kleine satyrische Seitenhiebe hineinzuwerfen und ihnen wieder eine Fülle von Gemüth folgen zu lassen ... Die Veränderung wird außerordentlich werden ! sagte er ... Und wahrhaftig ! Die Zickeles sind sehr dabei interessirt ! ... Wo nur Herr Leo bleibt ! ... Leo ist das Geschäft nächst dem Vater ... Ganz Metalliques , blos Abends Wohlthätigkeitsschwärmer ... Ich vermuthe , er sitzt in diesem Augenblick Comité ... Das Talent , ein gutes Herz zu zeigen , Herr Baron , ist in Wien sehr cultivirt , aber - kostspielig ... Herr Leo von Zickeles wird deshalb wol auch nie heirathen ... Er sieht sich seine Medaillen , Ehrenpatente , seine gedruckten Thränen der Witwen und Waisen an und behält sein von tausend Zähren des Dankes emaillirtes Herz für sich allein ... Joseph ! rief hier die Mutter ... Hat Herr von Asselyn G ' frornes ? ... Joseph präsentirte ... Herr von Pötzl fuhr fort : Den zweiten Bruder , den Herrn Harry haben Sie schon kennen gelernt ... Auch der ist Vormittags aufrichtig Metalliques ... Aber die übrige Zeit gehört dem Enthusiasmus für Ruhm und schöne Künste ... Sie sehen , daß er sich viertheilen lassen kann , wenn er einem Schauspieler an einer gewissen Stelle einen Applaus versprochen hat ... Es ist schon vorgekommen , daß er einem Maschinisten » auf der Wieden « befohlen hat , an einem Abend eine Störung hervorzurufen , nur damit ein andres Stück herausgebracht werden mußte , als dasjenige , wo er ein gegebenes Applausversprechen wegen eines anderweitigen Theater-oder Concert-Engagements nicht erfüllen konnte ... Harry Zickeles führt jede in der Theaterzeitung neuangekündigte Unsterblichkeit , wenn sie nach Wien kommt , in die hiesigen Hallen des Ruhmes ein ... Sein größtes Leidwesen ist dabei nur , wenn sich sein Herz zwischen zwei Gegnern in zwei Hälften theilen muß ... Pepi ! rief die Mutter ... Hat der Herr Baron G ' frornes ? ... Pepi präsentirte ... Herr von Pötzl flüsterte : Der dritte Sohn , Percival , ist , wie Sie wol schon an dem träumerischen Jüngling gemerkt haben werden , ein dichterisches Genie ... Vor zwei Jahren erst bekam er den Vornamen Percival ... Er hat Romanzen geschrieben wie Heine , blos daß er zur Abwechslung auch einmal den Palmenbaum , statt von einer Tanne , von einer Akazie geliebt sein läßt - Wissens , von wegen der » Grazie « ... Auch hat er einen » Ahasver « unter der Feder , in dem die geniale Idee vorkommen soll , daß Ahasver sich nach Wien begibt und im » Stock am Eisen « einen Nagel vom Kreuz des Erlösers einschlägt , gerade noch den letzten , der hinein geht , wodurch ihm die selige Ruh ' zu Theil wird ... Percival ! rief die Mutter ... Hat Herr Baron G ' frornes ? ... Percival fuhr wie aus Morgenrothsträumen auf , strich sich seine schönen langen schwarzen Haare zurück und machte eine Miene , als hätte ihm nur eine Geisterstimme gerufen ... Allmälig besann er sich aber auf den irdischen Begriff des » G ' frornen « und offerirte davon mit einer Miene weltschmerzlichen Duldens ... Herr von Pötzl nahm ihm die Schüssel ab mit der freundlichsten Anrede : Sie , mein liebster bester Herr Percival ! ... Ich glaub ' fast , Sie sind schon wieder einen halben Zoll gewachsen ... Percival schien die Anerkennung seiner Jugend gern zu hören und lächelte ... Die Frau Bettina von Fuld - die kennen Sie ? ... fragte dann Herr von Pötzl , als sie wieder an einem andern Fenster allein standen ... Benno mußte diese Voraussetzung verneinen ... O sie muß sogleich erscheinen ... Mit ihrem Gatten , der etwas in das diplomatische Fach spielt - ein Changeant , das in Homburg und Baden-Baden viel Geld kosten soll ... Dann ist noch die jüngere Schwester , die Jenny , da ... Die ist noch » im Kärnthnerthor « , wo eine abgeleierte Oper von Bellini gegeben wird ... Sie hat eine famose Stimme ... Wenigstens glauben das die Aeltern und der Professor Biancchi - ja - kennen Sie den Namen ? ... Das ist derselbe , den Sie heut im Theater sahen ... Der wird nicht Ursache haben , diese Ueberzeugung von Jenny ' s Stimme zu bestreiten - denn er » laßt « sich die Stund ' mit einem Dukaten zahlen ... Sie werden ohne Zweifel heute noch Gelegenheit haben , sich von dem Raffinement dieses Italieners mit dem Pergamentgesicht , das Sie heute sahen , näher zu überzeugen ... Kommt er mit , so laßt er sie singen ... Ich sage : laßt sie ... Denn das ist höchst merkwürdig ... Diese Musikprofessoren haben über ihre Schülerinnen eine Autorität wie ein Abrichter über seine Affen ... Wann der Alte in den Salon tritt , kriegt die Junge regelmäßig einen innern Ruck , wie eine Braut vor ihrem kommenden Bräutigam ... Vor keinem Menschen hat sie Courage , allein zu singen ... Steht aber der alte Italiener dabei und schlagt mit seiner unerschütterlichen Pierrotmaske die Noten um , so geht ' s : Perfido ! Crudele ! - Mamsell Müller ! rief jetzt wieder Frau von Zickeles ... Hat der Herr Baron G ' frornes ? Angelika hüpfte zum Whisttisch ... Sie war so in Träumen versunken , daß sie nur den Ruf , nicht den Auftrag gehört hatte ... Biancchi - Biancchi - ! ... Auch über diesen Namen mußte Benno tiefbeklommen athmen ... Angelika carambolirte inzwischen mit Herrn von Pötzl , der sich selbst unterbrechend mit der süßesten Miene und wie zum Kniebeugen anbetend auf Damen zulief , die eben ins Zimmer traten und vielleicht die Verlästerten selbst waren ... Immer größer und größer wurde der Zustrom ... Frau von Zickeles zankte mit dem Fräulein Müller über das , » was sie nicht gewohnt wär ' zweimal zu sagen « und verwies sie jetzt auf die Ankommenden ... Angelika ' s Rosabänder flogen einer Dame entgegen , die mit