leuchtenden Augen lachend eintrat ... Frau Bettina Fuld kam von der » Wieden « und berichtete über die im dortigen Theater gehörten , » unerhörten Plattitüden « ... lachte aber doch noch bis zum Ersticken darüber ... Benno erfreute sich des angenehmen Eindrucks , den er zum ersten Mal empfing ... Dagegen war Herr Bernhard Fuld ihm zwar äußerlich bekannt , doch mußte er sich erst allmälig in ihm zurecht finden , denn er war so mit Bart überwachsen , daß man keine Physiognomie herausbekommen konnte ... Er trug sein Band der » ehrlichen Legion « ... Benno fühlte Mitleid mit dem Grafen Hugo , zu dessen Leben er hier die Reversseite sah ... Jetzt kam denn auch Harry zurück ... Er hatte noch dem Laërtes , als er die Rede für Opheliens und seines Vaters Tod gehalten , stürmisch applaudiren können , war dann nebenan in die Loge zur » Resi Kuchelmeister « gegangen und brachte diese und auch den Herrn Professor Biancchi mit ... Noch erschien eine andere ältere auch der Musik angehörende Persönlichkeit , der Professor Dalschefski , ein Pole ... Es gab eben einen Zank , dessen Ursache Benno , den seltsamen Italiener , Bruder der alten Carbonari Marco und Napoleone fixirend , nicht sogleich ergründen konnte ... Alles das ging bunt durcheinander und noch bunter , als nun auch Leo Zickeles aus einem seiner Wohlthätigkeitscomités nach Hause kam ... Die Whistpartieen waren zu Ende , die Spieler standen auf und eine Nebenthür wurde geöffnet , wo compactere Speisen auf einem Tische standen , auf den die Hungernden » wie die Wölfe « zufuhren ... Resi Kuchelmeister brauchte diesen Ausdruck ... Sie freute sich Benno wieder hergestellt zu sehen und begrüßte ihn wie einen alten Bekannten schon - doch zugleich scharf ihn etwas musternd ... Der alte Herr von Zickeles trat vertraulich zu Benno ... Nach einigen Ermahnungen , sich einen Teller zu füllen , nahm er ihn bei Seite und erörterte den Stand der Angelegenheiten des Grafen ... Ja , sagte er , Seine Erlaucht sind auf dem Schlosse Salem ... Die Frau Gräfin Mutter Erlaucht werden von Schloß Westerhof erwartet ... Hat die Comtesse Paula von Dorste-Camphausen eingewilligt ? ... Benno konnte keine Auskunft geben ... Hm ! fuhr der alte Herr fort ... Sie , Herr Baron , bringen doch vom Herrn Oberprocurator Nück schon die Stipulationes der Agnaten ... Der Graf soll sie zuvor unterschreiben ... Die Schuldenlast ist sehr groß und meine Lage nicht darnach , länger Geduld zu haben ... Ich würde Salem und Castellungo subhastiren müssen ... Castellungo ? ... Das gehört der Mutter ... Schon längst hat sie es für den Herrn Sohn verpfändet ... Ohne den Zwischenfall mit Terschka wären wir schon näher am Ziele ... Die Urkunde - Allen Respect , Herr von Asselyn - Ich kenne Ihre Ansichten nicht - aber doch - sehr eine verdächtige Geschichte ... Herr von Zickeles wollte sagen : Terschka hat im Auftrag Roms das Schloß angesteckt und dann eine falsche Urkunde producirt - Wenigstens las Benno diese Ansicht in den scharfen Mienen des Handelsherrn , der keineswegs zu Scherzen geneigt schien ... Benno antwortete : Terschka ist ja Protestant - Protestant - ! lächelte Herr von Zickeles und flüsterte : Die Jesuiten lassen ihn auch sein Protestant ... Mit einem so furchtbaren Streiflicht über Terschka ' s Flucht und Aufenthalt in London stand Benno eine Weile sich allein überlassen ... Denn die Töchter umschmeichelten eben den Vater , fielen ihm um den Hals , liebkosten ihn - natürlich , um dabei auch den fremden Baron , dessen begeisterte Prophetin schon lange Angelika Müller gewesen , näher in Augenschein zu nehmen ... Herr von Zickeles ließ sich Kinn und Wange streicheln , sagte auch der hinzugekommenen Resi Kuchelmeister viel Artiges , war ganz nur Patriarch und fuhr dann doch , als die Frauen forthüpften , streng wieder fort : Sie werden es auf Salem sehr öde und einsam finden ... Falls Sie bis dahin zurück sind , seien Sie doch den Mittag morgen bei uns zu Tisch - Und überhaupt - Herr von Asselyn , an jedem Tag finden Sie bei uns Ihr Couvert ... Wenn die Gräfin zuletzt mit der wirklichen Entscheidung eintreffen sollte - Herr von Zickeles konnte nicht weiter reden ... Auch Leo Zickeles nicht , der hinzugetreten war und sich ins Geschäftliche mischen wollte - Mein Gott , was ist ! mußten Vater und Sohn zu gleicher Zeit fragen ... Jenny weinte laut ... Weil Professor Biancchi mit Resi Kuchelmeister » eine Verschwörung « gegen sie eingeleitet hätte ... Eben jetzt erst hatte sie erfahren , daß Biancchi heute Dalschefski ' s Platz im Burgtheater benutzt und die Resi begleitet hätte ... Sie hatte bisher den Grund , warum er heute nicht im » Piraten « war , vergebens erforscht ... Soviel etwa verstand Benno von der Ursache des Streits ... Der Vater ging besorgt in das vordere Zimmer ... Frau von Zickeles folgte in großer Aufregung ... Leo , der älteste Sohn des Hauses , der Wohlthätigkeitsschwärmer , ein ruhiger , kaltprüfender Mann , schenkte Benno Wein und sagte , ohne sich um den musikalischen Lärm zu kümmern : Ja , Sie werden den Grafen sehr in Verstimmung finden ! Aber man kann ihm doch nur Glück wünschen , daß namentlich auch - das Verhältniß aufhört mit dieser - Angiolina ... So war das vernichtende Wort gefallen ... Angiolina ? sagte der hinzutretende Harry lächelnd und löste Leo ab , der von seinem Schwager , dem Diplomaten , in Anspruch genommen wurde ... Haben Sie auch schon von dem Fräulein Pötzl gehört ? fragte er und sah sich dabei schmunzelnd und scheu nach Herrn von Pötzl um ... Wie hängt Herr von Pötzl mit - fragte Benno in abgebrochener Rede ... dieser - Dame - zusammen ? ... ... Bei Leibe , flüsterte Harry und drückte seine kleinen Augen vollends zu ; nur nichts laut davon ! ... Sie ist Herrn von Pötzl ' s