Pflegetochter ... Er kennt sie aber seit Jahren nicht mehr , will auch nichts mehr von ihr wissen ... Auch zu uns kam sie sonst ... Herr von Terschka führte sie auf ... Später ging ' s nicht mehr - des Verhältnisses mit dem Grafen wegen , der sie als Kind hatte erziehen lassen und dann - ... Sie wissen ... Nur die Einzige , die sie noch zuweilen sieht , ist da die Resi ... Das ist überhaupt ein lieber Narr ! ... Resi ' s Vater war unser erster Buchhalter und hinterließ ihr ein hübsches Vermögen ... Seitdem wohnt sie mit einer Tante und will seit zehn Jahren schon zum Theater ... Sie weiß aber nicht , daß das mit ihren fünfundzwanzig Jahren zu spät wird ... Meine Schwestern sind mit ihr auferzogen worden ... Sagen Sie ihr aber um Himmels willen nicht , daß Sie der Employé sind , der die Heirath des Grafen Hugo mit der Gräfin Dorste , der Geisterseherin , arrangiren soll ... Sie kratzt Ihnen sonst die Augen aus , so intim war sie noch vor kurzem mit Angiolina , die wirklich sonst eine Pracht von einem Mädchen ist ... Aber hören Sie , wie die Resi jetzt den Biancchi zurecht stutzt ... Sie müssen wissen , die Therese wohnt in Einem Hause mit den beiden Musikmeistern , die zusammenwohnen , obwol sie ganz verschiedene Systeme haben ... Theresens Lehrer ist der Dalschefski , ein Pole , und der ist für deutsche Musik ; und unsere Jenny , die hat den Biancchi zum Lehrer und der ist natürlich ein fanatischer Italiener ... Der Pole und der Italiener wohnen , wie gesagt , in einem Quartier ... Auf der Currentgasse ... Und von Haus aus sind sie die besten Freunde ... Im Vertrauen gesagt wegen der Politik ... Aber in der Musik hassen sie sich ... Nun können Sie sich die Eifersucht der beiden Mädchen denken ! ... Unsre Jenny weint eben , weil der Biancchi heute mit der Resi ins Burgtheater gangen ist , während sie im Kärthnerthor allein saß ! ... Welche geringfügigen Leiden ! dachte Benno ... Mehr konnte Harry nicht mittheilen ; alles wurde still , weil die beiden Freundinnen allein das Wort führten ... Jenny , nicht so anmuthig , wie ihre Schwester Bettina , mit schärferer orientalischer Zeichnung , voller , drückte ihr Taschentuch vor die Augen und behauptete , die ganze Vorstellung des » Piraten « wäre ihr heute verdorben gewesen durch das vergebliche Warten auf Biancchi ... Und dieser Mann würde inzwischen von Theresen in Beschlag genommen ! ... Der Pole Dalschefski , ein magerer , schmächtiger Alter mit grauen Haaren , immer halb lächelnden , halb melancholischen Ausdrucks , sprach in gebrochenem Deutsch : Mein Freund Biancchi - er hat sehen wollen - die Loge von großem Kanzler - wo sind gewesen heute die italienischen Herrschaften aus Rom - hab ' ich ihm gegeben meine Platz - ... Unbesonnen genug von Ihnen ! entgegnete ihrerseits die Resi ... Der fremde Herr Baron , der durch Zufall Zeuge unsrer Leiden gewesen ist , wird es bestätigen können , daß der Maestro durch seine gehässigen Bemerkungen uns die ganze Vorstellung verdorben hat ... Wenn Therese Kuchelmeister laut sprach , schien es , als wäre dies für alle ein Zeichen , zu schweigen ... Angelika Müller raunte Benno , der an dem Italiener immer mehr Interesse nahm , ins Ohr : Das ist unsre Armgart - ins Wienerische übersetzt ... Sie ist natürlich - aber bis zur Grobheit einer Küchenmagd ... Hören Sie nur ! ... Angelika schien vorauszusetzen , daß es zwischen Benno und Armgart immer noch wäre wie sonst ... Unter allgemeinem Lachen sagte Resi , indem sie von ihrem Teller ein Ragout aß : Ueberhaupt diese Italiener ! ... Nein , die listige Artigkeit erst , mit der er in die Loge kam statt des Dalschefski , bis sich dann seine wahre Natur enthüllte ... So ist ' s auch in unserm Hause ... Wann der » Obers « zum Kaffee den beiden Herren zu schlecht ist - und es ist ein Leiden mit der Milch in Wien , nicht wahr , Frau von Zickeles ? - so schicken sie zu mir herunter und meine Tante laßt sich regelmäßig bestechen , wann sie gerad ' oben eine Sonat ' von Beethoven spielen hört ... Dann , denkt sie , hat unser guter Dalschefski da die Oberhand , das arme fromme Lamm das ... Alles lachte ... Dalschefski kicherte , als kraute ihm eine sanfte Hand - das Fell ... Mit unerschütterlicher Ruhe , einer Mumie gleich , verharrte Biancchi unter dem Gelächter und that , als wenn er überhaupt kein Deutsch verstünde ... Dalschefski sagte zu Benno , der im Antlitz des Professors Aehnlichkeiten mit Napoleone , Marco Biancchi und - Olympien suchte ... O , sie ist schlimm ! ... Jenny Zickeles stand ihrem Lehrer als einem willenlosen Opfer fremder Intriguen bei , brachte ihm von den Speisen und schlug den Flügel auf ... Der Schwiegersohn des Hauses , Ritter Fuld , schien vor dem Moment des Singens seiner Schwägerin ein Grauen zu empfinden , retirirte sich und zog Benno auf ein Kanapee ins Nebenzimmer ... Seine Gemahlin kam ab und zu ... Sie lachte fast zu viel - » ihrer schönen Zähne wegen « , flüsterte Herr von Pötzl schon bei ihrem Eintreten ... Jenny , ihre Schwester , sang indessen eine majestätische Arie von Caraffa ... Biancchi schlug die Noten um ... Benno betrachtete in den Pausen , die ihm Ritter Fuld gewährte , den Italiener ... Es mußte der » Onkel « Olympiens sein ... Nur etwas Außerordentliches hatte diesen Feind der deutschen Sprache und Kunst ins Burgtheater ziehen können ... Wie sprach er von dem Kind seiner Schwester Lucretia ... War nicht über seine todten Mienen ein plötzliches wildes Erzittern gekommen ? ... Die Arie endete natürlich mit großem Applause ... Auch Resi und Dalschefski klaschten - um alles wieder