Kamiesch , « sagte dieser , » und werde Sie daher erst am Abend wiedersehen . Sie rücken doch vor morgen nicht aus ? « » Nein ! Wir nehmen morgen noch die letzten Ordres in Empfang ! « » Auf Wiedersehen also , Colonel ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es war am Abend ; um die Cantine der jungen Marketenderin hatten sich zahlreiche Gruppen gesammelt , denn es war so eben darin ein kurzes Kriegsgericht über einen ertappten Spion gehalten und dieser zum Erschießen verurtheilt worden . Der Unglückliche hatte sich unter der Maske eines armenischen Händlers mit seinem Knaben in Kamara und dem sardinischen Lager umhergetrieben , und gerade diese Verkleidung hatte zu seiner Entdeckung beigetragen , da aus dem Hauptquartier geheime Warnungen gegen einen gefährlichen Agenten der Propaganda an demselben Tage erlassen worden . In Kamara war der Verdächtige zwar verschwunden , ehe man sich seiner versichern konnte , dagegen wurde er in den französischen Linien auf dem Sapun von Zuaven ertappt und von einem Soldaten als der Zigeuner wieder erkannt , der im vergangenen Sommer in der Dobrudscha den Brunnen vergiftet . Auch der Colonel erkannte ihn wieder , überdies fanden sich mehrere wichtige Papiere bei ihm , die bewiesen , daß er das Spionenhandwerk schon lange im Lager mit großem Erfolg getrieben , und daß er augenblicklich im Besitz aller Nachrichten über den morgenden Sturm war . Die Erbitterung der Soldaten , als sie von der Vergiftung des Brunnens durch die Leichen hörten , war so groß , daß die Wache , die mit dem armen Sünder jetzt aus der Cantine trat , um ihn zur Execution zu führen , ihn nur mit Mühe vor einem noch furchtbareren Schicksal bewahren konnte . Es war Mungo , der Zigeuner , den die Schwester diesmal nicht zu retten in der Nähe war , Mungo , der endlich seinem Schicksal verfallen . Die Gewöhnung an die Gefahr hatte ihm jetzt eine festere Haltung gegeben , als damals , da ihm zuerst der Strick drohte . Mit der Verstocktheit seines Volkes hatte er auch jedes Geständniß über seine Verbindungen im Lager und seine Mitschuldigen verweigert und schritt jetzt zum Tode , zwar mit scheuem , angsterfülltem Blick , nach jeder Gelegenheit des Entkommens spähend , aber wenigstens ohne weibische Klage . Neben ihm , in der Mitte der Wachen , ging der Knabe Mauro , sein Gefährte bei den meisten seiner kecken Spionagen , und in dem finstern Gesicht , den zusammengebissenen Zähnen und den feindlichen Blicken , mit denen er die Drohungen und Verwünschungen der Soldaten vergalt , lag der ganze Trotz und Haß , mit denen seine Jugend gegen die Unterdrücker seiner Kindheit erfüllt worden . Das Kriegsgericht hatte , in Betracht seines Alters , entschieden , daß er der Hinrichtung seines Gefährten beiwohnen , dann gepeitscht und in ' s Bagno von Constantinopel abgeliefert werden sollte . Zugleich verließen die Offiziere , die das Kriegsgericht gebildet , die Cantine . Der Adjutant des General Wimpffen reichte dem Vicomte die Hand . » Berichten , Herr Oberst , « sagte er , » werden wir auf alle Fälle an General Bosquet , vielleicht dem Generalissimus müssen . Doch wird dazu die Abschrift der betreffenden Stelle genügen , wir haben kein Recht , indiscreter als nöthig mit dem Brief einer Dame zu sein , besonders unter so traurigen Umständen . Behalten Sie also einstweilen den Brief und befragen Sie Ihren Freund , den Medecin-Major , sobald er aus dem Lazareth von Kamiesch zurückkehrt , ich zweifle keinen Augenblick , daß er jede genügende Aufklärung wird leisten können . « » Ich verbürge mich mit meiner Ehre für die seine . « » Gewiß , gewiß - das Ganze ist offenbar eine Privatangelegenheit und wir durften sie nur um seiner selbst willen in Gegenwart der Offiziere nicht fallen lassen . Auf morgen denn , vor dem Malachof , der Ihr Patent einweihen wird ! « Er ritt davon , » während der Colonel zur Cantine zurückkehrte , um die Meldung der vollzogenen Execution abzuwarten . « Während der Sergeant-Major Fabrice die Papiere des Gerichts auf dem Feldtisch zusammennahm , ergriff der Vicomte den verhängnißvollen Brief , den man mit verschiedenen verrätherischen Notizen bei dem Spion gefunden hatte . Er war an den russischen General-Stabs-Capitain von Meyendorf in der belagerten Festung gerichtet und lautete : » Mein Freund ! Im Angesicht des Todes , - ich selbst eine dem Tode Geweihte , - richte ich die letzten Worte an Sie auf dieser Welt . Der Mann , der mir Ihren Namen nannte , den Sie sandten , nach mir zu forschen , wird Ihnen diese Zeilen überbringen . Unsere Liebe , unser Glück wurde das Opfer eines Teufels . Von seinem Schmerzenslager , auf das die Wunde ihn warf , die Ihre rächende Hand in der Tschernaja-Schlacht ihm geschlagen , höre ich bis hierher den Verworfenen seine Flüche auf Sie und mich brüllen . Man will es mir nicht sagen , aber ich glaube , daß sein Haß mich absichtlich mit dem Pesthauch seiner Krankheit vergiftet hat , während ich meine Pflicht an seinem Lager that . Das fühle ich , daß meine aufgezehrten Kräfte mich nur wenige Stunden noch von der Ruhe trennen , die mein zerrissenes gebrochenes Herz begehrt . Denn erst seit Tagen weiß ich durch die Geständnisse seines Fiebertobens und den Freund , den Gott an meine Seite stellte , am Krankenbett wie am schrecklichen Traualtar , ohne helfen zu können ! - daß mein Opfer ein nutzloses , daß ich auch damit hintergangen war ! - Doctor Welland , der Sie rettete in Widdin und Ihre Flucht bewerkstelligte , der in Silistria mit Ihnen in Verbindung stand und den ich als Regimentsarzt der Zuaven vor Sebastopol wiederfand , hat mir Alles klar gemacht und mir auch gefagt , daß er