wie sie im Leben ein holdes Beispiel der Tugend war , so könnte man auch jetzt von ihr zu sterben lernen . Sie erzählte ihm nun , daß Erna von einem schleichenden Fieber ergriffen , in einem Zustande der äußersten Ermattung sich befinde , der dem Arzte wenig Hoffnung , sie zu retten , gebe . Nur noch der Schatten ihrer ehemaligen Gestalt , sei sie auch in der Blässe des nahenden Todes durch ihre sanfte Geduld , ihre fromme Ergebung noch immer eine der anmuthigsten , herzgewinnendsten Erscheinungen , die , nicht vom Farbenschmelz der äußeren Blüthe abhängig , den Stempel einer höheren Abkunft in den verklärten Zügen tragend , flüchtig über die Erde hinweg der besseren Heimath entgegen schweben . Linovsky behandele sie jetzt mit zarter Schonung . Sein düsterer Gram spreche deutlich die Sorge aus , sie zu verlieren , und Erna begegne seinem achtungsvollen Betragen mit aller Dankbarkeit eines liebenden , mit aller Milde eines versöhnten Gemüths . So freundlich sie aber auch ihren Besuch aufgenommen habe , so sei sie doch aufrichtig genug gewesen , ihr die Bitte auszusprechen , ihn nur äußerst selten zu wiederholen , da eine durch keines Fremden Dazwischentreten gestörte Einsamkeit die einzige Bedingung der Ruhe und Zufriedenheit ihres Gatten sei . Dieser Nachsatz erhöhte Alexander ' s Schmerz , denn ach , galt dieser Wunsch schon der Freundin , wie um so viel weiter mußte er ihn von ihr verbannen , ihn , den in Linovsky ' s Augen eine so schwere Schuld belastete , der als der Störer seines häuslichen Glücks in so tiefem Schatten vor seiner Seele stand ! Je leidender er sie wußte , je mächtiger fühlte er sich hingezogen zu dem Kreise , wo sie lebte und litt , und der schauderhafte Gedanke der Möglichkeit , ja sogar der Wahrscheinlichkeit , um nicht Gewißheit zu sagen , sie für immer zu verlieren , kämpfte mit schmerzlicher Gewalt mit allen den Hindernissen , die sich dem kühnen Wagstück , sie noch einmal zu sehen , entgegen stellten . Doch , sich den Vielen anzuschließen , die wenigstens durch Nachfragen nach ihrem Befinden eine blos conventionelle Theilnahme ausdrückten , konnte ihm selbst Linovsky ' s feindselige Gesinnung nicht wehren , und er war überzeugt , daß selbst der Groll seiner Eifersucht in diesen , ach seine Sehnsucht so drückenden Schranken , die er sich anwies , die Gesetze der Höflichkeit ehren müsse , die eine solche bescheidene Aeußerung des wärmsten Antheils wenigstens zu dulden ihn verpflichteten . Jeden Morgen mußte daher der treue Benedikt hingehen , um im Namen seines Herrn die sorgsamste Kunde einzuziehen , wie sie die Nacht zugebracht habe , und ob noch kein Schimmer von Genesung die dunkeln Wolken seiner Furcht erhelle . Aber ach - jeden Morgen kam er wieder , ihm durch die Nachricht , daß die Kranke immer mehr dahin schwinde , den Pfeil des Schmerzes tiefer in die Brust zu stoßen ! XVIII So war der Spätherbst herangekommen . Seine Stürme hatten die Haine entblättert , seine Regengüsse die Spuren der letzten Blumen hinweggetilgt , und öde und winterlich , wie in Alexander ' s Herzen , sah es ringsumher in der Natur aus . Ohne Zweck und Ziel , nur um der inneren Angst zu entrinnen , oder vielmehr um sie zu betäuben , rannte er zuweilen stundenlang durch die Straßen , und so führte ihn der Zufall auch einst an ein Gewächshaus vorüber , hinter dessen hohen Glasfenstern sich die bunteste Blüthenfülle des Sommers vor dem zerstörenden Einfluß des Frostes geflüchtet zu haben schien . Wehmüthig , wie die Träume einer längst verschwundenen Kindheit , begrüßte ihn bei diesem Anblick seine alte Neigung zu der Pflanzenwelt wieder , und er trat hinein , durch die Magie der Unschuld , die unsichtbar im zarten Duft der Blumen weht , die schwarzen Geister der Schwermuth in seiner Seele zu beschwören . Wirklich erheiterte es ihn für Momente , wie durch die Berührung eines Zauberstabs , der rauhen Jahrszeit entrückt und mitten in den reichsten Ueberfluß einer wärmeren Zone sich versetzt zu sehen . Gleich alten , ihm lange aus den Augen entschwundenen Bekannten lächelte er dem reichen Kranze zu , der von blühenden Stauden und Blumen sich um ihn schloß , und wie jeder seiner Gedanken mit dem an Erna verschmolzen war , und selbst die heterogensten Gegenstände ihn an sie erinnerten , so gedachte er auch hier bei dem frischen , kraftvollen Leben , das rings um ihn her grünte und duftete , an sie , die Früh-Verwelkende , der vielleicht eine sorgsam getroffene Auswahl unter diesen Blumen eine momentane Freude auf ihrem Krankenbette gewähren könne . Wie gern hätte er , da er auf andere Weise gezwungen war , gegen sie zu verstummen , die Blumensprache des Orients jetzt benutzen mögen , um in dem Strauß , den er für sie band , seinen Schmerz und seine Sehnsucht auszusprechen , aber zartere Rücksichten , als die gegen sich selbst , ließen ihn unter der Menge nur die wählen , deren milderer Duft nicht narcotisch auf ihre ergriffenen Nerven zu wirken drohte . Einige so schöne Rosen , wie sie kaum der reichste Sommer erzieht , verbunden mit Erna ' s Lieblingsblume , der unscheinbaren , aber Erquickung ausströmenden Reseda , waren am Ende alles , was seine Vorsicht nach einer strengen Prüfung nicht verwarf . Er trug seine Gabe zur Gräfin , die die einzige Vermittlerin war , durch deren Hülfe er hoffen durfte , sie in Erna ' s Hände zu bringen , und er fand sie - gerührt durch die beklommene Angst seines Herzens , die sich in jedem Worte , in jedem Seufzer verrieth - sogleich willig , seinen Auftrag zu übernehmen . Er küßte die Blumen zum Abschied , die nun bald an ihrem Busen duften sollten , und schämte sich der männlichen Thräne nicht , die auf sie herabrollte . Bewegt nahm die Gräfin sie aus seiner Hand . Sie geben Ihren Rosen