- Aber auch hier beugte der besonnene Herr von Zeisel vor und bemerkte : Siebzehntens , Fräulein Ackermann - Achtzehntens - Dies Auskunftmittel war sehr fein ... Nun verstand sich von selbst , daß der achtzehnte Herr Ackermann war . Denn es war auch wirklich der Letzte . Jetzt begann die Erörterung der Weinvorräthe . Zwölf Herren , sechs Damen , sagte Frau von Zeisel , seufzend über die Nothwendigkeit , einmal so unebenbürtige Menschen , nicht die Adligen der Umgegend , bei sich zu Tisch zu sehen . Acht Flaschen auf den Tisch , liebes Kind , erörterte ihr Gemahl . Und zwei in Reserve ! bemerkte die vortreffliche Wirthin . Hier räusperte sich Herr von Zeisel und sah Pfannenstiel an , als hofft ' er von diesem Succurs . Acht auf den Tisch , fiel dieser ein , und acht unter ' n Tisch ! Macht sechszehn . Wie ich gesagt habe . Sechszehn ? rief Frau von Zeisel . Das wäre ja ein Trinkgelag ! Frau Justizdirektorin , wenn die Männer lustig werden und für meinen Schwager , der die Ehre hat , geladen zu sein und weil ' s wieder unruhig in der Hauptstadt ist - Nur wegen der Wirthschaftsräthin Pfannenstiel und Frau Justizräthin Schlurck - fiel Frau von Zeisel berichtigend ein . Dero- oder Derowegen ! Wenn Drossel auf die Politik und die neuen Wahlen und die geladenen Kanonen kommt , ladet Der zwei Flaschen mehr für sich allein . Ich will hoffen , bemerkte Frau von Zeisel , daß er uns mit seinen demokratischen Reden verschonen und sich erinnern wird , bei wem er dinirt . Es hat lange genug gedauert , bis wir uns entschlossen haben ... Den wahren Grund der Entschließung , der darin bestand , daß Emmeline und Alwine Drossel , die ältesten Mädchen vom gelben Hirsch , viel häßlicher als die jüngere Lenchen waren und nur als Folie ihrer eignen Reize gebeten wurden , verschwieg Frau von Zeisel , die sich nun erhob , um sechszehn Flaschen , theils Roth - theils Gelbsiegel , aus dem Keller zu holen . Schlurck hatte dafür gesorgt , daß sein guter Freund und seine gefällige Freundin in ihren kleinen Weinvorräthen anständig ausgestattet waren . Schlurck hatte mit Melanie gemein , daß er gern schenkte und sich von allen seinen Bekannten die Geburtstage merkte . Nach dieser wirthschaftlichen Erörterung erbat sich Pfannenstiel nur noch einige Augenblicke zu einer amtlichen Wahrnehmung . Ich habe , sagte er , Ihre gestrige Weisung , auf alle verdächtigen Personen der Umgegend zu wachen , auch dem Förster Heunisch mitgetheilt , Herr Justizdirektor . Bis jetzt ist uns nichts aufgestoßen außer den zwei Arbeitern , die vorgestern mit einem Bauerwagen hier eintrafen und in der Krone abstiegen , um bei Herrn Ackermann ' s neuen Anlagen Arbeit zu suchen . Ich fragte sie nach ihren Papieren . Sie hatten ganz schöne , neue Pässe und gaben sich der Eine für einen Schlosser , der Andre für einen Klempner an . Genauer besehen , kamen sie mir sonderbar vor . Beides alte Knaben schon . Der Eine , der Schlosser , war sicher schon an die Funfzig . Ihre Hände glatt , eher wie zum Spazierengehen als zum Arbeiten . Der alte Zeck nahm sie , weil er Arbeit vollauf hat . Heute früh aber hör ' ich , schmälte und tobte er , daß sie wenig von rechter Feuerarbeit verstehen , faul und unbeholfen sind und besser thäten , weiter zu ziehen . Da haben sie ganz volle , schwere Beutel gezogen und ihr Handgeld zurückzahlen wollen . Zeck aber hat ' s nicht nehmen wollen , sondern gesagt : Bis Samstag sollten sie ' s in allerhand kleinen Arbeiten abverdienen . Das rief er mir heute zu , als er nach dem Ullagrund ging mit seinem Jungen . Er bat mich , ein Auge auf die beiden alten Kerle zu haben . Ich ging auch zu ihnen in die Schmiede und fand , daß sie in Verlegenheit waren , als ich eintrat . Bis Sonntag , sagt ' ich ihnen , könnt ihr noch dableiben ! Dann trollt euch ! Wir gestatten hier keinen Aufenthalt ! Dazu zogen sie eine Miene , daß ich fast grimmig wurde . Heunisch rief mir einen guten Morgen zu . Er ging gerade vorüber und wollte auf ' s Schloß . So kam ich von den beiden Gaunern ab . Ich will sie scharf im Auge behalten . Thut Das ! Thut Das ! Pfannenstiel , sagte der Justizdirektor zerstreut . Gebe der Himmel , daß das heutige Diner in Ehren überstanden ist . Es ist eilf Uhr . Ich muß mich nun wol anziehen . Damit überließ Herr von Zeisel den Staat , die Wahlen , die Krisis , die öffentliche Sicherheit dem Gerichtsboten und Amtsvoigte , der in seine Thurmwohnung ging , um sich nun doch auch etwas festmäßig anzukleiden . Der Gedanke : alles Das um einen ausländischen Tischlergesellen ! ließ ihn manchmal erstaunt genug dabei den Kopf schütteln . Der Mittag kam heran und gleich nach zwölf Uhr gerieth ganz Plessen in Bewegung . Die am entferntesten wohnten , kamen früher als die näher Wohnenden . Doktor Reinick war einer der Ersten . Er besuchte einige Patienten und Genesene . Leider mußte er statt in Plessen in Randhartingen wohnen , weil der Spezereihändler und Apotheker Sonntag dort ein Gut bewirthschaftete und deshalb nicht in Plessen wohnen konnte . Auch Herr Sonntag fuhr in einem kothbespritzten Einspänner vor . Der Wirth in der Krone sah es in seinem Hofe einmal wieder recht lebendig werden . Drossel aber , der Hirschwirth , jagte mit seinem Einspänner wie im Schuß beim Kronenwirth vorbei . Seine beiden ältesten Töchter saßen neben ihm . Aber hier und da rief er , von der Krone an langsamer fahrend , diesem oder jenem bekannten Bauer zu : Neue Wahlen ! Was sagt ihr ? Neue Wahlen ! Unser Fürst ! Neue Wahlen ! Kanonen !