nach verjährter Mode gemalt war , nur der Hinzufügung meines starken Backenbarts , dem Meisterstück Belcampos , bedurfte es , um das Bild ganz zu meinem Porträt zu machen . Ich äußerte dies unverhohlen dem Leibarzt . » Und eben diese Ähnlichkeit « , sagte er , » ist es , welche die Fürstin erschreckt und beunruhigt , so oft Sie in ihre Nähe kommen , denn Ihr Gesicht erneuert das Andenken einer entsetzlichen Begebenheit , die vor mehreren Jahren den Hof traf wie ein zerstörender Schlag . Der vorige Leibarzt , der vor einigen Jahren starb und dessen Zögling in der Wissenschaft ich bin , vertraute mir jenen Vorgang in der fürstlichen Familie und gab mir zugleich das Bild , welches den ehemaligen Günstling des Fürsten , Francesko , darstellt und zugleich , wie Sie sehen , rücksichts der Malerei ein wahres Meisterstück ist . Es rührt von dem wunderlichen fremden Maler her , der sich damals am Hofe befand und eben in jener Tragödie die Hauptrolle spielte . « - Bei der Betrachtung des Bildes regten sich gewisse verworrene Ahnungen in mir , die ich vergebens trachtete klar aufzufassen . - Jene Begebenheit schien mir ein Geheimnis erschließen zu wollen , in das ich selbst verflochten war , und um so mehr drang ich in den Leibarzt , mir das zu vertrauen , welches zu erfahren mich die zufällige Ähnlichkeit mit Francesko zu berechtigen scheine . - » Freilich « , sagte der Leibarzt , » muß dieser höchst merkwürdige Umstand Ihre Neugierde nicht wenig aufregen , und so ungern ich eigentlich von jener Begebenheit sprechen mag , über die noch jetzt , für mich wenigstens , ein geheimnisvoller Schleier liegt , den ich auch weiter gar nicht lüften will , so sollen Sie doch alles erfahren , was ich davon weiß . Viele Jahre sind vergangen und die Hauptpersonen von der Bühne abgetreten , nur die Erinnerung ist es , welche feindselig wirkt . Ich bitte , gegen niemanden von dem , was Sie erfuhren , etwas zu äußern . « Ich versprach das , und der Arzt fing in folgender Art seine Erzählung an : » Eben zu der Zeit , als unser Fürst sich vermählte , kam sein Bruder in Gesellschaft eines Mannes , den er Francesko nannte , unerachtet man wußte , daß er ein Deutscher war , sowie eines Malers von weiten Reisen zurück . Der Prinz war einer der schönsten Männer , die man gesehen , und schon deshalb stach er vor unserm Fürsten hervor , hätte er ihn auch nicht an Lebensfülle und geistiger Kraft übertroffen . - Er machte auf die junge Fürstin , die damals bis zur Ausgelassenheit lebhaft und der der Fürst viel zu formell , viel zu kalt war , einen seltenen Eindruck , und ebenso fand sich der Prinz von der jungen bildschönen Gemahlin seines Bruders angezogen . Ohne an ein strafbares Verhältnis zu denken , mußten sie der unwiderstehlichen Gewalt nachgeben , die ihr inneres Leben , nur wie wechselseitig sich entzündend , bedingte und so die Flamme nähren , die ihr Wesen in eins verschmolz . - Francesko allein war es , der in jeder Hinsicht seinem Freunde an die Seite gesetzt werden konnte , und so wie der Prinz auf die Gemahlin seines Bruders , so wirkte Francesko auf die ältere Schwester der Fürstin . Francesko wurde sein Glück bald gewahr , benutzte es mit durchdachter Schlauheit , und die Neigung der Prinzessin wuchs bald zur heftigsten , brennendsten Liebe . Der Fürst war von der Tugend seiner Gemahlin zu sehr überzeugt , um nicht alle hämische Zwischenträgerei zu verachten , wiewohl ihn das gespannte Verhältnis mit dem Bruder drückte ; und nur dem Francesko , den er seines seltnen Geistes , seiner lebensklugen Umsicht halber lieb gewonnen , war es möglich , ihn in gewissen Gleichmut zu erhalten . Der Fürst wollte ihn zu den ersten Hofstellen befördern , Francesko begnügte sich aber mit den geheimen Vorrechten des ersten Günstlings und mit der Liebe der Prinzessin . In diesen Verhältnissen bewegte sich der Hof , so gut es gehen wollte , aber nur die vier durch geheime Bande verknüpften Personen waren glücklich in dem Eldorado der Liebe , das sie sich gebildet und das anderen verschlossen . - Wohl mochte es der Fürst , ohne daß man es wußte , veranstaltet haben , daß mit vielem Pomp eine italienische Prinzessin am Hofe erschien , die früher dem Prinzen als Gemahlin zugedacht war , und der er , als er auf der Reise sich am Hofe ihres Vaters befand , sichtliche Zuneigung bewiesen hatte . - Sie soll ausnehmend schön und überhaupt die Grazie , die Anmut selbst gewesen sein , und dies spricht auch das herrliche Porträt aus , was Sie noch auf der Galerie sehen können . Ihre Gegenwart belebte den in düstre Langeweile versunkenen Hof , sie überstrahlte alles , selbst die Fürstin und ihre Schwester nicht ausgenommen . Franceskos Betragen änderte sich bald nach der Ankunft der Italienerin auf eine ganz auffallende Weise ; es war , als zehre ein geheimer Gram an seiner Lebensblüte , er wurde mürrisch , verschlossen , er vernachlässigte seine fürstliche Geliebte . Der Prinz war ebenso tiefsinnig geworden , er fühlte sich von Regungen ergriffen , denen er nicht zu widerstehen vermochte . Der Fürstin stieß die Ankunft der Italienerin einen Dolch ins Herz . Für die zur Schwärmerei geneigte Prinzessin war nun mit Franceskos Liebe alles Lebensglück entflohen , und so waren die vier Glücklichen , Beneidenswerten in Gram und Betrübnis versenkt . Der Prinz erholte sich zuerst , indem er bei der strengen Tugend seiner Schwägerin den Lockungen des schönen verführerischen Weibes nicht widerstehen konnte . Jenes kindliche , recht aus dem tiefsten Innern entsprossene Verhältnis mit der Fürstin ging unter in der namenlosen Lust , die ihm die Italienerin verhieß , und so kam es denn , daß er bald aufs neue in den alten Fesseln lag , denen er