hoffe ich , an Vergnügen soll es uns nicht fehlen ; es sei denn , daß Ihnen , die Stunde Wegs nach Berghoff zu weit und zu anstrengend wäre . Sagen Sie dem Hypochondristen das noch einmal , Fräulein , meinte Erlau , so glaubt er es und bleibt zu Hause ; natürlich unter jämmerlichen Klagen über seine schwache Gesundheit und über den Undank seiner Freunde , die sich Landgüter kaufen , ohne auf die Entfernung von seinem Hause und auf seine Rheumatismen Rücksicht zu nehmen . Der Wunden lacht , wer Narben nie gefühlt , rief Steinheim . Wenn solch ein Springinsfeld , wie Erlau , der mit jedem Hasen um die Wette laufen könnte , doch nicht über die Empfindungen vernünftiger Leute spotten wollte , welche , ohne deshalb schwerfällig und alt zu sein , sich dennoch bei warmem Wetter ihres Körpers als einer Zugabe bewußt werden , die sie am Laufen und Fliegen verhindert . Jenny und Erlau lachten , und man rief Therese herbei , um sie an der Unterhaltung Theil nehmen zu lassen . Sie trat hinter Jenny ' s Stuhl und bewunderte die raschen Fortschritte , welche deren Arbeit seit einer Stunde gemacht hatte . Du solltest Dir , sagte sie , so lange Du noch zu Hause bist , allmälig alle Deine Lieblingspunkte zeichnen , um sie Dir zum Andenken mitzunehmen , wenn Ihr einst fortgehen werdet . Der Gedanke ist des Monarchen werth , Fräulein Therese ! fiel Steinheim ein . Und schöne Gegenden werden Ihrem Auge erquickend sein , sprach Erlau , wenn Reinhard darauf besteht , Sie in jene Einöde zu führen , in der die Heerde weidet , die er hüten soll . Ich sehe Sie schon , Fräulein , mit einem Schäfer- oder Krummstabe - ich weiß nicht , was Pfarrerinnen in Arkadien führen , - durch die sandigen Fluren wallen . Ich höre Sie , Reinhard zu Liebe , über jedes Haidekraut , das der Boden hervorbringt , in Ach ! und Oh ! zerfließen und Gott danken dafür , daß er diesen Sand aus seiner großen Barmherzigkeit erschaffen , damit er uns in die Augen fliege , wenn ein warmer Lufthauch sich je einmal in solch eine Gegend verirrt . Lassen Sie das Reinhard ja nicht hören , warnte Jenny , er würde es übel deuten ! Du solltest es auch nicht leiden , liebe Jenny , meinte Therese , da Du weißt , wie unangenehm diese Scherze Deinem Bräutigam sind , der mit so viel Liebe an seinen künftigen Aufenthaltsort denkt . Ich wollte , sie ginge nach dem entzückenden Orte und ließe uns Jenny hier ! sagte Erlau leise zu Steinheim , und : Wer weiß , wie gern sie das thäte ! antwortete dieser ebenfalls leise , während Therese versicherte , für sie würde ein ganz eigner Reiz darin liegen , einem Manne sein einziges Glück zu sein . Je schlechter die Gegend , je weniger lockend die äußern Verhältnisse , um so theurer müßten ihm ja Frau und Heimath werden . Gott bewahre mich vor solchem Glück ! rief Jenny und legte den Pinsel fort ; das ist ja , um mich bei Zeiten an biblische Wendungen zu gewöhnen , der Weib gewordene Egoismus . Mein Mann sollte entbehren , damit ich geliebt würde ? Wie kann man so Etwas denken ? Weißt Du , was ich mir wünschen würde ? Reinhard müßte Herr sein über die ganze Welt und alle ihre Schätze . Alle Menschen müßten ihn anbeten , weil er eine neue schöne Zeit heraufgeführt , und dann müßte er den schönsten Lohn für seine Thaten darin finden , wenn ich Diejenige wäre , die ihn am meisten bewunderte und liebte . Die Hand , mit der ich Abends die Falten auf seiner Stirn glättete , müßte ihm noch lieber sein , als die Kronen , die er auf sein Haupt drückt - denn nebenher müßte er ein Herrscher aus eigener Machtvollkommenheit sein und nicht von Gottes Gnaden Da das aber nicht sein kann , schloß sie , und nahm den Pinsel wieder vor , ist nächst solchem Herrscher mein Reinhard mir der Liebste . Das sieht Dir ähnlich , sagte Therese , Du suchst nun einmal das Glück immer und überall in äußern Dingen und weichst darin von Reinhard ab , der nichts begehrt , als ein bescheidenes Loos und einen segensreichen Wirkungskreis . Jenny stand verdrießlich von der Arbeit auf und ging mit Erlau nach der andern Seite des Balkons , während Steinheim Therese mit ihren soliden Ansichten neckte und zuletzt die Worte hinwarf : Uebrigens glaube ich auch , daß Fräulein Jenny mit einer Hütte und einem Herzen nicht ganz so zufrieden wäre , als manche Andere . Diese Worte , die halb scherzend , halb absichtlich gesprochen waren , erreichten Jenny ' s Ohr . Sie wendete sich um , sah Therese plötzlich roth werden und sich unter einem gleichgültigen Vorwande entfernen . Auch sie erglühte einen Augenblick , warf einen langen forschenden Blick auf Therese und fuhr mit der Hand über die Stirne , als wenn sie einen Gedanken verbannen wollte , der ihr unvermuthet aufgestiegen war . Steinheim gesellte sich gleich nach Theresens Entfernung zu den beiden Andern , und machte die Bemerkung , Therese gewöhne sich schon seit einiger Zeit einen gewissen pedantischen Ton an , der sonst nur Gouvernanten eigen zu sein pflege . Sie will immer Alles besser wissen , sagte er , immer belehren , » man merkt die Absicht und man wird verstimmt . « Es ist so böse nicht gemeint , entschuldigte Jenny , sie glaubt nur , mich erziehen zu müssen , weil meine Eltern und Reinhard selbst sie mir früher oft als Beispiel aufgestellt haben . Zudem hält sie sich meinem Bräutigam für den Unterricht verpflichtet , den er uns gegeben hat , und möchte aus Dankbarkeit gegen ihn mich zu einer recht vollkommenen Frau nach seinem Sinne machen , und dazu fehlt noch viel .