Nun erst , als unsre Seelen zu Einem erhabenen Wesen emporstrebten , und sie Theil an allen Segnungen nahm , die das schöne Vorrecht der Christen sind , nun erst fühlte ich mich innig und untrennbar mit ihr vereinigt , und jetzt entdeckte ich den Eltern meine Wünsche . Der Schrecken , mit dem Asinius meine Bewerbung aufnahm , zeigte mir schnell mein Unglück . Valeria war nicht die Tochter eines seiner Verwandten , wie ich und die Welt bisher geglaubt hatten , und ihre Geburt , der Stand ihres Vaters , der noch lebte , von solcher Art , daß es eben so unmöglich war , ohne sein Wissen über sie zu bestimmen , als vergeblich , seine Einwilligung zu dieser Verbindung zu hoffen . Diocletian , als er vor achtzehn Jahren auf einem Zuge nach Britannien gekommen war , hatte ihre Mutter , die Tochter eines eingebornen Fürsten , kennen gelernt , und - geliebt kann man wohl von solchen Empfindungen nicht sagen - aber dem Präfekten der Prätorianer , in dem man mit Recht den künftigen Kaiser ahnete , widerstand vielleicht selten ein Herz oder eine Tugend . Die Fürstin starb bei der Geburt des Kindes , und Valeria wurde der geprüften Treue einer Kammerfrau übergeben . Diese reichte darauf dem Asinius Ponticus ihre Hand , und theilte sich mit ihm in die Liebe und Pflege dieser Verlassenen , die sie den Mangel der Eltern so wenig empfinden ließen . Als Diocletian den Thron bestieg , und ihm Asinius Nachricht von dem Daseyn seiner Tochter , und unbezweifelte Beweise für die Wahrheit dieser Behauptung sandte , gab ihr der Kaiser den Namen , den er selbst bei der Thronbesteigung angenommen hatte , und befahl , sie in der Stille und unbekannt zu erziehen , bis es ihm gefallen würde , sie anzuerkennen . Ich wußte nun mein Schicksal , und beschloß es männlich zu tragen . Ich entsagte Valerien , und entdeckte ihr die Ursache . Ihre Liebe war stärker , als ihre Besinnung . Sie wollte nichts von Trennung wissen , sie war entschlossen , mit mir zu fliehen , und allen schimmernden Aussichten , die ihre Geburt ihr öffnete , ohne die geringste Reue zu entsagen . Du wirst nicht fordern , daß ich dir die Kämpfe und schmerzlichen Siege dieser Zeit , die so tiefe Spuren in meinem Gemüthe hinterlassen haben , genau schildern soll . Der schwerste aus allen war der gegen Valeriens Liebe und rücksichtslose Aufopferung . Ihre Pflegeeltern sahen die Gefahr , sie fürchteten von Valeriens allzuheftiger Leidenschaft vielleicht kühne Schritte , oder zitterten vor denn Zorn des Augustus - Gott weiß , was die Ursache war - genug , vor fünf Monaten verschwanden sie sammt Valerien plötzlich aus Eboracum , und sehr wahrscheinlich auch aus der ganzen Insel . Wenigstens waren alle meine Nachforschungen , durch deines Vaters Ansehen unterstützt , vergeblich , und ich habe mehr als Einen Grund zu glauben , daß sie Britannien verlassen haben . Ich wende mich nun an dich . Ich habe alle Hoffnung aufgegeben , aber ich wünschte Valeriens Schicksal zu kennen . Du bist am Hofe des Augustus : o so suche nur zu erfahren , ob blos Besorgniß der Eltern , oder ein unmittelbarer Befehl des Kaisers die Ursache dieser eiligen Flucht war . Ich bin versichert , daß ich Nachrichten erhalten werde , wenn du selbst dir welche verschaffen kannst . Ich weiß , daß sie zu nichts führen werden , denn ich habe entsagt : aber es stört meine Ruhe , nichts von einem Wesen zu wissen , das so innig mit mir verbunden war , das ich als einen Theil meiner selbst betrachte , und an dessen Unglück ich vielleicht die größere Hälfte der Schuld trage . Das ist es , was mich quält . Leb ' wohl , Constantin , und erfreue mich bald mit einem Brief ! Wenn er auch nichts von Valerien enthält , so finde ich doch dein Herz darin . Fußnoten 1 In Eboracum , dem heutigen York , war der kaiserliche Palast . 2 Lustrum , ein Zeitraum von fünf Jahren . 42. Constantin an Eneus Florianus . Nikomedien , im April 302 . Es gibt Verhältnisse im menschlichen Leben , besonders in den höheren Regionen desselben , die , wie die Flügel des Schmetterlings , von weitem mit schönen Farben prangen , die man aber nicht kräftig anfühlen und untersuchen muß , wenn nicht der Glanz verschwinden , und ein trübes unscheinbares Gewebe übrig bleiben soll . Von dieser Art , mein väterlicher verehrter Freund ! ist mein Verhältniß an dem hiesigen Hofe zu den Menschen , die den nächsten und unmittelbarsten Einfluß auf mein Schicksal haben . Schon lange fühle ich das , und daß ich es weder dir , noch meinem geliebten Vater entdeckte , war - vielleicht Stolz , vielleicht die Erkenntniß , daß diese Entdeckung zu nichts führen könnte , als Euch am fernen Ufer der Thamisis über Umstände zu beunruhigen , die nur der Gegenwärtige mit Bestimmtheit durchschauen , und mit Kraft zu seinem Vortheil lenken kann . Dein Brief , in welchem du so Manches von meinem Einflusse zu hoffen scheinst , bläst die Asche vom der verborgenen Gluth , und ich zeige dir nun mich selbst , und meine Verhältnisse , wie sie sind . Mein Vater hat mich dem Schutze , der Sorge des Cäsar Galerius übergeben , und es sind , seit ich aus deinen Armen schied , drei ganz leidliche Jahre verstrichen , in welchen er so ziemlich die Rolle eines zwar strenge , aber besorgten Vaters gegen mich behauptete . Auf die Länge wurde ihm entweder die Rolle zu lästig , oder er fand den Pflegesohn nicht ganz so geschmeidig , als er sich im Anfang den unerfahrnen , im Schatten des Privatlebens aufgewachsenen , brittannischen Jüngling gedacht haben mochte . Die Sorge verschwand , die Strenge blieb , und aus dem Vater würde nach und nach ein despotischer Herr