Nikita mit großer Selbstgefälligkeit hinzu . Sie ist entführt ! gewaltsam entführt ! rief Eugen . Rechnen Sie denn das heimliche Hinwegschaffen ihrer Effecten für nichts ? und der baumstarke Nikita lag zu ihren Füßen , auf einen Wink von ihr zu ihrem Beistande bereit ; ein einziger Schrei hätte alle Bewohner des Hauses um sie versammelt ; eiferte Frau Karoline . Armer , unglücklicher Iwan ! wie verstehe ich erst jetzt dich so ganz ! seufzte Eugen . Ja wohl unglücklich ! setzte Karoline hinzu . Gerade im Augenblicke , als jede Möglichkeit eines Zweifels uns entschwunden war , kam er . Wir konnten ihm nichts verhehlen ; der Zustand , in welchem er uns fand , und unsre Umgebungen verriethen ihm Alles . Was er begann , was er sprach , ich weiß es nicht ; sein Anblick raubte mir vollends den kleinen Rest von Besinnung . Später vernahm ich , daß er das ganze Haus , vom Boden bis zum Keller durchsuchte , und dann gleich einem Wahnsinnigen hinaus auf die Straße stürzte . Jegor folgte ihm aus freiem Willen ; der gute Alte konnte ihn nicht einholen , aber er verlor ihn nicht aus dem Gesicht , bis er in einem , zu den Hintergebäuden des Palais Ihres Herrn Vaters gehörenden Hofe , in eine Seitenthüre ihn verschwinden sah . Jegor wartete eine Weile auf seine Wiederkehr , umging dann mehreremale das ganze Gebäude , erkundigte sich bei dem ihm bekannten Portier , ob er Iwan Yakuchin nicht gesehen , und begab sich dann nach Hause , mit der beruhigenden Nachricht , daß Iwan unter der Obhut von Freunden wenigstens in Sicherheit sei . Seitdem haben wir bis heute Morgen nichts weiter von ihm vernommen , und sehnten uns auch nicht darnach . Daß er uns mied , fanden wir ganz natürlich , denn was konnte er zu unserm , was wir zu seinem Troste beitragen ? Jene Seitenthüre , die Jegor erwähnte , ist ein in eine andre Straße führender Durchgang , das konnte er freilich nicht wissen , erwiederte Eugen ein wenig betroffen ; haben die Nachforschungen der Polizei , die Sie gewiß veranstalten ließen , keine Spur von den Entflohenen entdeckt ? fragte er dann mit hastiger Lebendigkeit . In frühester Morgendämmerung will man ein paar Personen , die sie der Beschreibung nach wohl gewesen sein könnten , in der Gegend des Hafens gesehen haben , wo einige der kleinen Schiffe eben segelfertig lagen , welche uns alljährlich Früchte , Blumen und Singvögel aus Danzig und Königsberg bringen , aber nur für Passagiere aus den niedern Ständen eingerichtet sind ; sprach der Kapellmeister . Und nun , mein Fürst , wenn Sie mir wirklich wohlwollen , kein Wort wieder von Jenen ! es sei als wären sie nie gewesen , ich bitte inständigst darum : setzte er auf eine Weise hinzu , aus welcher deutlich hervorging , wie ernstlich diese Bitte gemeint sei . Iwan lag indessen in ununterbrochenem todtenähnlichem Schlummer ; nur ein kaum merkbarer Lebenshauch , der zuweilen die müde Brust langsam senkte und hob , war das einzige Zeichen , daß er dem Grabe noch nicht ganz verfallen sei . Verborgen kämpfte indessen in seinem Innern die Natur den harten Kampf auf Leben und Tod , seine Jugendkraft siegte , das Fieber wich , mit ihm der Wahnsinn , der so lange den Armen mit glühenden Krallen gefesselt gehalten , und Iwan erwachte nach vier und zwanzig Stunden , matt , todesmatt , aber er lebte doch noch , und war dem Bewußtsein wiedergegeben . Unter Richards und seiner Freunde treuer Pflege stellte in der Folge die Hoffnung , ihn dem Leben zu erhalten , sich täglich fester ; zwar blieb er lange noch kraftlos , wie ein krankes Kind , doch jedes wahrhaft beunruhigende Symptom war verschwunden ; sein Blut bewegte sich ruhig , kein Fieber jagte es mehr in ungestümen Wogen vom Herzen zum Herzen . Man durfte allmälig mit Gewißheit darauf rechnen , den langsam Genesenden bald ganz erkräftigt zu sehen ; und da er jetzt auch anfing , an dem was außer ihm vorging , einigen Antheil zu nehmen , sogar mitunter auf mannigfaltige Art , so viel es seine Schwäche erlaubte , sich zu beschäftigen , so stand Richard nicht weiter an , ihn täglich ein paar Stunden der Obhut seines Dieners allein zu überlassen , auf dessen wachsame Sorgfalt er rechnen durfte . Doch wie groß war sein schmerzliches Erstaunen , als er eines Tages , etwas später als gewöhnlich , zu ihm zurückkehrte , und in einem ganz veränderten Zustande ihn fand , der von nun an sich täglich verschlimmerte , ohne daß es möglich gewesen wäre die Veranlassung desselben zu entdecken , oder auch nur für das Übel das den Unglücklichen innerlich zerstörte einen Namen zu finden . Kalt , bewegungslos , wie vom Starrkrampf gefesselt , lag er todtenbleich auf seinem Lager hingestreckt . Abgemagert bis zum Skelett , kaum noch der Schatten von dem was er gewesen , verschmähte er fast alle Nahrung , beantwortete keine Frage , nahm in grenzenloser Apathie an allem , was um ihn her vorging , nicht den mindesten Antheil . Obgleich er fast immer mit geschlossenen Augen dalag , schlief er doch selten und nur auf kurze Augenblicke wirklich ein . Die Ärzte , welche seine Freunde um ihn her versammelten , verkannten keineswegs das Gefahr drohende dieses Zustandes , aber er blieb ihnen unerklärlich , um so mehr , da kein Symptom eigentlichen wirklichen Krankseins sich zeigte , das ihnen hätte zum Leitfaden dienen können . In seiner großen Besorgniß wandte Richard sich endlich an den ersten Leibarzt des Kaisers , und dieser ließ , auf Fürsprache des Fürsten Andreas , sich bewegen den Kranken zu besuchen ; mochte aber ebenfalls , eben so wenig als seine Kollegen , einen entscheidenden Ausspruch hier wagen . Der Fall schien ihm indessen merkwürdig genug , um zu einem zweiten Besuche ihn zu veranlassen ; er