jürgen wäre - « » Dann wär ' s nicht Hans Jochem , das hab ' ich auch gedacht , gestrenger Herr . « » Aber das kommt davon . « » Ja gewiß , Gestrenger . « » Wer nicht hören will , muß fühlen . Wollen Alles besser wissen die jungen Leute . Reiten , das will gelernt sein . Was ist das für ' ne neue Mode ! Die Diener sollen jetzt hinter dem Herrn reiten . Die jungen Fante in Brandenburg und Berlin ! Wozu ist ein Diener , als daß er seinen Herrn meldet ! Darum reitet er vorauf . Thut mir doch leid um den Hans Jochem . Hatte den Jungen lieb . « - Herr Gottfried drückte mit dem Finger an ' s Auge , als fühlte er da etwas , was nicht dahin gehörte . Frau Brigitte trat ein , auch mit rothen Augen ; sie setzte eine Kanne auf den Tisch . Selbst setzte sie sich neben ihren Herrn . » Da bring ich Dir Zerbster , Gottfried . Das letzte aus dem Faß . Wer weiß , wenn ' s auch mit uns auf die Letzt geht . « » Ja , ja , ja ! « sagte Herr von Bredow , » ' s ist schlimme Zeit . Sie zapfen , wo sie können . « » Trink , Götze , ' s ist von dem bittern Zerbster , das