Wir erleben etwas ! Justus hat geschrieben . Heut ' Abend kommt mehr . Es sieht unten schlimm aus ! Schlimm ! Hurrah ! Er schickte seinen Einspänner , aus Brotneid , nicht in die Krone , sondern auf einem beschwerlichen , morastigen Wege durch den Wald in die Sägemühle . Der Sägemüller war sein Freund . Sie hatten beide das eigne Schicksal erlebt , daß vor Jahren ihre Schwestern , die den Förster Heunisch heirathen sollten , durch unglückliche Zufälle um ' s Leben kamen . Herr Rentmeister von Sänger , ein ehemaliger Offizier und alter Kamerad aus dem Husarenregimente , das nach dem Generalfeldmarschall das Fürstlich Hohenbergische hieß , fuhr mit seiner Frau Gemahlin in einem Zweispänner . Sie stiegen am Amthause aus und ließen , ein Vorrecht alter Zeiten benutzend , ihre Kalesche dem Schlosse zufahren , wo sich leere Remisen und Ställe genug fanden . Louis Armand im schwarzen Frack , ein leichtes Tuch nicht steif , sondern leicht um den Hals geschlagen , in Stiefeln , die er sich selbst geputzt hatte und unbekümmert mit schwarzen Handschuhen , begegnete dem Wagen und schloß aus seinem Aussehen auf eine gewähltere Gesellschaft . Er hatte den Vormittag mit Briefen in die Heimat , an Märtens zugebracht , auch Fränzchen ein paar freundliche Worte geschrieben , die Heunisch mitnahm , der gekommen war , nochmals den ihm immer mehr gefallenden Plan zu besprechen , daß seine Nichte zu dem Generalpächter kommen könnte ... Murray hatte ihm viel Vergnügen gewünscht und ihn getröstet , daß er sich schon zu unterhalten wissen würde ... Wer die Einsamkeit nicht liebt , hatte er gesagt , ist nur ein halber Mensch . Wer nicht einsam sein kann , ist auch nicht versöhnt mit sich . Die Verbrecher fürchten sich vor nichts so sehr als vor der Einsamkeit . Es ist ihre fürchterlichste Strafe . Dennoch muß sie , wie jede Strafe , mäßig angewandt werden . Einsamkeit soll bessern , nicht abstumpfen . Sie soll anfangs nicht gleich ganz gegeben werden , sondern nur nach und nach . Dann wird sie zu einer heilenden Strafe . Man gewinnt die Einsamkeit lieb und spricht mit ihr und versöhnt sich mit seinem Schatten . Am Eingange des Amtshauses begegnete Louis seinem entfernten Verwandten , dem Vikar Oleander und der Frau Pfarrerin . Jener kam einfach , diese mit ängstlichem , ärmlichem Putz . Sie grüßte Louis als wär ' es Egon selbst gewesen . Die Ärmste war eine durchweg eingeschüchterte Natur , lebte nur in ihren Kindern und der äußeren Sorge für ihren Gatten , der ihr auf so überraschende , seltsame Art plötzlich entschwunden war . Gewiß war es eine Frau , die in ihrer Sphäre erkannt sein wollte , um bei aller Einfachheit nicht ohne Werth zu erscheinen . Was konnte sie dafür , daß sie von einem Manne gewählt , als Gattin heimgeführt war und ihm nun nicht mehr genügte ? Unter ihren Kindern fand sie sich in ihrem ewigen Mutterrechte . Ach und im Grunde , murrte sie denn über ihr Loos ? Ließ sie es sich nicht genügen , so einfach und freudenleer es war ? Wenn eine Frau von geringen Fähigkeiten und ohne äußeres Verdienst durch den Misgriff eines Mannes zu Rechten kommt , die sie anspruchsvoll geltend zu machen sucht , so wird man dem Worte : Er hat mich doch nun einmal genommen ! wenig Überredung und Bindekraft beimessen können . Wenn aber ein so zu einer gewissen Haltung gekommenes Wesen doch wie eine niedrig wachsende Schlingpflanze nur an dem festen Stamme ihres Rechtes sich hinzieht und nur dahin sich ausdehnt , wo er ihr und ihren Kindern wärmer von der Sonne beschienen dünkt , wer möchte da nicht duldend herabblicken und dem bescheidenen Dasein jede Freude wünschen ? Zu den Gästen , die ein großes aufgeputztes Zimmer empfing , gesellten sich bald auch Ackermann und Selma . Es lag eine eigne Ironie in den Zügen des geistreichen Mannes , wie er so mit seinem lieblichen Kinde in diesen geputzten Kreis ländlicher Bedeutsamkeit eintrat . Freundlich neigte er sein Haupt mit der offnen freien Stirn nach allen Seiten und Selma bot Jedem die Hand , der ihr nahe stand , nur Louis nicht , den sie zu vermeiden schien und nur flüchtig grüßte . Oleander , der für Äußerlichkeiten sonst keinen Sinn hatte , pries ihren Anzug , zum Erstaunen der in einem blau- und rothschillernden Seidenkleide die Honneurs machenden Frau Justizdirektorin , die sein Entzücken verspottend , ihm sagte : Herr Vikar , Sie bewundern und wissen sicher nicht , worin eigentlich der wahre Reiz dieser geschmackvollen Toilette besteht ! O stellen Sie mich nicht auf die Probe ! antwortete Oleander . Ich analysire Ihnen sonst das schöne himmelblaue Kleid so , daß ich unten die Besätze abtrete . Oleander verlor sich im Anschauen . Er folgte Selma , wie sie den Damen sich näherte und deren Bekanntschaft erneuerte , mit strahlendem Blick . Louis aber benutzte den Umstand , daß man noch auf den letzten Randhartinger Wagen wartete , um Ackermann bei Seite zu nehmen . Ohnehin von allen Anwesenden mit der größten Neugier betrachtet , kam ihm die Gelegenheit , sich zurückzuziehen und den vielen Fragen auszuweichen , sehr erwünscht . Er stellte sich , da zwei Zimmer geöffnet waren , in das Nebenzimmer zu Ackermann und trug ihm sein Gesuch wegen Fränzchens vor ... Diesem kam der Antrag ganz erwünscht . Erst heute , bei den Vorbereitungen zu dieser Einladung , hätten sie ein Wesen vermißt , das seiner Tochter näher stünde als eine gewöhnliche Dienerin . Mit Freuden ! sagte er . Wenn Sie für das junge Mädchen bürgen ! Doch warum werden Sie nicht , da eine Liebe wie die des jungen Sandrart beweist , daß sie deren würdig ist ! Schon um den Alten ein wenig zu ärgern , nehmen wir das Kind . Selma trat hinzu und erfuhr , worüber es sich hier handelte . Nun , sagte