Zeit der Groß-Beerener Schlacht , oder doch noch kurz vorher der » Geist von Beeren « hauste . Das klingt gespenstisch und darf so klingen , wenn zwischen Gespenstern und Kobolden irgendwelche Verwandtschaft ist . » Geist von Beeren « war ein Kobold , nebenher auch Besitzer von Groß- und Klein-Beeren und der letzte aus jenem alten Geschlecht der Beeren oder Berne , das vier Jahrhunderte lang die genannten beiden Güter innehatte . Von diesem Hans Heinrich Arnold von Beeren will ich erzählen . Ums Jahr 1785 hatte er beim Könige die Erlaubnis nachgesucht , seinem alten Namen » von Beeren « den Namen » Geist « hinzufügen zu dürfen . Die Erlaubnis war auch erteilt worden und seitdem hieß er der » Geist von Beeren « oder kürzer » der tolle Geist « . Er war ein kleiner , schmächtiger , lebhafter Mann , witzig , sarkastisch , hämisch . Zwietracht anstiften , zanken , streiten und opponieren war seine Lust . Von seinen unzähligen Schnurren , Injurien und Prozessen lebt noch einzelnes in der Erinnerung des Volkes und ich erzähle , was ich davon erfahren konnte . Die meisten dieser Geschichten setzen sich freilich bloß aus Albernheit , Übermut und Schikane zusammen , manches indes ist wirklich gut und treffend , und jedenfalls entsprach all und jedes dem nicht sehr verfeinerten Bedürfnis seiner Zeit und seiner Umgebung . Zwei Gruppen von Personen waren es besonders , mit denen der streitlustige Geist eine unausgesetzte Fehde unterhielt : seine Gutsnachbarn und die Regierungsbeamten . Unter den ersteren hatte er sich besonders den Herrn von Hake auf Genshagen zum Gegenstand nicht enden wollender Anzüglichkeiten und Verhöhnungen ausersehen . Die Korrespondenz , die er mit diesem seinem Nachbar in einem Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren geführt hat , soll ein wahrer Anekdotenschatz und für die Freunde des Hakeschen Hauses seinerzeit eine unerschöpfliche Quelle der Erheiterung gewesen sein . Leider ist diese Korrespondenz verbrannt . Zwei Geschichten indes aus der langen Reihe dieser gutsnachbarlichen Rankünen und Streitigkeiten existieren noch . Geist , im übrigen kein Freund der Jagd , ließ sich eine Jagd- und Schießhütte bauen , wenig Schritte von dem Punkte entfernt , wo seine eigene Feldmark mit der Genshagener Forst zusammenstieß . Die Front der Hütte ging auf feindliches Gebiet hinaus , und die Absicht lag klar zutage . Hier saß er halbe Nächte lang und schoß von seinem Territorium aus dem Herrn von Hake die Rehe tot – ein Wilddieb aus purer Malice . Als Hake Beschwerde führte und auf Abbrechen der Hütte antrug , antwortete Geist : Die Hütte habe keinen offensiven Charakter ; er ( Geist ) habe von Jugend auf immer rückwärts geschossen und müsse es ablehnen , in seinen alten Tagen nach einem neuen Prinzip auf Jagd zu gehen . Bei anderer Gelegenheit beschwerte sich Herr von Hake , daß er bei Passierung einer Brücke , für deren Instandhaltung Geist Sorge tragen mußte , mit seinem Justitiarius Buchholz eingebrochen sei . Geist replizierte : » über die Brüche würden täglich sechsundzwanzig seiner schwersten Ochsen getrieben , und niemals hab er gehört , daß einer derselben irgendwie Schaden genommen ; es sei mindestens eine auffallende Erscheinung , daß gerade Herr von Hake mit seinem Justitiarius durchgebrochen sei . « Herr von Hake hatte nicht Lust , den Streit ruhen zu lassen und ging an die Gerichte . Als Geist eine Vorladung empfing , ließ er den Brückensteg ohne weiteres abtragen und auf einen Holzwagen setzen und erschien nun damit vorm Kammergericht in Berlin , die Räte desselben allergehorsamst ersuchend , sich durch Okularinspektion von der Richtigkeit seiner Aussagen und der Haltbarkeit des Brückenstegs überzeugen zu wollen . Einen viel lebhafteren Groll unterhielt er gegen alles , was sich » Regierung « oder » Behörde « nannte und mit der Miene der Autorität gegen ihn auftreten wollte . Die alte Registratur des Kammergerichts , das er in seinen Eingaben gelegentlich » hochpreisliches Jammergericht « anzureden liebte , soll davon zu erzählen wissen . Seine Fehden mit dem Pupillenkollegium , dessen Namen er nicht müde ward in der wunderlichsten Weise zu kürzen oder zu verunstalten , sind teils allgemeiner bekannt geworden , teils liegen sie jenseits aller Mitteilungsmöglichkeit – wiewohl man dem humoristischen Übermut gegenüber , der sich in allen seinen Schnurren ausspricht , eigentlich jedes Anstandsbedenken aufgehen und der derben Laune sich freuen sollte . Neben dem Pupillenkollegium hatte niemand mehr als die Potsdamer Regierung unter seinen Sarkasmen zu leiden . Jede Schwäche , jedes Versehen , fand einen unerbittlichen Kritiker in ihm . Bei Abschätzung des Gutes waren Wert und Ertragsfähigkeit desselben zu hoch oder zu niedrig taxiert worden und die Regierung , den Streit endlich zu schlichten , schickte eine Untersuchungs- und Begutachtungskommission . Die Zeit , Mitte Dezember , war allerdings nicht allzu günstig gewählt , und Geist faßte nunmehr in seinem nächsten Schreiben an die Regierung alles , was er zu sagen hatte , in folgendem Reim zusammen : Gerechter Gott des Himmels und der Erden , Was soll aus Deiner heiligen Justitia werden ? Die Erde ist bedeckt mit Eis und Schnee . Da untersuchen sie die Bonité ! O weh , o weh , o weh ! – Unter den Personen , gegen die seine Spöttereien sich richteten , war unter andern auch der Reformator unserer Landwirtschaft , der berühmte Thaer . Die Prinzipien , die dieser einzuführen trachtete , hatten nicht die Zustimmung unseres Geist von Beeren , vielmehr machte letztrer seinem Unmut in einer kleinen Broschüre Luft , die den Titel führte : » Die preußische Landwirthschaft ohne Theer . « Alles lachte . Der kleine Tückebold hatte sich aber diesmal verrechnet und es erschien eine Gegenschrift unter dem Titel : » Die preußische Landwirthschaft ohne Geist . « Solchem Reparti war er nicht gewachsen und er gab die Fortsetzung des Kampfes auf . Sein bester weil treffendster Streich war vielleicht der folgende . Wir hatten ein Kienraupenjahr und die Forstheiden der Mark befanden sich in einem allertraurigsten Zustande . Die