sich zu erinnern , während es ihm immerfort warnend in die Ohren dröhnte : Nur nichts vergessen ! nur nichts vergessen ! Das Riesenhaupt dehnte sich über den Herd des Ofens hinaus , er sah es , wie ihn begrüßend , sich neigen , er sah ganz in der Nähe das gräßliche Durcheinanderflimmern aller Züge desselben , und nun folgte dem Haupte die ganze Gestalt . Der weite , wie aus Feuernebel gewobene Mantel , welcher sie in große bauschende Falten verhüllte , quoll weit über den Herd hinaus und begann allmählig sich im ganzen Gemache zu verbreiten . Der Baron raffte sich mit aller Kraft zusammen , um das Grausen zu überwinden , was ihn ergriffen hatte , und ward wirklich wieder auf einen Augenblick Meister seiner Gedanken . Er warf einen Blick auf den Herd und gewahrte , daß die Flamme dort zu mächtig lodre , er wollte sie dämpfen , aber er vermochte nicht , dieß allein zu vollbringen . Jetzt breitete sich das Feuernebel-Gewand des riesenhaften Greises immer weiter aus , der Baron glaubte , ihn immer zürnender auf sich blicken zu sehen , es war , als ob er ihn in die Falten seines Mantels einwickeln und ersticken wolle ; er versuchte , sich davon loszuwinden , aber der unkörperliche Stoff ließ sich mit Händen nicht erfassen , obgleich er schwer auf ihn drückte . In der höchsten Noth sucht der Mensch immer den Menschen , auch ohne Hoffnung auf Hülfe , und diese hatte der Baron doch noch nicht aufgegeben . Entschlossen riß er die ins Vorgemach führende Thüre auf . » Franz ! « rief er mit donnernder Stimme , » Franz ! « so hieß der alte Bediente , der einzige , welcher mit ihm diesen Flügel des Schlosses bewohnte und zuweilen bei seinen Arbeiten ihm Handreichung leistete . Keine Antwort erfolgte . Der Baron durchschritt mit festem Tritte das Zimmer . Als er an der andern Thüre desselben stand , blickte er sich um und sah mit Entsetzen das feuerrothe Gewand des Greises ihm durch die Thüre des Laboratoriums nachquellen . Pfeilschnell stürzte er durch das zweite Zimmer . Ein Blick rückwärts verrieth ihm abermals , daß das Gräßliche ihm immer langsam nachfolge . Er floh in das dritte Zimmer ; dort lag Franz auf einem Ruhebette , der Baron erfaßte ihn , wollte ihn wach schütteln ; umsonst ! der siebenzigjährige treue Diener lag starr und kalt , ob durch einen Schlagfluß plötzlich entseelt ? ob nur ohnmächtig oder in tiefem Schlaf begraben ? der Baron hatte nicht Zeit , dieses zu untersuchen . Ein furchtbarer Knall schien den Felsen , auf welchem Schloß Aarheim steht , bis in den Grund zu spalten , die alten Mauern erbebten , als stürzten sie zusammen . Der Baron sah das Feuergewand mit Macht hervorquellen , die blauen und grünen Schlangen waren riesengroß geworden und wanden sich dazwischen hin und streckten die feuerrothen Zungen nach ihm , als wollten sie ihn durchbohren . Da öffnete er im wahnsinnigen Entsetzen auch die äußre Thür , floh auf Flügeln der Angst pfeilschnell hinab in den Hof , und sah nun den ganzen Theil des Gebäudes , den er bewohnt hatte , rettungslos flammend gen Himmel lodern . Des Barons erste Bewegung war ein Versuch , in wilder Verzweiflung das eigne Leben auf diesem Scheiterhaufen seines Glücks und seiner Hoffnungen zu opfern , aber er fühlte sich von starken Händen gehalten . Alle Einwohner des Schlosses waren von der heftigen Explosion im nehmlichen Augenblick erweckt worden , und hatten sogleich im ersten Schreck sich in den Hof geflüchtet . Diese seine Diener , von welchen viele ihren Herrn in diesem Moment zum erstenmal erblickten , verhinderten ihn jetzt , den gräßlichen Tod in den Flammen zu suchen , welchen der alte Franz vielleicht im nehmlichen Moment , hoffentlich bewußtlos , starb . Regungslos und ohne alle Besinnung stand nun der Baron , anscheinend ruhig , und blickte wieder in die zischenden , prasselnden Flammen . Im Rauch , im Feuerdampf sah er noch immer das weite erglühende Gewand des Greises und hoch über sich dessen drohendes Haupt ; der weiße , nebelgleiche Bart wehte , wie der Schweif eines Kometen , weit hin durch die Nacht , im Sturmwinde , den die Flammen erregten . An Rettung des brennenden Flügels war nicht zu denken ; es war , als ob er an allen Ecken zugleich sich entzündet habe , er sank in weniger als einer Stunde in sich selbst zusammen ; nur die aus Felsen für eine Ewigkeit aufgethürmten Außenmauern widerstanden , alles Innere verzehrte die wüthende Feuersbrunst . Nichts blieb von allem , worauf der Baron Schwindel erregende Hoffnungen erbaut hatte , und auch die Gebeine des armen alten Franz verglühten mit im allgemeinen Untergang , und seine Asche fand ihr Grab in den Trümmern . Mit Anstrengung aller ihrer Kräfte gelang es den Bedienten und den Bewohnern des Dorfs , das Hauptgebäude des Schlosses vom Untergange zu retten , aber der Baron schien ihr Bemühen und ihre Anstalten gar nicht zu bemerken . Ganz still stand er und sah in das Feuer , bis der letzte Balken einstürzte und alles Zerstörbare vernichtet war . Dann wandte er sich und ging mit feierlichem Schritt , begleitet von seinen vornehmsten Dienern , die große Treppe im Mittelgebäude hinauf , in das ehemalige Zimmer seiner Gemahlin , das er seit dem Tage ihres Todes nicht wieder betreten hatte . Dort setzte er sich an ein Fenster , der dampfenden Brandstätte gegenüber , und schlug nach kurzem Besinnen ein so furchtbar gellendes Gelächter auf , daß alle , die ihn umgaben , sich fast bis zum Wahnsinn davon erschüttert fühlten . Dieser entsetzliche Zustand währte mehrere Stunden , kein Arzt war in der Nähe , der ihn zu mildern versuchen konnte . Das Gesicht des unglücklichen Greises verzerrte sich im furchtbarsten Krampfe , seine ermattete Brust hob sich immer gewaltsamer , während das herzzerreißende unaufhaltsame Lachen immer forttönte