, mit ihr unauflöslich fest verbunden zu sein und die Gewißheit mitzunehmen , in der Verbannung wenigstens sicher des ihm nicht mehr zu weigernden Glückes zu bleiben - bis endlich halb verlockt , halb ermüdet , das unbesonnene Mädchen ihm unter der Bedingung nachgab , gleich nach der Trauung seine Reise anzutreten . Welche Feder vermöchte den Wonnetaumel seines Dankes wiederzugeben ! Die Erinnerung daran hat oft Leontinens späteres Leben durchleuchtet wie ein Meteor des Glücks . Nun aber ging zu ihrer Verwunderung alles in fliegender Schnelle . Kaum hatte der Geliebte ihr Ja , kaum hatte er sie wohlbehalten und unbemerkt den Ihren wieder zugeführt , so war auch der alte Domine gewonnen , die Trauung zu vollziehen , durch welche er die Seele seiner » lieben Frölen « dem einzig beseligenden Glauben zu sichern wähnte . Die zu dem italienischen Geschäft bereits früher ihm verschafften Papiere , welche Jean Carlo ' s Geburt , Rang , Vermögen und Identität bewiesen , waren zur Hand . Ehe Leontine zu klarer Besinnung kam , war der sie auf ewig fesselnde Schritt gethan . Derselbe Freund , der Viatti im Hause eingeführt , ein geachteter Mailänder , der seit Jahren schon in Deutschland lebte und mit der Familie des Baron Lersheim verkehrte , ward unvermuthet , nebst noch einem unter dem Domine stehenden Geistlichen , zum Zeugen der Trauung gemacht ; auch Babet wohnte ihr bei , sie war leicht zu bereden , denn Leontine war , wie wir wissen , einundzwanzig Jahre alt , folglich mündig . Wenige Tage nach der Vermählung reiste Jean Carlo wirklich seinem gegebenen Worte gemäß ab ; er schied zwar mit blutendem , aber auch mit hoffnungsreichem Herzen . Leider aber scheiterten alle die ihn so beglückenden Hoffnungen beim Wiedersehen seines Oheims an beider Männer leidenschaftlich ihren früheren Projecten anhangendem Charakter . Jean Carlo und sein Oheim fanden es in dem so unglücklich gewählten Zeitpunkte unmöglich , sich der jetzt abermals schwer bedrohten Gemeinschaft ihrer ehemaligen Verbündeten zu entziehen . Die umsichgreifende Carbonaria hatte abermals unvorsichtige Schritte gethan , deren unselige Folgen nun auch Jean Carlo ' s Leben erfaßten . Ein ganzes Jahr verging Leontinen in namenloser Angst , sie sah ihn nicht wieder ! - Ab und zu schrieb er ihr unter Babets Adresse , aber , ach ! die nöthige Vorsicht machte seine Briefe unklar . Monate lang entbehrte sie jeder Nachricht , oft wußte sie sogar nicht , wo er war . Leontine litt ; sie hätte weit mehr gelitten , hätte ihr leichter Sinn sie nicht über manchen Abgrund schauderhafter Möglichkeit hinweggetragen . Der Schritt war einmal geschehen , es lag nicht in ihrer Natur , mit sich selber darüber zu rechten . Wenn sie dann und wann über jene Zeit nachdachte , mischte sich ein höchst peinlicher Vorwurf für ihren Gemahl in dies Nachdenken ; er hatte sie einer unabsehbaren Reihe von Schmerzen preisgegeben , wenn ihre Eltern die unglückliche Uebereilung entdeckten ; er hatte ihre Ehre sogar gefährdet , und leise , leise flüsterte sie sich ' s zu : er hatte leichtsinnig gehandelt , sie preisgegeben - aus nicht ganz edeln Gründen . Leontinens liebenswürdige aber vielgestaltig bewegte Natur konnte vom Augenblick zu leidenschaftlichen Ergüssen sich hinreißen lassen , die eigentliche Macht einer Geist , Sinn und Willen überwältigenden Leidenschaft begriff Leontine nicht . Die Herbstreise des Jahres zweiundzwanzig brachte sie wieder nach Baden , und die ferneren bereits mitgetheilten Ereignisse nach Bern , wo sie hoffte , Annen ihr Geheimniß entschleiern zu können , als ein Brief Jean Carlo ' s seine Rückkehr von der italienischen Grenze und seine nahe Ankunft in Bern meldete , wohin ihn der Wahnsinn der heftigsten Sehnsucht nach Leontinen zog , während eben eine Fremden-Verordnung publicirt wurde , welche unter die strengsten gehörte , die je bekannt gemacht wurden . Während also alle nur einigermaßen in ihr betheiligten Fremden Bern zu verlassen eilten , langte Jean Carlo daselbst an . Das Uebrige ist unsern Lesern bekannt . Josephinens plötzlicher Eintritt , der die so gewaltsam überraschenden Mittheilungen Leontinens unterbrach , brachte den Grafen Roderich augenblicklich zur Besinnung ; die gewohnte Gastfreundschaft , die anerzogene Höflichkeit , die im Duell vor dem tödtenden Stoß den Kämpfenden den Gruß auferlegt , siegten auch jetzt , sogar der Schwester gegenüber . Er war der Erste , der auf sie zuging , sie mit wenigen herzlichen Worten bewillkommnete und sie bat , ihm eine unvermuthete Störung zu verzeihen , die sie Alle das Rollen ihres Wagens habe überhören machen . Auch Anna wandte sich rasch der verehrten Frau zu und legte Leontinen aus ihren Armen an das Herz der Mutter , die , völlig arglos , dem ungeheuern Schlage , der sie treffen sollte , die heitere Stirne bot . Die Freude , ihre beiden Kinder wiederzusehen , wie sie die beiden jungen Frauen gern nannte , verblendete sie , der ganze peinliche Zustand ward nicht sogleich von ihr bemerkt , ja sogar dessen unwillkürliche Andeutung in ihres Bruders Worten vermochte nicht , sie aus dem Taumel von Glück aufzuschrecken , der sie beim Anblick der so lang entbehrten Theuern überwältigte . Sie hatte ja die Tochter überraschen wollen , so fiel ihr nicht einmal deren lauter Aufschrei besonders auf , sie maß ihn dem freudigen Erstaunen bei . Die Gewalt des Augenblicks beherrschte Aller Zungen ; Niemand hatte den Muth , den schneidenden Schmerz sogleich in die freudeschlagende Brust Josephinens zu senken , deren Hände die nun auch hinzugetretene Sophie mit Thränen und Küssen bedeckte , deren Hals die herbeigestürmten Knaben jauchzend umklammerten und dann von ihr weg und dem eben erblickten Vater zuflogen , den sie bereits unten im Wagen vergeblich gesucht . Victor Hugo hat so schön gesagt : das Kind sei der Engel im Hause . Die Freude der Kleinen legte ihren reinen Himmel auf die Gewitterschwüle dieser Stunde ; ihr Jubel war so hinreißend , ihr Fragen nach allen mitgebrachten Schätzen , all ihr überwältigendes Schwatzen , Kosen und Erzählen