zuweilen auf ähnliche Art , wie Licht und Sonnenstrahlen ; der Stoß und Widerstoß erzeugt sich plötzlich aus Ursachen , die wir nicht entdecken können . Man hat mich oft verspotten wollen , indem meine Freunde mich fragten , ob ich keinen Zug verspüre , indem ein Schrank , oder eine Schieblade geöffnet wird ? Ich scheue mich gar nicht , zu behaupten , daß ich allerdings etwas Ähnliches empfinde ; es ist die abgestorbene Luftmasse , die sich mit der Zimmerluft plötzlich mischt , wenn der Schrank leer ist ; und wenn es ein Behältnis der Wäsche ist , so quillt aus der feinsten und reinsten eine widerwärtig erkältende Strömung , der ähnlich ( freilich nur im geringen Grade ) , die uns so trostlos befällt , wenn wir einem Trockenplatze vorübergehen . « Der Graf sagte : » Darin ist aber etwas Wahres , sosehr unser Herr Professor auch übertreibt ; darum muß man auch , wie ich es halte , immer Wohlgerüche zwischen die Wäsche legen und sie selbst im Sommer vor dem Ankleiden wärmen und durchräuchern . « Nun fingen die Damen , die jüngern , wie die älteren , an , sich lebhaft in das Gespräch zu mischen ; plötzlich aber sprang Albertine eilig auf und rannte mit einem Freudengeschrei einem hübschen , aber noch sehr jungen Manne in die Arme . Dieser war ihr Bruder , der Cadet , der von der entfernten großen Stadt gekommen war , um an den ländlichen Festen und Theaterspielen teilzunehmen . Es war natürlich , daß die Freunde das Gedicht vom Berlichingen sehr zusammengezogen , verschiedene Szenen verlegt und vereinigt und alles so eingerichtet hatten , daß es mit nicht gar vielen Dekorationen und einer bescheidenen Anzahl von Mitspielern dargestellt werden konnte . Es ist übrigens nicht unbekannt daß bei Liebhaberkomödien die Proben eigentlich das ergötzlichste sind . Alle erstaunten , mit welcher Wahrheit und innigen Rührung Albertine die Maria spielte und sprach , in der Sterbeszene Weislingens war sie und Elsheim so tief erschüttert , daß beide mit lautem Schluchzen den Auftritt endigten , und das Fräulein sich nachher unwohl fühlte . Am meisten war der alte Schulmeister , der invalide Husar , welcher mit großer Freude den Selbitz auswendig gelernt hatte , beseligt , daß er mit hohen Herrschaften durch diese Kunstübung in ein so vertrautes Verhältnis trat . Es war ein Glück , daß dieser Raubgesell keine Szene mit dem edlen Bischof von Bamberg hatte , denn Graf Bitterfeld , der Vertreter des geistlichen Herrn , nahm es dem jungen Baron doch sehr übel , daß er diesen Invaliden aus einem fremden Dorfe herübergeholt hatte , um in Goethes Dichtung mitzuwirken . Daß des Barons Förster und andere Dienstleute in kleinen unbedeutenden Rollen auftraten , verzieh er und fand es zulässig , weil er auch dafür entschuldigende Beispiele in der Theatergeschichte hoher Aristokratie fand , aber ein unheimischer Diener war ihm unerträglich . Dazu kam , daß dieser Selbitz sich sehr breit machte und sich mehr hervordrängte , als es seine Rolle eigentlich zuließ , so daß selbst Mannlich , als Götz , etwas empfindlich wurde , und nun , um jenen zu strafen und zurückzustellen , in den Szenen mit ihm noch gedehnter , langsamer und akzentuierter sprach , woraus aber der lahme Selbitz den Vorteil zog , daß man sein Spiel besser und natürlicher fand , als das der Hauptperson . Mannlich war aber auch glücklich , da er in jeder Probe seine tapfere Gesinnung und seine Biederkeit so recht breit , und sicher , nicht gestört zu werden , auseinanderwickeln konnte . Indem er nun den Platz der Szene ganz allein einzunehmen strebte , kam es , daß er auf die mit ihm Sprechenden kaum hinhörte und in die Weise , wie er diese anblickte , eine unendliche Verachtung legte . Dies geschah aber nicht vorsätzlich , sondern unbewußt und in aller Unschuld ; denn nicht allein seinen Gegner Weislingen , sondern Frau und Schwägerin , sowie Georg , behandelte er ebenso , bloß von dem Gefühl geleitet , welches er über sich selbst und seinen hohen Wert empfand . Elsheim sah dies alles mit einer gewissen Schadenfreude an und vergaß darüber ganz , daß er bedeutende Kosten , Zeit und Anstrengung darauf verwandt hatte , das herrliche Werk seines hochverehrten Dichters zu parodieren , und in ein komisches Licht zu stellen . Leonhard war in jedem Augenblick hinter der Szene mit Einrichtungen , Verbesserungen und Ratgeben so beschäftigt , dabei von seinen eigenen Rollen so hingerissen , daß er von diesen Nebensachen , wie von wichtigern Vorfällen wenig bemerkte . Er spielte wirklich den Bruder Martin und in den spätern Akten den Lerse . Wenn ihn etwas zerstreute , so war es die Aufmerksamkeit , welche er , selbst wider seinen Willen , Charlotten widmen mußte . In jeder Bewegung , in der Art zu sprechen , in der Manier , mit welcher sie oft aus der Rezitation ihrer Rolle in die gewöhnliche Sprache , um etwas zu fragen oder anzuordnen , überging , fand er neue Reize . Er begriff es jetzt nicht mehr , warum sie nicht jene Lebhaftigkeit und vornehme , ja höchst edle Schalkheit , mit welcher sie die Adelheid so meisterhaft vortrug , auch in ihrem wirklichen Leben annehme , denn ihm schien , als wäre ihr diese Sprechweise und ihre Gebärde viel natürlicher , als jene schweigsame Ruhe und fast tonlose Kälte der Rede . Indem nun alle sich mehr oder minder mit ihren Rollen abmühten , verschwand ihnen in diesen Tagen ihr eignes wirkliches Leben fast gänzlich , und jeder ertappte sich darauf , daß er auch in den Freistunden seine angelernte Rolle fortspielte . Diese Selbsttäuschung erreichte beim Grafen Bitterfeld einen so hohen Grad , daß er sich es jetzt erst lebhaft zu Herzen nahm , daß man im letzten Friedensschluß die Bistümer Bamberg und Würzburg säkularisiert habe . Er faßte so lebhaft Partei für die geistlichen Fürsten , daß er sich mit