gut zu machen ... Herr von Pötzl war Fanatismo und zog auch Benno in die Wirbel und Strudel seiner Bewunderung , ob er gleich ihm hinterher leise ins Ohr ein : Pitoyable ! raunte ... Jenny stand am Piano und hielt die Hand ihres geliebten Maestro mit einer Zärtlichkeit , als wollte sie sagen : Du mein Licht , meine Sonne , du Ursache meines höhern Seins , du Erkenner und Bildner meiner unvergleichlichen Stimme ! ... Signore parla italiano - ? fragte sie , um dem geliebten Professor das Gespräch zu erleichtern ... Denn Benno mußte sich jetzt dem Sonderling nähern , dessen Empfindungen er vielleicht nur allein hier verstand ... Dieser blieb so kalt wie Eis ... Benno fragte ihn in seiner Sprache , ob er die italienischen Herrschaften , die ihn heute ins Burgtheater gezogen hätten , schon aus Rom gekannt hätte ? ... Jetzt blitzte über das gelbe Antlitz ein heller Lichtschein ... Nein , mein Herr , erwiderte er trocken . Einmal diese Leute gesehen zu haben , ist schon zu viel ... Lieben Sie so wenig Ihre Landsleute ? entgegnete Benno ... Diesen Principe Rucca ? ... sprach Biancchi . Haben Sie das schwarze Pflaster gesehen ? Der junge Affe hat sich wahrscheinlich den Kopf an einer Fensterscheibe zerstoßen und geht nun mit einem Pflaster ins Theater , um Oesterreich glauben zu machen , ein solcher Italiener könnte ein Duell gehabt haben ... Benno erzählte die Ursache der Verwundung , nannte die junge Gräfin Maldachini und sah das Auge des Italieners unter seinen schwarzen Brauen immer mehr hin- und herzucken ... Ja mit Bestien muß die spielen ! ... sagte er und fixirte Benno mistrauisch , als müßte er Anstand nehmen , sich ganz auszusprechen ... Dalschefski horchte gleichfalls schlau ... Beide Männer schienen in ihrem innersten Wesen noch etwas anderes zu sein , als was sie hier vorstellten ... Benno erkannte immer mehr , daß er wirklich Luigi Biancchi , den dritter der römischen Flüchtlinge , vor sich hatte , in deren Familie sich Hedemann hineinheirathen wollte ... Jenny war überglücklich , die neue Bekanntschaft des Hauses sofort mit Biancchi so eng verbunden zu sehen ... Wie beide ihr der Hitze wegen in ein Nebenzimmer folgen sollten , Benno auf eine Bestätigung des Ursprungs der Gräfin Maldachini gefaßt sein konnte , unterbrach Resi , die gefolgt war , die zur nähern Verständigung einleitende Frage Benno ' s : Haben Sie nicht Verwandte , die in Frankfurt am Main und London leben ? ... mit den deutschen Worten : Der hat gar keine Verwandte ! Der ist in Italien auf einem Holzapfelbaum ganz für sich allein gewachsen ! ... Benno hätte wünschen mögen , die neckische Plaudertasche hielte sich jetzt entfernt ... Er konnte voraussetzen , daß Biancchi sich in tiefster Herzensbewegung befand , so ruhig auch wieder sein Aeußeres erschien ... Da er auf die erneute Frage nach dem » Bildhauer « Biancchi , wie Benno den Gipsfigurenhändler , und nach dem » Maler « , wie er den Restaurator nannte , nur ein Kopfschütteln als Antwort bekam , ließ er Resi ' s Spott gelten ... Glauben Sie ihm das alles nicht ! sagte diese ... Die Leute , die Sie da nennen , die sind allerdings sämmtlich seine Verwandte ! ... Oder sie mögen nicht weit von seinem Stamm gefallen sein ... Aber Dalschefski muß ihnen regelmäßig schreiben , daß der Onkel im Spital läge und sich selbst von milden Gaben anderer Menschen sein Leben kümmerlich friste ... Ha ragione ! sagte Biancchi ruhig und nahm eine Prise , die ihm sein persönlicher Freund und Stubengenosse , wenn auch musikalischer Gegner und Rival Dalschefski präsentirte ... Besuchen Sie ihn in der Currentgasse , Herr Baron , sagte Resi ... Ein Haus mit drei Höfen , berühmt durch den heiligen Stanislaus nebenan ... Jetzt gehört es der Handlung Pelikan & amp ; Tuckmandl ... Da werden Sie jeden Mittag um zwölf Uhr , Hof Nr. 3 , Thür Nr. 17 rechts diesen von mildthätigen Gaben lebenden italienischen Bettler über einer Pastete von Rebhühnern und dergleichen und dem besten Wein Deutschlands finden , eines Landes , das er so gründlich verachtet ... Unsere Musik schlecht zu machen hat ihm in diesem charakterlosen Wien ein Vermögen von fünfzigtausend Gulden eingebracht ... Nachts fürchtet er freilich zur Strafe die deutschen Diebe - und darin hat er Recht , es wird in Wien fürchterlich gestohlen - Frau von Zickeles ! In der Josephsstadt ist schon wieder eingebrochen ! - Dann ruft er in seiner Angst dem Dalschefski und wenn dieser edle Pole , der die deutsche Musik trotz der drei Theilungen Polens ehrt , es vorzieht , um zwölf Uhr Nachts zu schlafen , so weckt ihn dieser grausame Tyrann , macht Licht und schmeichelt ihn aus dem Bett heraus mit dem Zugeständniß , daß Mozart manchmal ein Italiener gewesen wäre ... O , wir kennen alle seine Verwandte . Eine Frau Giuseppina Biancchi zieht in Castellungo die besten Seidenwürmer ... Graf Salem-Camphausen hat sich ' s eine Untersuchung kosten lassen , als er der Angiolina Stunden gab und ihn auch da einmal Terschka um seine Verwandte zur Rede , er sich aber darüber völlig unwissend stellte ... Mit größter Ruhe entgegnete der Maestro auf diese für Benno tief ergreifenden Einzelheiten : Es ist ja bekannt , daß dieser Herr Graf von Salem seine Finanzen durch allerlei dumme Possen ruinirt hat ... Da man lachte , so brach Resi in ein parodirendes : Perfido ! Crrrrrudele ! aus im Ton der italienischen Oper , sprang zum Klavier , variirte noch eine Zeit lang in diesem Ton heftige Verwünschungen gegen Biancchi , ging aber allmählich wie von Rührung über die Erwähnung Angiolinens und die wol jetzt in Erfahrung gebrachte Mission des fremden jungen Rechtsgelehrten ergriffen , in andere Melodieen über und sang zuletzt Schubert ' s » Wanderer « mit einem erschütternden Ausdruck der Empfindung ... Benno hatte indessen nicht den Muth , weiter zu forschen ...