verschwiegen blieb . Es ist Etwas in Paris berathen , beschlossen worden , das wir nicht kennen . Alle Anzeichen deuten darauf hin , daß Sie im Besitz dieses Geheimnisses sind , Ihre Unterredung mit dem Kaiser - Ihre plötzliche Sinnesänderung , Ihr Verweilen hier im Lager , das Ihre Mittheilung über Ihren Enkel nicht mehr genügend erklärt - « » Und was führt Sie überhaupt zu der Annahme , daß ein solches Geheimniß existirt ? « » Der Mangel jeder Vorbereitung Frankreichs auf den Fall , daß Sebastopol nicht fällt ! - Die ausgestreueten Gerüchte einer zweiten Ueberwinterung , eines neuen Heerlagers bei Constantinopel können nicht bemänteln , daß man gar keine Anstalten dazu getroffen . General Pelissier verzögert es selbst , für einen nothwendigen Fall die Wiedereinschiffung der Armee durch eine stärkere Befestigung von Kamiesch zu sichern , während die Engländer dies aus allen Kräften mit Balaclawa gethan haben . Entweder , Napoleon muß des Falles von Sebastopol sehr sicher sein , oder - « » Daß er es ist , zeigt sein Brief vom 20. August an die Armee . « » Was er über die Lage der russischen Streitkräfte und der Festung durch die beiden Spione in Berlin und den Verrath der Briefe aus der Umgebung des Königs von Preußen erfährt , wissen wir auch - aber das genügt nicht , um die Chancen des Kriegsglücks mit Bestimmtheit zu berechnen . « » Oder - « » Oder es existirt ein geheimer Pakt - kurz , Sie müssen um das Geheimniß wissen ! « » Ich kenne es ! « » So werden Sie sich erinnern , Graf , daß jede Wissenschaft der Unsichtbaren den Oberhäuptern gehört . « » Signor , « sagte der Veteran entschlossen , » die Tage , die ich noch zu leben habe , sind gezählt und ich fürchte deshalb die Dolche der Unsichtbaren nicht . Mein Entschluß ist deshalb gefaßt . Die Gewalt , die Sie mir bieten , soll der Preis des Geheimnisses sein , das Sie wünschen . Ich kann ihn nicht annehmen , ich habe Ihnen meine Gründe gesagt . Aber Sie sollen es haben für einen andern Preis - den einzigen , gegen den ich es verkaufe . « » Lassen Sie hören . « » Ich schulde dem Kaiser Napoleon ein Leben - das Meine , und eine Güte - meinen Enkel . Geben Sie mir die Erlaubniß , ihn , ohne Sie oder den Thäter zu compromittiren , gegen den Mordversuch zu warnen und versprechen Sie mir , nicht weiter durch Meuchelmörder gegen ihn zu kämpfen , und das Geheimniß ist das Ihre . « Der Italiener dachte nach . » Schwerlich kann ihn Ihre Warnung noch zu rechter Zeit erreichen - und sie muß ohnehin zu unbestimmt sein , dergleichen werden ihm und seinem Herrn Pietri täglich zugehen . « » Der Erfolg steht in Gottes Hand ! « » Wohlan , ich will es wagen und verpflichte mich mit meinem Ehrenwort , aber merken Sie wohl - nur auf zwei Jahre ! « Der Greis öffnete seinen Rock und zog unter dem Hemd ein flaches blechernes Kästchen hervor , das an einer Schnur um seinen Hals hing . Er öffnete es und nahm einen im offenen Couvert steckenden Brief heraus , den er entfaltete und vor den Abbé legte , ohne ihn aus den Händen zu geben . Der Brief enthielt nur die Worte : » Ich wiederhole den bestimmten Befehl , den Rückzug der russischen Armee von der Südseite Sebastopols in keiner Weise zu gefährden . Napoleon . « Der Abbé ließ das Blatt los . » Also ein Tractat zwischen Rußland und Frankreich noch vor Entscheidung des Krieges ? Man hat sich geeinigt und die Fortsetzung der Belagerung ist ein bloßes Spiel ? « » So scheint es - ich habe nur versprochen , sobald es Noth thut , von dieser Ordre Gebrauch zu machen . « Der Italiener schwieg einige Augenblicke . » Die Gewißheit schon , « sagte er dann , » ist wichtig - sie ändert all unsere Pläne im Norden . Leben Sie wohl , mein Herr , ich werde mein Wort halten , nach zwei Jahren werden wir Andere haben , wie wir jetzt Bellamare haben . Leben Sie wohl - Ihres Schweigens wenigstens sind wir sicher . « In der Thür stieß er auf den Vicomte , der eben vom Pferde stieg . Der Pole empfing seinen jüngern Freund mit sichtlicher Freude . Der Vicomte nahm seine Hand und führte ihn in die Baracke . » Wo ist Sir Edward ? « » Er verließ mich diesen Morgen , ohne bis jetzt zurückgekehrt zu sein . Ist der Beschluß des Kriegsraths ein Geheimniß ? « » Nicht für Sie , « berichtete der Colonel . » Für morgen Mittag 11 Uhr ist der Sturm auf der ganzen Linie bestimmt , mein Regiment wird die Reserve gegen den Malachof bilden . « » Das Blutbad wird entsetzlich sein . « » Wir sind gefaßt darauf . Jetzt muß ich meine Vorbereitungen treffen , die strengste Vorsicht ist befohlen , damit es uns gelingt , die Russen zu überraschen . Man ist in den letzten Tagen wieder feindlichen Spionen auf die Spur gekommen und es ist der Befehl gegeben , alle verdächtigen Personen sofort zu verhaften und wenn sie sich nicht ausweisen können , zu erschießen . Auch Agenten der revolutionairen Propaganda sollen sich im Lager zeigen und die Mißstimmung der Soldaten und Offiziere aufreizen . General Pelissier hat sogar auf unser Corps besonders hingedeutet . Das erinnert mich daran , daß ich den Schurken Lebrigaud alsbald nach dem Hauptquartier zu senden versprochen habe . Er ist einer der alten Zephyre des Generals und der Adjutant sagte mir , daß er ihn sprechen wolle , wahrscheinlich um ihm ein Geschenk zu geben . Wir treffen uns wohl in einer Stunde in der Cantine Nini ' s , Herr Graf ? « » Ich muß sogleich nach