Gesellschaft bei Geist von Beeren zusammen und der Zufall wollte , daß einer der Gäste vom » Allerhühnchen « sprach . » Was ist es damit ? « hieß es von allen Seiten , und kaum daß die Frage gestellt worden war , so wurd ' auch schon die Geschichte zum besten gegeben und das Allerhühnchen herbeigeholt . Geist von Beeren ließ es rundum gehen , witzelte und spöttelte und – warf es dann ins Feuer . Von dem Augenblick an brach das Unheil herein und jene Schläge kamen , deren ich teilweis schon erwähnte . Zweimal brach Feuer aus , Krieg und Mißwachs zerstörten die Ernten und rasche Todesfälle rafften die Glieder der Familie fort . Der General starb plötzlich , bald darauf die beiden Söhne desselben , endlich Geist von Beeren selbst . Die junge Witwe , welche Geist hinterließ , verlobte sich zwei Jahre später mit dem Hauptmann Willemer , 39 einem liebenswürdigen Mann , und die Hochzeit stand nahe bevor . Da geriet Willemer in Streit mit einem Kameraden , einem Herrn von Dolfs von den Gardekürassieren , und in der Heide von Wulkow kam es zum Duell . Willemer ward erschossen . Sein Grab befindet sich auf dem Kirchhofe von Groß-Beeren . Neben ihm ruht die Tochter des » tollen Geist « , die ebenfalls auf rätselhafte Weise starb . Sie war in Berlin im Pensionat und fuhr nach Groß-Beeren hinaus , um ihre Mutter zu besuchen . Als der Wagen vor dem Hause hielt , schien das Fräulein fest und ruhig zu schlafen – sie war tot . Frau von Geist verkaufte schließlich die Besitzung , aber der Unsegen dauerte fort . Nichts gedieh , nichts wollte vorwärts . Der nächste Besitzer verlor sein Vermögen , der ihm folgende führte ein wüstes , unstetes Leben und verscholl , der dritte hielt sich , aber Streit und Hader verbitterten ihm die Tage . Der Unsegen blieb ; aber es blieb auch ein Geistsches Element an dieser Stelle lebendig , ein halb rätselhaftes Verlangen , es ihm an Tollheiten nachzutun . Man kann hieran Studien machen über die Macht und die nachwirkende Kraft eines Originals . Alle Nachfolger des » tollen Geist « hatten einen Zug von ihm , der letzte Besitzer , ein Rittmeister Briesen , am meisten . Sein größter Verehrer aber und ebenso sein begeistertster Nachahmer in allen Dingen , die sich nachahmen ließen , war ein Herr von Beyer , der Groß-Beeren von 1827 bis 1837 besaß . Als eines Abglanzes ehemaliger Geistscher Herrlichkeit sei seiner am Schluß dieser Skizze gedacht . Es lag ihm daran , dem Herrenhause zu Groß-Beeren den Ruf von etwas Apartem zu erhalten , und kaum daß er von der Existenz eines in Zossen lebenden alten Mannes gehört hatte , der zur Zeit des » tollen Geist « eine Art Kammerdiener bei diesem gewesen , so ließ er sich ' s angelegen sein , den selben zu engagieren . Der alte Mann kam auch und wurde ausgefragt , wie sein Gehalt , seine Beschäftigung und vor allem seine Kleidung gewesen sei . Kniehosen , Puderperücke , Silberborten und Schuhschnallen , alles wurde genau beschafft , wie ' s in alten Zeiten gewesen war , und wenn Besuch kam , präsentierte man den Diener des tollen Geist , als ob es dieser selbst gewesen wäre . Herr von Beyer war verheiratet ; seine Ehe zeigte sich jedoch nicht glücklich und wurde getrennt . Bald nach der Trennung verließ er Groß-Beeren , bestellte vorläufig einen Verwalter und ging nach Österreich . Hier trat er als Leutnant bei den Walmoden-Kürassieren ein . Das Regiment garnisonierte damals in Ungarn und Beyer verliebte sich sofort in eine vornehme ungarische Dame . Da der Vater derselben die Partie nicht wünschte , so sah sich der Liebhaber veranlaßt , die liebeskrank werdende Dame in der Rolle eines berühmten Arztes zu besuchen . Und ihr Leiden ward auch wirklich gehoben , aber doch so , daß des Vaters » ja « schließlich nicht wohl ausbleiben konnte . Nun nahm von Beyer seinen Abschied und führte die junge Frau im Triumph nach Groß-Beeren . Wenn bis dahin alles im Stil des » tollen Geist « gewesen war , so wurde nun alles ungarisch eingerichtet und nicht nur Pferde , Tabak und Wein , auch Diener , Koch und Kammermädchen kamen aus Ungarn . Die Dorfleute sagten , ihr Herr sei ein Türke geworden . Alles ging ungarisch und die Wirtschaft polnisch dazu . 1837 verkaufte er das Gut und ging in die Welt . Seitdem ist er verschollen . In der Erinnerung der Dörfler hat er nur schwache Spuren zurückgelassen , aber das Bild des alten » Neck- und Feuerteufels « , der vor ihm da war , lebt fort von Geschlecht zu Geschlecht . Auch das Volk hat künstlerische Instinkte und unterscheidet Kopie und Original . Und wenn jung und alt abends beim Biere sitzen und von alten Zeiten plaudern , verweilen sie gern bei dem kleinen Kobold , » der keine Furcht kannte « , und erzählen sich mit immer gleichem Behagen die Schnurren und Schabernackstreiche vom tollen » Geist von Beeren « . Berlin in den Tagen der Schlacht bei Großbeeren Berlin in den Tagen der Schlacht bei Großbeeren Es war am 19. August 1813 – so entnehm ' ich alten , durch Friedrich Tietz 40 veröffentlichten Aufzeichnungen – als an den Straßenecken Berlins und zugleich auch in der Vossischen und Spenerschen Zeitung folgende Bekanntmachung erschien : » Wir eilen , die treuen Unterthanen Sr. Maj. des Königs hierdurch zu unterrichten , daß in der Nacht vom 10. zum 11. d. M. die Kriegserklärung Österreichs gegen Frankreich erfolgt und der Waffenstillstand ebenso kaiserlich russischer wie unsrerseits gekündigt worden ist . Die Zeit der Waffenruhe ist mithin überstanden und der gerechteste Krieg , der jemals geführt worden , hat wieder begonnen . Berlin , 18. August 1813 . Allerhöchstverordnetes Militär-Gouvernement für das Land zwischen der Elbe und Oder . von L ' Estocq .