, die in ihm sowohl die Erwartung als die Sorge ( beide verdunkeln die Natur und die Kunst ) aufwarf . Das Ufer der Fontänen umflocht ein grüner Ring von Orangen , deren Blüte im Morgenlande nach der Selam-Chiffre Hoffnungen ansagt ; aber wahrhaftig eine nach der andern wurde flüchtig , wenn er an die kalte helle Mutter dachte oder an sein vielleicht leeres Warten . Die Fontänen sprangen noch nicht - er rupfte wie ein Vorherbst immer mehr breite Fächerblätter aus seiner grünenden spanischen Wand und sah doch durch alle weitere Fenster Lianen nicht über den Kiesweg herkommen ( welches schon darum unmöglich war , weil sie längst im Wasserhäuschen bei ihrem Bruder stand ) und er verzagte an ihrer Erscheinung : als dieser plötzlich ins gedachte Fortissimo stürmte und als alle Fontänen vor dem Monde rauschende Kränze aus Flittersilber aufwarfen . Albano blickte hinaus .... Liane stand droben im Mondenschimmer hinter dem flatternden Wasser . Welche Erscheinung ! - Er riß die Laubenzweige an seinem Angesichte auseinander und schauete unbedeckt und atemlos an die heilig-schöne Gestalt ! Wie griechische Götter überirdisch vor der Fackel stehen und blicken , so glänzte Liane vor dem Monde , von dem umherrinnenden Widerscheine der silbernen Regenbogen beschattet , und der selige Jüngling sah die junge offne stille Marienstirn bestrahlt , auf der noch kein Unmut und keine Spannung eine Welle geworfen - und die dünne , zarte , kaum gebogene Augenbraunen-Linie - und das Angesicht , gleich einer vollendeten Perle oval und weiß - und die losgeringelte Locke , auf den Maienblümchen an ihrem Herzen liegend - und den feinen Grazienwuchs , der wie die weiße Bekleidung die Gestalt zu erhöhen schien - und die idealische Stille ihres Wesens , mit der sie statt des Arms nur die Finger auf das Geländer legte , gleichsam als schwebe die Psyche nur über der Lilienglocke des Körpers und erschüttere und beuge sie nie - und die großen blauen Augen , die sich , indes das Haupt ein wenig sank , unaussprechlich-schön aufschlugen und sich in Träume und in ferne , unter Abendröten widerglänzende Ebenen zu verlieren schienen . - Du überglücklicher Mensch ! - Dir erscheint die einzige sichtbare Göttin , die Schönheit , so plötzlich mit ihrer Allmacht und von allen ihren Himmeln begleitet , und die Göttin gibt dir den Wahnsinn - die Gegenwart mit ihren Gestalten wird dir unbekannt - die Vergangenheit vergeht - die nahen Töne ziehen aus tiefer Ferne her - die überirdische Erscheinung überfüllt und überwältigt mit Glanz die sterbliche Brust ! Ach warum durfte durch diesen hohen reinen Himmel eine tiefe kalte Wolke ziehen ? - Ach warum fandest du die Himmlische nicht früher oder später ? - Und warum mußte sie selber dich an ihren Schmerz erinnern ? Denn Liane - in deren überflortes Auge nur ein starkes Licht durchsickern konnte - suchte den Mond , den seine eigne Aurora ein wenig verhing , mit dem wiegenden Kopfe irrend auf , weil sie dachte , ein Lindengipfel verdecke ihn ; - und dieses Wanken malte ihm ihr Unglück so plötzlich mit tausend Farben ! Ein schneller Schmerz zertrat seine Augen , daß Tränen daraus sprützten und Funken , und das Mitleiden schrie in ihm : » O du unschuldiges Auge , warum wirst du verhüllt ? Warum wird dieser dankbaren frommen Seele der Mai genommen und die ganze Schöpfung ? - Und sie wirft vergeblich den Blick der Liebe auf die Mutter und auf die Freundin und - o Gott ! - sie weiß nicht , wo sie stehen . « Aber der Vorhang des Mondes flatterte bald seitwärts , und sie lächelte den Schimmer heiter an , wie der blinde Milton in seinem ewigen Gesange die Sonne oder wie ein Irdischer den ersten Glanz nach dem Leben . Eine Nachtigall , die bisher , zwischen weiten Blumen einem leuchtenden Würmchen nachhüpfend , den Tönen im Zimmer nur mit einzelnen Wildrufen und Nachschlägen der Freude geantwortet hatte , flog Lianen näher , und die geflügelte Zwergorgel riß auf einmal alle Flötenregister heraus , daß Liane im Vergessen ihrer Blindheit niederblickte und Albano erschrocken zurücktrat , als sehe sie auf ihn . Da wurde unter den Tönen des Bruders und der Nachtigall ihr blasses , gleich der weißen Federnelke auf den Wangen leicht gerötetes Angesicht zart vom matten Blütenrot der Rührung überdeckt - die Augenlider zuckten öfter über die glänzenden Augen hin - und endlich wurde der Glanz eine ruhige Träne - es war keine des Schmerzes noch der Freude , sondern jene sanfte , worein die Sehnsucht des Herzens überquillt , wie im Frühling überfüllte Zweige unverwundet weinen . - - Im Menschen wohnt ein rauher blinder Zyklope , der allemal in unsern Stürmen zu reden anfängt und uns Zertrümmerung anrät ; furchtbar regte sich jetzt in Zesara die ganze aufgewachte Kraft der Brust , der wilde Geist , der uns auf Kuntursfittichen vor Abgründe schleppt , und der Zyklope rief laut in ihm : » Stürze hinaus - knie vor sie - sag ihr dein ganzes Herz - was ists , wenn du dann auf ewig verloren bist , hast du nur einen Laut dieser Seele vernommen - und dann kühle und opfere dich in den kalten Quellen zu ihren Füßen . « - Wahrlich er dürstete nach dem frischen Bassin , worein die Fontänen zurücksprangen - - Aber ach vor dieser Sanften , vor dieser Gequälten und Frommen ! - » Nein , « sagte der gute Geist in ihm , » verwunde sie nicht wieder wie ihr Bruder - o schone , schweige , ehre ; dann liebst du sie . « Hier trat er heraus in die erleuchtete Erde wie in einen Himmelssaal und nahm den offnen Sonnenweg , aber leise , vor den Fontänen vorüber . Als er vor ihr vorbeiging , brach auf einmal die Arkade aus Tropfen , die sie halb vergittert hatte , zusammen , und Liane stand wolkenlos wie eine reine Luna ohne Nebel-Hof im tiefen Himmelsblau