ihm lag , daß man lange Zeit mit ihm umgehen konnte , ohne irgend etwas anderes zu ahnden , als den ausgebildeten Weltmann , der das gefühlvollste Herz mit einem hellen Kopf verbindet . » Niemand ahndet in ihm « , fuhr er fort , » diesen Abgrund von Unzufriedenheit und gefährlichem Eigensinn ; seine Bildung liegt wie ein Firnis über diesen scharfen Ecken , die bei weitem noch nicht durch die Erfahrung verarbeitet und abgerundet sind . Auch diese frühe Vermählung lag nicht in Clementinens Absicht , und daß sie dennoch geschieht , ist wahrscheinlich mit ein Grund ihrer letzten verstärkten Krankheit . Sichtbar hat aber der Brief von der Gräfin Eleonore sie beruhigt , denn er sagte ihr , daß es geschehen sei ; niemals bereut oder beklagt sie aber eine Sache , die geschehen ist . « - Er sprach ferner von Julianen mit großem Anteil . » Sie ist Clementinens geliebtester Liebling , doch glaubte sie neulich , die kleine Therese würde vielleicht Julianen einmal übertreffen . « - » Nicht mit Unrecht « , sagte Florentin , » sie ist in der Tat ein seltnes Kind ; ich habe nie soviel Ernst und Tiefe bei einem Kinde wahrgenommen als bei diesem . Ob sie aber eigentlich so wunderbar liebenswürdig , so wahrhaft bezaubernd wird als Juliane , kann man wohl noch nicht bestimmen , und auch in dieser liegt noch so vieles in tiefer Verborgenheit . « - » Clementina sagte einmal , Juliane müßte durch das Leben zur Liebe gebildet werden ; aber Therese würde erst durch die Liebe zum Leben sich ausbilden . « Hier sahen sie Betty , nur von einem Bedienten begleitet , über den See auf einem Kahn zu ihnen kommen . Sie brachte dem Arzt die Nachricht , daß es mit Clementinen recht gut ginge , sie schliefe ruhig . Sie wäre herübergekommen , teils ihm das zu verkünden , teils auch , da sie gehört Florentin sei bei ihm , diesen zu fragen , ob er den Rittmeister nicht irgendwo gesehen hätte ? - » Er hat diesen Abend im Garten zu sein versprochen « , sagte sie , » die bestimmte Stunde ist aber längst vorüber und er ist nicht gekommen . « - Florentin erinnerte sich , daß er , des Versprechens an Betty uneingedenk , die Partie fine mit den andern jungen Leuten verabredet hatte , wozu er selbst mit eingeladen war ; er schwieg aber davon , und erwiderte bloß , er hätte ihn nicht weiter als bei Tische gesehen . - » Aber Doktor « , rief Betty aus ; » lernen Sie doch von Florentin , Fassung zu behalten , wenn man Sie auch stört . Sie machen ja ein so bedenkliches Ungewisses Gesicht , als hätte ich Sie eben bei einer Verleumdung von mir selbst überrascht . Gestehen Sie nur , Sie haben von mir geschwatzt ! Doch was liegt daran ? Florentin hat doch nicht recht acht darauf gegeben , er ist viel zu sehr mit sich selber beschäftigt . « - » Halten Sie mich für so selbstsüchtig , gute Betty ? « - » Ei es wäre mir gar nicht angenehm , wenn Sie es nicht wären . Sie machten dann eine Ausnahme , die Ausnahme müßt ' ich respektieren , das Respektieren macht mir Mühe und die Mühe Langeweile . « - » Nun und Clementina ? « - » Stille wer wird einen solchen Namen unnötigerweise aussprechen ! Hier , setzen Sie sich nieder , und erzählen Sie mir ordentlich und bedächtig , wie es am Hochzeittage auf dem Schlosse war ? War Eduard liebenswürdig ? Wie sah Juliane aus ? « - Florentin machte ihr eine drollige Beschreibung von Julianens Putze , von dem er natürlich nichts zu bestimmen wußte als den Effekt , worüber Betty sich dann totlachen wollte , sie behauptete , ihn durchaus nicht zu verstehen . - » Nun so will ich zeichnen , wenn ich mich mit Worten nicht verständlich machen kann ! « - Er zeichnete darauf eine Karikatur hin , man lachte , und scherzte fröhlich darüber . Betty war noch lustiger als gewöhnlich ; es schien als wollte sie durch die gewaltsame Anstrengung eine innere Kränkung betäuben und unterdrücken . Florentin hatte sie nur noch lieber wegen dieser Kraft ; um so mehr haßte er aber den Urheber dieser Kränkung . Es ward vorgeschlagen , Florentin sollte ihren Schattenriß machen . - » Das nicht « , sagte er , » dies Stumpfnäschen schickt sich schlecht zu einem Schattenriß , aber zeichnen will ich Sie . « - Sie stellte sich in einer leichten angenehmen Stellung vor ihn hin . Mit wenigen Strichen war das Figürchen entworfen , im schwebenden Tanz mit beiden Händen ein Tamburin in die Höhe haltend , Gesicht und Haltung , obgleich nur in flüchtigen Umrissen , zum Sprechen ähnlich . Florentin war vergnügt mit dem Entwurf , er hatte seiner Hand nicht mehr diese Sicherheit zugetraut . Er war noch nicht ganz fertig , als auf einmal der Rittmeister dazu kam . - » Sie haben Gesellschaft Herr Doktor « , rief er im Hereintreten ; » ich begreife nun , warum ich Sie Fräulein , vergeblich gesucht und Sie mein Herr vergeblich erwartet habe ; doch ich hätte es auch wohl erraten können . « - » Sie werden mich entschuldigen « , sagte Florentin , » ich hielt es nicht für ein gegebnes Versprechen ; überdies habe ich den Nachmittag und Abend so angenehm zugebracht . « - » O das glaube ich gern « , unterbrach ihn Walter ; » Sie mein Herr Doktor sind immer die Gefälligkeit selbst . « - Betty war in der schmerzlichsten Verlegenheit ; Florentin und der Doktor waren es ihrentwegen nicht weniger . - » Lassen Sie doch sehen « , fuhr Walter fort , indem er näher zum Tisch trat , wo die Zeichnung lag ; » Sie haben hier eine Akademie