der nach Genshagen führenden Straße . Sämtliche Geschütze des Reynierschen Korps , 60 an der Zahl , waren in die Front gezogen worden und erwiderten sofort das Feuer , das Oberst von Holtzendorff aus 64 preußisch-russischen Sechs- und Zwölfpfündern auf eine Distanz von 1800 Schritt eröffnet hatte . Zunächst schien das feindliche Feuer im Vorteil bleiben zu sollen : mehrere preußische Geschütze waren demontiert und eine zerschossene Batterie mußte zurückgenommen werden ; als aber um eben diese Zeit die schwedische reitende Batterie von Cardell in die diesseitige Geschützfront einrückte , gab Oberst von Holtzendorff Befehl , bis auf 1200 Schritt zu avancieren . Alle Batterien jagten vor und im selben Augenblicke fast , wo sich die Wirkung dieses Vorganges erkennen ließ , ließ General von Bülow die bis dahin in Deckung zurückgehaltenen Brigaden Krafft und Thümen im Sturmschritte gegen Dorf und Kirche vorbrechen . Ein erbitterter Kampf entspann sich . Das I. Bataillon Kolberg griff Groß-Beeren in der Front an , während rechts daneben Major von Gagern an der Spitze des 5. Reserveregiments auf die den Kirchhofshügel verteidigenden Sachsen eindrang und das hier stehende Regiment von Low zersprengte . 37 Neue Bataillone , die Reynier aus der hinter dem Dorfe haltenden Division Lecocq in die Front zog , stellten das Gefecht zwar wieder her , und ein Vorbrechen sächsischer Ulanen parierte sogar siegreich einen diesseitigen Reiterangriff . Aber dies war auch der letzte glückliche Moment auf gegnerischer Seite . Denn in demselben Augenblicke fast , wo sich die sächsische Kavallerie dieses Erfolges rühmen durfte , wurde die gesamte feindliche Position von zwei Seiten her umfaßt , indem die gerade jetzt den Lilobach passierende Vorhut der Borstellschen Brigade Groß-Beeren von Osten her , die Brigade Prinz von Hessen-Homburg aber die mehr nach Westen hin gelegene Hügelposition zwischen der Windmühle und dem Vorwerk Neu-Beeren erstürmte . Durch diese Bewegung von links und rechts her war die ganze in Front stehende Division Sahr abgeschnitten und hatte nur noch für ihren Rückzug zu kämpfen . Diesen bewerkstelligte sie geschickt und ging in guter Haltung , wenn auch unter erheblichen Verlusten , auf die Genshagensche Heide zurück . Hiermit war die Wiedereroberung Groß-Beerens ausgeführt . Allerdings , da von den neun Divisionen der Oudinotschen Armee nur drei wirklich engagiert gewesen waren , lag es in der Möglichkeit , unsern Erfolg wieder bestritten zu sehen , und in der Tat wurde der Versuch dazu gemacht , als bei Dunkelwerden die Spitze des noch vollkommen intakten 12. Korps in verhältnismäßiger Nähe des Schlachtfeldes erschien . Aber auch dieser Versuch , an dem sich namentlich Kavallerie beteiligte , schlug fehl , und um neun Uhr schwieg das Gefecht . 38 Unbehelligt gingen alle drei Divisionen vom Korps Reynier auf Löwenbruch und Wittstock , die Korps Bertrand und Oudinot aber auf Saalow und Trebbin zurück . Der erste Versuch Napoleons , sich Berlins zu bemächtigen , – der zweite führte zur Schlacht bei Dennewitz , – war gescheitert und hatte dem Korps Reynier , insonderheit den beiden sächsischen Divisionen , einen starken Verlust bereitet . Allein diese letztgenannten verloren 28 Offiziere und 2096 Mann an Toten , Verwundeten und Gefangenen . 14 Kanonen und 52 Munitionswagen waren außerdem eingebüßt worden . Unser Verlust bezifferte sich auf nicht mehr als elfhundert Mann , alle vom Bülowschen Korps . Auf Seite der Schweden war nur ein Offizier verwundet worden . Berlin jubelte und betätigte seinen Jubel . Elf Wagenreihen mit Brot und Tabak , mit Bier und Branntwein beladen , setzten sich nach dem Biwak von Heinersdorf hin in Bewegung . Auch von Eberswalde , Charlottenburg und Oranienburg erschienen Transporte . Der Kronprinz von Schweden erließ andern Tages aus dem Lager von Ruhlsdorf ein Bulletin , in welchem er mit nicht allzugroßer historischer Treue die Begebenheiten der letzten Tage bekannt machte . Hinsichtlich des Generals von Bülow und seines Korps hieß es wörtlich : » General von Bülow erhielt Befehl , den Feind anzugreifen . Er führte diesen Befehl mit derjenigen Entschlossenheit aus , die den geschickten General bekundet . Seine Truppen marschirten mit eben jener Ruhe , die während des siebenjährigen Krieges die Soldaten des großen Friedrich auszeichnete . « General von Bülow selbst enthielt sich begreiflicherweise jedes Hinweises auf die » Soldaten des großen Friedrich « , unterließ aber nicht , das Tatsächliche richtig zu stellen . » Ich faßte « , so heißt es in seinem Berichte an den König , » den Entschluß , den Feind anzugreifen und wurde dazu durch einen nachträglichen Befehl des Kronprinzen autorisirt . Unter Einschluß der mir zugetheilten russischen Batterien , sowie der Kosaken , haben die Truppen Ew . Majestät allein gefochten . « Im übrigen war es keine große Schlacht gewesen . Einem energischen , aber wie gewöhnlich erfolglosen Artilleriekampfe war eine Dorferstürmung gefolgt , welcher es , aller Tapferkeit unerachtet , doch insoweit an allem Heldischen gebrach , als wir den Schlüssel der Position : die Kirchhofsstellung , in erheblicher Überzahl angriffen . Es bleiben aber solche vor den Toren einer Hauptstadt geschlagenen Schlachten immer ganz besonders im Gedächtnisse der Mensch heit , einfach deshalb , weil die Zahl der durch solche Kämpfe zu direkter Dankbarkeit Verpflichteten um vieles größer ist als bei Provinzial- oder gar Auslandsschlachten . Und so kommt es denn auch , daß Großbeeren – beispielsweise weit über das im übrigen sehr verwandte Dennewitz hinaus – ein Lieblingstag in unserer berlinisch-brandenburgischen Geschichte geblieben ist , fast so beliebt und gefeiert wie Fehrbellin . Als ein gefälliges Spiel des Zufalls mag dabei noch hervorgehoben werden , daß es , wie bei Fehrbellin so auch bei Großbeeren ein Prinz von Hessen-Homburg war , der durch einen im entscheidenden Moment geschickt ausgeführten Angriff zum Siege mitwirkte . Geist von Beeren Geist von Beeren Von allen Geistern , die verneinen Ist mir der Schalk am wenigsten verhaßt . Der Groß-Beerener Kirche schräg gegenüber , an der anderen Seite der Dorfgasse , werden wir , über eine Feldsteinmauer hinweg , eines sauberen und gut erhaltenen Wohnhauses sichtbar , in dem zur